Salvini und Co: Drecksarbeit für Putin

Jetzt hat es also Salvini erwischt. Eine Vertrauensmann des italienischen Innenministers hat in Russland mit Vertrauten des russischen Präsidenten Vladimir Putin darüber geplaudert, wie man der rechten Lega Salvinis über kreative Geschäfte ein paar krumme Millionen zukommen lassen kann. Das ist nicht schön, aber ebenso wenig überraschend. Wir reden laut „Welt“ übrigens von 65 Millionen Dollar, mit denen Rußland den Wahlkampf der Lega untertstützen wollte. Das konservative Blatt schreibt von "einer neuen Dimension russischer Einmischung."

Putin handelt völlig rational

Putin lässt für seine treuen Freunde in der EU schon mal was springen, wenn sie sich als Feinde der EU bewähren. Was treibt Putin an? Ich befürchte, dass die Erklärung ganz banal ist. Putin will eine schwache EU, oder besser noch: gar keine EU. Nicht, weil ihm der „europäische Gedanke“ zuwider ist, sondern aus purem Machtkalkül. Es ist leichter, mit Österreich oder Belgien oder Litauen einzeln zu verhandeln als mit einer geeinten und einigen EU. Wenn Luxemburg oder Portugal gegen die Annexion der Krim protestieren, sagt Putin: „Eh liab“. Wenn allerdings die EU Sanktionen verhängt, dann kommt der russische Wirtschaftsbär ein wenig ins Wanken. Putin ist in der Sache vermutlich ideologiebefreit.

Der Rubel rollt für Europas Feinde

Würden zwischen Lappland und Gibraltar linke Parteien und Linksextremisten gegen die EU opponieren und sie zu zerschlagen trachten, Putin würde denen ebenso skrupellos zur Seite stehen, wie er derzeit den Rechten zur Seite steht. Und die sind es nun mal, in fast allen europäischen Ländern und mit unterschiedlichen Grautönen, die der EU den Kampf ansagen. Die Französin Marie Le Pen hat im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf unmissverständlich gesagt: „Unser Ziel ist die Zerstörung dieser Europäischen Union“. Da schlägt das russische Herz natürlich höher. Auch für ihre Partei, die Front National, öffnete sich schon mal Putins Füllhorn. Nachzulesen ist das übrigens alles in dem exzellenten Buch „Putins rechte Freunde“ von Michael Reimon und Eva Zelechowski.

Das Bizarre an der Liaison Moskaus mit dem zivilisatorischen Rand Europas: Putin ist der ideologiefreie Machtmensch, der die rechten Parteien in der EU schamlos benützt, Und die verrraten ihre eigenen Länder dankbar wie ein Dackel für eine Knackwurst.

Rechte Verehrung für den "starken Mann"

Die rechten Populisten in Europa indes verehren Putin durchaus aus ideologischen Gründen. Sinnbildlich dafür: Die erste Ausgabe des rechtsextremen Magazins Info-Direkt vor ein paar Jahren zierte ein stylisches Bild Putins mit Sonnenbrille. Das Cover: „Wir wollen einen wie Putin“. Die Bloggerin kann sich durchaus vorstellen, dass sich die Redakteure beim Blattmachen eine kleine Beule in die Hose gezaubert haben.

Was macht Putins Russland so attraktiv für die Rechten und die Gefolgschaft der Rechten? Putin ist der Prototyp eines „starken Mannes“, einer, der sich nicht so sehr um das Parlament scheren muss. Das macht alles ein wenig einfacher für das schlichte Gemüt. Hier der politische Haudegen, der sagt, wo’s langgeht, dort eine Europäische Union mit Europäischem Rat, Kommission und Parlament, langwierigen Entscheidungen und Abstimmungen zwischen den nationalen Regierungen. Das alles zu durchschauen ist zweifelsohne nicht ganz einfach. Was allerdings einfach zu durchschauen wäre für den Wähler: Die Dreistigkeit, mit der Putin die rechten Parteien und deren Protagonisten in der EU vor seinen Karren spannt.

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Iris123

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robby

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G. Szekatsch

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