Heute hatte ich ein Einkaufserlebnis der besonderen Art. Wie inzwischen bei allen Supermärkten, wird auch beim Hofer in Schwaz der Einkaufswagerlbereich von einem Scheinverkäufer der Zeitung "20ger" belagert. Die Burschen stehen nämlich am liebsten dort, wo die Ein-Euro Münze bei der Vorrichtung am Wagerlgriff hinein-und heraus wandert, in der Erwartung, die Münze würde schließlich mittels Barmherzigkeit des Kunden in seine Hand wandern.

Nach Erledigung meines Einkaufs verließ ich das Geschäft und strebte auf mein Auto zu, um die Waren zu verstauen. Im Vorübergehen beim Wagerlbereich bemerkte ich allerdings eine sattsam bekannte Motorik, die sich hinter der sorgsam vorgehaltenen 20ger-Zeitung des Wagerl-Belagerers abspielte. Ich traute meinen Augen nicht: der offensichtlich aus Rumänien stammende Bursche wichste sich hinter der Zeitung krass einen runter. Niemand außer mir schien das zu bemerken. Mein Magen drehte sich kurz um.

Beim Auto angekommen, versteckte ich mich ein wenig dahinter, um den Wichser genauer zu beobachten. Tatsächlich: er schrubbte hinter seinem Käseblatt, was das Zeug hielt. Jetzt musste ich aber noch mein Einkaufswagerl genau dorthin zurück bringen, shyt!

Als ich den Wagerlbereich mit flauem Magen erreichte, hielt der Belagerer pietätvoll mit seinem Handwerk ein wenig inne und grüßte mich laut und grinsend. In meinen Augäpfeln allerdings blinkten jetzt deutlich zwei Messer, die ihn gnadenlos niederstachen. Das hat er mitgekriegt und floh sofort.

Im Geschäft verlangte ich die Geschäftsleitung, welche in Gestalt einer noch sehr jungen Frau erschien. Ich beschrieb ihr mein erbauliches Einkaufserlebnis und riet ihr, den Vorfall bei der Polizei zu melden. Das dürfe sie nicht, zuvor müsse sie den Bereichsleiter informieren und konsultieren. Doch sie wollte den Burschen auch zu Gesicht kriegen und verfolgte ihn bis hinauf aufs Parkdeck (offensichtlich kam derlei doch öfter vor), wo sie ihn mit noch einem zweiten Typen antraf, der vermutlich gerade Autos nach attraktiven Inhalten absuchte. Als die beiden die junge Geschäftsleiterin am Parkdeck erblickten, flüchteten sie wieder hinunter ins Parkareal vor dem Geschäft - wo immer noch ich wartend dastand. Meiner angesichtig, hielten sie abrupt inne, wobei es der Wichser nicht verabsäumte, mir von Ferne drohend die Faust zu zeigen. Seine grindige Wichserfaust. Wie freundlich! Sodann verschwanden sie wie vom Erdboden verschluckt.

Ein kurzes Gespräch mit der Geschäftsleiterin ergab noch das, was ich ohnedies wusste, nämlich dass die Firma Hofer nicht in der Lage sei, die Belagerer loszuwerden. Würde sie ihr Areal räumen lassen (wogegen sich offensichtlich auch die Polizei sträube), würde die Schallkanone der Gutmenschen in Betrieb gesetzt und der Hofer öffentlich als ausländerfeindlich, nazisch, rassistisch und weiß der Kuckuck was verbrämt. Um des lieben barmherzigen Images Willen, lässt man also alles gewähren, was das Einkaufserlebnis um einiges spannender macht. Nur, dass man sich vor Grausen beim Anblick eines verrotteten Speed-Wichsers fast anspeibt, soviel Geduld müssen Kundinnen schon aufbringen. Bald ist ja auch Weihnacht. Jingle bells ...

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Sabine Altmann

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Kar_Ma

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Silvia Jelincic

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