Girls just wanna have a Kopftuch?

Girls just wanna have Fun - oder ein Kopftuch? Es bleibt spannend, ein paar Tage nach der Angelobung der neuen Regierung. Die ÖVP prescht vor und will nun das Kopftuchverbot für Mädchen ausweiten von bislang 9 Jahren auf 14 Jahre. Auch ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen ist angedacht, für die Grünen ist das bislang undenkbar.

Ein paar Überlegungen zum Thema Kopftuch:

1. Ein "Kopftuchverbot" für Schülerinnen bis zum Alter von 14 Jahren kann auch so gesehen werden: die Schule als Kopftuchpause, die auch mulimische Mädchen eine säkuläre Welt erleben lässt. Die Kopftuchpause könnte für manches Mädchen zu interessanten Erkenntnissen führen. Junge Mädchen, die kein Kopftuch tragen, sind nicht "unerhenhafter" als andere. Alle Mädchen haben das gleiche Recht auf Unverehrtheit, völlig unabhängig davon, was sie auf dem Kopf tragen und wie sehr sie nach außen bereits als Frau wirken. Das Recht, das zu erleben, sollten wir auch muslimischen Mädchen zugestehen. Vermutlich wird das manchem Macho-Bruder saurer aufstoßen, aber das soll nicht unser Problem sein.

2. Ob das Kopftuch oder andere Formen der Kopfbedeckung im Koran festgeschrieben ist, oder nicht (die Interpretationen darüber gehen auch unter Islamgelehrten auseinander), ist völlig unerheblich. Es ist allerdings nur dann unerheblich, wenn der Staat sich tatsächlich in seinem Wirkungsbereich (und das sind Schulen und Ämter etc.) sich tatsächlich säkulär gibt. Man sollte hinsichtlich Religion in der Schule ebenso streng sein wie gegenüber Politik in der Schule. Parteipolitik hat in der Klasse nichts verloren, darauf wird in der Regel auch penibel geachtet.

3. Das hat dann aber für alle Religionen und Bekenntnisse zu gelten. Religion hat in der Schule - so wie am Arbeitsamt, im Krankenhaus oder bei der Führerscheinprüfung - einfach nichts verloren. Egal welche Religion, egal welche Manifestation. Kein Kreuz, keine Kippa, kein Kopftuch, keine Gebetsmühlen, kein Elefantentempel, kein Vodoo, keine Zauberer. So einfach ist das.

4. Leider geht es der in dieser Sache überaus eifrigen ÖVP nicht darum. Bedient werden von der Partei lediglich die "mia san mia" Reflexe der eigenen ländlichen Klientel und jene der verwaisten FPÖ-Stimmen. Es geht beim Kopftuchverbot nicht um die Mädchen oder Frauen, sondern um ein sichtbares Zeichen "gegen den Islam." Die eigene Klientel jubelt, die Islamisten werden eine Ungleichbehandlung bemäkeln - und damit leider nicht ganz Unrecht haben.

5. Wenn die Putzfrau nach Hause kommt, um sauber zu machen, stört deren Kopftuch die feinen Pinkel mit Sicherheit nicht.

6. Dass die Grünen hierzulnde das Kopftuch verteidigen, im Iran die Frauen aber für jeden Millimeter Haar, das gezeigt werden darf, kämpfen und im Extremfall dafür ihr Leben riskieren: das ist eine Ironie der Geschichte.

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Spinnchen

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G. Szekatsch

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Markus Andel

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