Dieser Tage bin ich auf Literatur gestoßen, die sich mit dem Phänomen "Bezness" und Love scamming befasst. Im Prinzip funktionieren beide Genres recht ähnlich und sind enorm verbreitet. Während Bezness sich hauptsächlich in Tourismusregionen abspielt, ist für das Love scamming das Internet die Aktionsplattform Nr. 1. Doch zunächst einmal zur Begriffserklärung.

Bezness leitet sich aus "bez-", dem Präfix von Beziehung, und dem Suffix "-ness" von business ab und bedeutet nichts anderes als das Geschäftemachen mit der Liebe im Urlaub. Also Abzocke unter Vortäuschung von Liebe und Gefühlen. Es geht aber nicht nur um das Geld der Opfer, sondern auch um die Möglichkeit Papiere, Visum und Aufenthaltstitel zb. in Deutschland über die Urlaubsbekanntschaft zu "erwerben" Dabei werden Zukunftspläne vorgetäuscht, Ehen geschlossen und ein parasitäres Leben in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz angepeilt. Bezness ist mittlerweile ein Hauptberufs- und Betrugszweig in typischen Urlaubsländern wie Tunesien, Türkei, Ägypten und Kenia geworden. Die Opfer sind zumeist deutsch, weiblich und gehören allen Altersstufen an, von 18-88. Oft sind es einsame, geschiedene, verwitwete oder in Scheidung lebende Frauen oder solche, denen nach dem ultimativen Abenteuerkick zumute ist, wobei sie nicht damit rechnen, dass ihnen das dramatisch-süße Verliebtmachen seitens der geübten Beznesser später zur bitteren Falle werden wird.

Die Beznesser verstehen es ausgezeichnet, sich die Gunst der urlaubenden Frauen zu erwerben, indem sie mit sagenhaftem schauspielerischen Talent Liebe und Leidenschaft vortäuschen, auch wenn die Angebetete alles andere als begehrenswert erscheint. Egal ob dick oder dünn, hässlich, durchschnittlich oder normal, ob klug oder dumm, krank oder gesund - das Opfer ist in Wahrheit nur die Geldkuh, die gemolken werden soll. In den meisten Fällen gelingt das Vorhaben, die Frauen werden weich, lassen sich von falschen Schwüren einlullen und schicken nach dem Urlaub brav Geld aus Deutschland, wenn der Geliebte oder gar Bräutigam in spe danach verlangt, so gut wie immer unter Vorspiegelung falscher Tatsachen wie Krankheit (der Mutter, des Vaters, oder Unfall, Raub udgl.). Rührende bis dramatische Geschichten werden da den verliebten Damen aufgetischt, wobei die professionellen Beznesser genau um das Helferleinsyndrom der Deutschen Bescheid wissen. Ja, die Deutschen sind in der Tat gerne Retter und bezahlen auch immens viel für diesen Titel. Auch auf die Gefahr hin, dass ihre Investition letztlich für die Katz ist.

Ein Blog zu diesem Thema, den ich mir durchgelesen habe, schildert tausende solche Fälle von Frauen, die von einem Beznesser oft bis in den finanziellen Ruin getrieben wurden und, abgesehen von den materiellen Schäden, auch noch mit der erlittenen Demütigung, den Folgen physischer und psychischer Gewalt und der Scham umgehen müssen, einem Kriminellen aufgesessen zu sein. Es gibt auch inzwischen unzählige Foren und Initiativen, darunter auch die Kriminalprävention diverser Länder, die Warnungen veröffentlichen und Hilfen anbieten. Angeblich sind es pro Jahr mindestens 5000 Fälle, die den Liebesbetrügern zum Ofer fallen, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich drei mal höher. Verfahrenshilfen oder anderen rechtlichen Beistand in den besagten Länden gibt es so gut wie keine. Das Geld ist also dahin und zurück bleibt eine geschändete Seele, die sich nicht selten in langjährige Behandlung begeben muss.. Das Geschäft mit der Einsamkeit kann tödlich sein. Wobei es sich nicht geziemt, die Opfer als schwachsinnig hinzustellen, denn jeder, der einmal Hals über Ohren verliebt war,wird den Zustand verstehen können, der so blind und gutgläubig - und eben ausbeutbar - macht.

Die zweite Kategorie, die Love scammer, bestehen großteils aus afrikanischen und russischen Internet-Betrügerbanden, welche Partner- bzw. Singlebörsen infiltrieren, um dort Opferfündig zu werden. Die afrikanischen Gangs haben es auf Damen älterer Jahrgänge abgesehen, die russischen Banden auf ältere Männer, die sie mit gefakten Frauenfotos und von google übersetzten und vorgefertigten Texten ködern. Ihr einziges Ziel ist das Beste ihrer Opfer: deren Geld. Dabei sind die Methoden stets die selben: anfangs wird der Status des Opfers eruiert, dann kommt die Charmeoffensive, gleich darauf die emotionale Schiene mit Liebesbezeugungen, Gedichten und Zukunftsplänen. Will das Opfer den vermeintlichen Verehrer einmal sehen oder lädt ihn/sie zu sich ein, sind unzählige Ausreden schnell zur Hand. Der Betrugspool ist unendlich tief, ähnlich wie bei den Beznessern spielen plötzliche Krankheit oder Tod eines Familienmitglieds, Raubüberfall oder Verlust von Papieren und Handys eine wichtige Rolle, um ein persönliches Treffen hinauszuzögern. Das gutmütige Opfer wird tränenreich zu Hilfe gebeten und überweist schließlich per Western Union größere Beträge an den Betrüger, dessen Name falsch ist und von dem es keine echte Adresse gibt. Auch Telefonnnummern und IDs sind gefaked, sodass sie für Nachforschungen unauffindbar bleiben. Kaum im Besitz der Geldes, ist Schluss mit Liebe, und man wird von dem Love scammer, den man nie gesehen hat, auch nichts mehr hören.

Die Urlaubs-Beznesser sind physisch wesentlich präsenter als die Love scammer. Sie wollen ja zumeist auch nach Deutschland, was sie auf vielen Wegen, d.h. über mehrere gleichzeitige Geliebte, versuchen. Manch einer bringt es auf 5-10 Frauen pro Saison, bei denen er beznesst. Und eine beißt bestimmt immer an und erfüllt bereitwillig die Wünsche ihres gewitzten Gigolos. Diese Schwindler lassen sich eiskalt auf Scheinehen ein (die deutsche Gattin glaubt, es sei eine echte Ehe), bis er Arbeits- und Aufenthaltsberechtigung in Deutschland erhalten hat. Dann bläst er ganz plötzlich zum Abschied, um schnellstmöglich seine wirkliche Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder nach Deutschland zu holen. In der Türkei, in Tunesien und Ägypten, aber auch in Afrika,  wird nämlich der deutschen "Opfer-Braut" zur Zeit der Brautwerbung gerne die echte Ehefrau als Schwester oder Cousine vorgestellt und die vorhandenen Kinder als deren Nachwuchs. Die Familien der Beznesser spielen perfekt mit, da sie vom Gewinn ihres Geschäftsgenies ebenso profitieren.

Ach die von heiratswilligen Russinnen düpierten deutschen Männer kriegen ordentlich ihr Fett ab. Ohne die Angebetete überhaupt jemals zu Gesicht bekommen zu haben, ist der Brautwerber schon mehrere 1000 Euro los. Das Spiel geht so lange, bis der gute Mann pleite ist oder eben nichts mehr überweist. Es ist ein dreckiges Spiel mit der Hoffnung und den vernachlässigten Emotionen einsamer, gutgläubiger Menschen, die man keinesfalls vorverurteilen sollte. Verurteilen und ächten muss man diese Verbrecher, diese nichtsnutzigen Lumpen ohne Skrupel und Scham, die sich, wie im Falle von afrikanischen Love-Kriminellen, sich auch noch dreist mit dem erbeuteten Geldscheinen über Youtube-Videos  präsentieren. Die Opfer haben nicht nur finanzielle und seelische Schäden erlitten, sondern werden auch noch verhöhnt.  Wenn man bedenkt, dass heute fast alle älteren Singles, ob männlich oder weiblich, in Partnerbörsen zugegen sind, kann man sich ausmalen, was für ein Riesenmarkt sich da für diese Verbrecher auftut. Darum schütze sich, wer kann!

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