Formkrise bei Jatta. Ermittlungen bei Daffeh.

Zweifel an der Identität des HSV-Fußballprofis Bakery Jatta, der 2015 als 17jähriger Flüchtling nach Deutschland eingereist war, gab es schon lange.

Der edle HSV hatte sich an die Brust geheftet, stets zu seinem Spieler gehalten zu haben, den man tapfer vor rassistischen Zweiflern in Schutz genommen hätte.

Just in dem Moment, da der moralisch gute, aber fußballerisch erfolglose HSV seine teuren, schwachen Spieler (zu denen in dieser Saison auch Jatta zählte) loswerden wollte, begann die Staatsanwaltschaft doch noch ernsthaft zu ermitteln. Ein Schelm, der da etwas Böses denkt.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Screenshot Facebook

Asylverfahren gehen in der Regel ohne Indentitätsnachweise über die Bühne. Wenn der Pass keine Vorteile bringt (wie bei Afrikanern oder Afghanen), geht der Pass in der Regel bei der Reise verloren (anders als bei Syrern, die damit leichter Asyl erhalten). Ein jüngeres Alter bringt für die ohne Dokumente frei wählbare Asyl-Identität große Vorteile, da Minderjährige nicht unter die Dublin-Bestimmungen fallen und sich so ihr Ziel-Land aussuchen können. Außerdem ist eine Abschiebung ohne Identitätsdokumente äußerst schwierig, da man auf den Good Will der angeblichen Herkunftsländer angewiesen ist.

Solche Identitätsbetrügereien bleiben in der Regel unter dem Radar und fliegen nur auf, wenn die Fälle aus anderen Gründen Prominenz erlangen. Beim Terroristen Anis Amri wissen wir nachträglich von seinen acht Identitäten. Beim Mörder von Maria Ladenburger wurde ebenfalls ein falscher Name und ein falsches Alter aufgedeckt.

Besonderer Erfolg kann sich allerdings ebenso als gefährlich erweisen, wie sich am Fall von Bakery Jatta/ Bakary Daffeh zeigte. Auch wenn sein Märchen vom Straßen-Kicker, der als Flüchtling sein Glück im deutschen Profi-Fußball machte, vielen gefiel, fiel es dann leider auch seinen ehemaligen Trainern in Afrika auf. Denn selbstverständlich fallen Profis auch in Afrika nicht vom Himmel. Bakery Jatta konnte in der Bundesliga nur durchstarten, weil er als Bakary Daffeh dafür jahrelang hart bei afrikanischen Vereinen trainiert hatte (alles andere würde unsere Leistungsgesellschaft auch komplett ad Absurdum führen: Wozu sich von 6 bis 17 fünfmal die Woche im Training anstrengen, wenn es ein bisschen Straßenfußball auch tut?).

Die vertrackte Geschichte fand durch die Beischaffung einer afrikanischen Geburtsurkunde (zumindest vorübergehend) das von Integrations-Romantikern ersehnte Happy End und die Behörde stellte die Ermittlungen ein. Obwohl afrikanische Geburtsurkunden von finanzstarken deutschen Fußball-Profis wohl allzu leicht zu organisieren sind, wollte sich Buntland das Märchen vom geflüchteten Straßen-Kicker, der es zum deutschen Fußball-Star geschafft hatte, nicht durch die kleinkarierte Frage verderben lassen, wo der afrikanische Fußball-Profi Bakary Daffeh seit 2015 plötzlich hinverschwunden war.

Große Gemeinsamkeiten gibt es es zu einem Fall den USA. Dem verschleierten Shooting-Star der Demokraten Ilhan Omar wurde vorgeworfen, den eigenen Bruder geheiratet zu haben.

In beiden Fällen wurde trotz offensichtlicher Unregelmäßigkeiten lange auf Ermittlungen verzichtet. In beiden Fällen wurde als Argument, das gegen Betrug spräche, angeführt, dass die Betrügereien nicht notwendig gewesen wären.

Tatsächlich gab es in beiden Fällen keine Notlagen, welche Betrügereien gerechtfertigt hätten. Gambia ist ein relativ sicheres Land, und Bakary Daffeh hatte sogar schon Probetrainings in Europa absolviert, auch wenn diese noch nicht zum erfolgreichen Sprung in den europäischen Profi-Fußball geführt hatten.

Bei Ilhan Omar/Nur Said Elmi war der Grund für den Betrug noch viel nichtiger. Der Halbbruder hatte Asyl in England. Er hätte dort (wo er mittlerweile längst wieder zurückgekehrt ist) ebenso gut wie in den USA studieren können.

Dass es so nichtige Gründe waren, beweist jedoch nicht, dass nicht betrogen wurde. Es zeigt viel mehr, wie leichtfertig mit Identitäten geschwindelt wird, weil es in der Regel keine Folgen hat.

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