Zwischen zwei Zyklen - Kapitel 4: Zeugniskonferenz

„Kann ich Sie mal kurz unter vier Augen sprechen?“

Sylvia Sträter schaute vom Tisch hoch. Vor ihr stand Gregor Wendland, ein großer, kräftiger Physiklehrer mit grauem Vollbart. Er war der Mittelstufenkoordinator und zeichnete verantwortlich für die Zeugniskonferenzen, die in einer knappen Stunde beginnen sollten. Sylvia saß gerade mit ein paar Kollegen im kleinen Lehrerzimmer. Die Schüler waren schon nach Hause gegangen und einige ihrer Kollegen hatten sich etwas zu essen aus der Kantine geholt.

„Oh, oh, jetzt gibt es Ärger“, feixte Roman Gehrig, ein Spanischlehrer, grinsend und schob sich ein Stück Pizza in den Mund. Sowohl Sylvia als auch Herr Wendland reagierten mit einem gequälten Lächeln. Alle anderen Kollegen am Tisch sagten gar nichts und schauten betont unbeteiligt.

„In Ihrem Büro?“, fragte Sylvia. Gregor Wendland nickte.

„Okay, ich komme sofort.“

Sylvia stand auf und lief Herrn Wendland in gebührendem Abstand hinterher. Sie ließ sich Zeit um nicht mit Herrn Wendland reden zu müssen. Worüber auch? Sie wusste nichts über diesen Mann. Er war nur selten im Lehrerzimmer anzutreffen, machte auf Konferenzen einen staubtrockenen, humorfreien Eindruck und war kein Geisteswissenschaftler. Aufgrund dieser beruflichen Distanz war er einer der wenigen Kollegen, den Sylvia nach mehr als drei Jahren am Leonhard-Euler Gymnasium noch siezte.

Als sie beide im ersten Stock angekommen waren, schloss Herr Wendland die Tür auf und ließ Sylvia, die auf die letzten Meter zu ihm aufgeschlossen hatte, den Vortritt. Was das angeht, sind sie alle alte Schule, dachte Sylvia.

„Nehmen Sie doch Platz“, sagte Herr Wendland und zeigte auf einen von zwei Stühlen vor seinem Schreibtisch. Er selbst setzte sich auf seinen ausladenden Bürosessel und aktivierte mit einer Bewegung der Maus seinen Computerbildschirm.

„Es geht um zwei Schüler aus der 9a vom Kollegen Schüttert: Maik Lütke und Jamal Agah“, sagte Herr Wendland ohne Sylvia dabei anzuschauen.

Sylvia merkte, wie es in ihr zu kochen begann. Das gibt es doch wohl nicht! Erst textet mich der Schüttert zu und fragt, ob ich den beiden Idioten noch eine Vier geben kann und jetzt, nachdem ich Nein gesagt habe, zitiert mich der Mittelstufenkoordinator zu sich ins Büro.

„Ja, was ist mit denen?“, gab Sylvia sich ahnungslos.

„Sie haben die Leistungen der beiden Schüler mit Mangelhaft bewertet? Können Sie vielleicht zu den beiden Schülern kurz was sagen?“

Kurz mal kommen, kurz was sagen, kurz die Note ändern. Immer musste alles schnell gehen. Immer wurde man überrumpelt. Sylvia wusste, worauf dieses ‚Gespräch’ hinauslaufen sollte. Aber mittlerweile war da solch ein Widerwille in ihr, dass sie sich auf dieses Spiel nicht mehr einlassen wollte. Außerdem hatte sie dem Schüttert schon lang und breit das Lern- und Arbeitsverhalten von Maik und Jamal erläutert, das musste reichen.

„Entschuldigen Sie“, sagte Sylvia, erkennbar darum bemüht, höflich zu bleiben und ihre Wut zu unterdrücken, „aber gehört diese Diskussion nicht eigentlich in die Zeugniskonferenz?“

Jetzt sah Gregor Wendland zu ihr auf. Er schaute sie an, als nähme er sie zum ersten Mal richtig wahr, als sei sie doch mehr als ein kleines Sandkorn im geschmeidigen Getriebe seiner Mittelstufe. Er sah sie an wie einen Gesteinsbrocken, der plötzlich vom Berg auf die Straße vor ihm gekracht war. Doch er wusste seine Überraschung gekonnt zu überspielen.

„Ach, wissen Sie, Frau Sträter“, erwiderte er betont gelassen und fasste sich in den Vollbart, „ich mache diesen Job jetzt schon so lange und es hat sich gezeigt, dass man einige Dinge besser im Vorfeld bespricht. Die Konferenzen sind ja eng getaktet und wenn man die wichtigsten Dinge vorab besprochen hat, sparen wir alle Zeit. Glauben Sie mir, es ist auch in Ihrem Interesse.“

„Okay“, sagte Sylvia nach kurzem Zögern. „Also ja, ich habe Maik und Jamal jeweils eine Fünf in Französisch gegeben, weil sie nichts getan haben. Ganz einfach. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich habe Herrn Schüttert schon alles erklärt und ich denke, dass muss reichen.“

Herr Wendland nickte verständnisvoll.

„Natürlich entscheiden Sie letztendlich über die Noten, die Sie setzen. Allerdings nehme ich in meiner Position einen anderen Blickwinkel ein als Sie, einen Blickwinkel nämlich, den ich als ganzheitlich beschreiben würde. So wissen Sie wahrscheinlich nicht, dass sowohl Jamal als auch Maik aus schwierigen Familienverhältnissen kommen und dass sie mit Eintritt in die Oberstufe kein Französisch mehr haben, weil beide es zum Ende der Jahrgangsstufe Neun abwählen können und auch abgewählt haben. Und in allen anderen Kernfächern haben beide ein Ausreichend vorzuweisen, so dass beide momentan die Möglichkeit zur Nachprüfung in Französisch hätten. Und die Frage ist dann, wie viel Sinn es macht, zwei Schüler die kompletten Sommerferien für ein Fach lernen zu lassen, dass sie im nächsten Jahr gar nicht mehr haben. Und das auch noch in Elternhäusern, in denen Ruhe und Konzentration eher selten vorherrschen.“

Sylvia stutzte. Es wunderte sie, dass beide Schüler in den anderen Kernfächern ein Ausreichend hatten. Sie hatte vor zwei Tagen noch mit dem Mathelehrer der Klasse gesprochen und ihn nach Jamal und Maik gefragt. Da hatte er beiden noch eine Fünf geben wollen. Wieso hatte er die Noten nochmal geändert? dachte Sylvia. Na klar, der Mathelehrer hat wahrscheinlich auch schon hier gesessen und ist von Herrn Wendland ‚bearbeitet’ worden. Ganz schön trickreich, dieser Wendland.

„Herr Wendland“, warf Sylvia angriffslustig ein, „mir ist klar, dass Schüler in der Klasse 9 nicht immer die größte Motivation für das Fach Französisch mitbringen, vor allem dann nicht, wenn sie sich innerlich von dem Fach schon verabschiedet haben. Genau das habe ich den Schülern auch so gesagt. Aber ich habe ebenso klar gemacht, dass ich ein Mindestmaß an Engagement erwarte um am Ende guten Gewissens die Vier setzen zu können. Das aber haben die beiden Schüler ignoriert. Beide Schüler haben so gut wie nie Hausaufgaben gemacht. Mein Angebot, ein Referat zu machen, haben beide ausgeschlagen und beide haben auch den Förderunterricht nicht besucht, obwohl ich Ihnen dringend dazu geraten habe. Und gegenüber den Schülern, die sich für das Ausreichend ein Bein ausgerissen haben, wäre es einfach das falsche Signal, wenn ich diesen beiden Jungs jetzt auch ein Ausreichend gäbe.“

Na, super, dachte Sylvia. Jetzt rechtfertige ich mich ja doch wieder!

„Das sehe ich ein“, gab der Mittelstufenkoordinator zurück, „aber vielleicht kann man dieses mangelnde Engagement anders ansprechen, ich denke da an eine Zeugnisbemerkung, ein Elterngespräch oder ähnliches, auf jeden Fall..“

Es klopfte an der Tür. Ohne auf ein Signal von Herrn Wendland zu warten, drückte jemand behutsam die Klinke von außen herunter und steckte den Kopf durch den sich öffnenden Spalt. Es war Frau Rösner, eine Lateinlehrerin.

„Sie wollten mich sprechen, Herr Wendland?“, fragte sie in übertrieben demütigem Tonfall, wie Sylvia fand.

„Ja, danke Frau Rösner. Ich bin gleich bei Ihnen. Bitte warten Sie noch einen Moment draußen.“

Die Tür schloss sich wieder. Herr Wendland warf ihr noch ein ‚Dankeschön’ hinterher. Wahrscheinlich sein nächstes ‚Gespräch’, glaubte Sylvia.

„Gut, also, Frau Sträter, vielleicht lassen Sie sich meine Argumente nochmal durch den Kopf gehen. Nach meinem Dafürhalten ergeben die beiden Mangelhaft aus pädagogischer Sicht keinen Sinn. Wenn Sie bereit sind, die Noten zu ändern, dann geben Sie mir kurz vor der Konferenz Bescheid, dann gebe ich das noch schnell in die Notenübersicht ein.“

„Okay, so verbleiben wir“, sagte Sylvia, stand abrupt auf, drehte sich um und ging zur Tür.

„Ach, eine Sache noch!“, warf Herr Wendland ein, ein wenig überrascht vom plötzlichen Aufbruch der jungen Kollegin. Sylvia drehte sich noch einmal zu ihm um.

„Ja!?“

„Der Schulleiter wird wahrscheinlich der Zeugniskonferenz beiwohnen.“

„Okay“, erwiderte Sylvia. Auch wenn es ein Aussagesatz war, verfehlte er dennoch nicht seine intendierte bedrohliche Wirkung. Sylvia war nervös.

Zurück im Lehrerzimmer empfing Roman sie mit einem aufmunternden Lächeln.

„Na, war’s schlimm?“, fragte er.

Sylvia wusste nicht, wie sie darauf antworten sollte. Grundsätzlich hatte sie nichts dagegen, wenn man sie darum bat, ihre Noten zu erläutern, aber die Art und Weise, wie hier auf Lehrer Druck ausgeübt wurde, war mehr als perfide. Und gleichzeitig kam ihr das Kollegium wie ein verschreckter Haufen vor, der sich nur hinter vorgehaltener Hand über die Machenschaften der Schulleitung aufregte. Wenn es darum ging, Farbe zu bekennen, waren selbst die Kollegen, die sie für gestandene hielt, ganz klein mit Hut.

„J’accuse!“, rief Sylvia flachsend und reckte die Faust in die Höhe. Roman lachte.

„Sieh es mal so“, sagte er, nachdem sie beide wieder ernst geworden waren. „Wer keine Fünfen gibt, hat weniger Arbeit. Du musst keine Lern- und Förderempfehlungen schreiben, keine Elterngespräche führen und die da oben lassen dich auch in Ruhe.“

Sylvia rang sich ein Lächeln ab. Aber eigentlich wusste sie nicht, was sie schockierender fand: die Tatsache, dass Roman ahnte, warum Herr Wendland sie hatte sprechen wollen oder seine Verteidigungsrede der moralischen Flexibilität.

Eine gute dreiviertel Stunde später begannen die Zeugniskonferenzen. In einem der größeren Klassenräume hatte Herr Wendland seinen Laptop an einen Beamer angeschlossen um die Notenübersicht aller Schüler an die Wand projizieren zu können. Nach und nach betraten die einzelnen Fachlehrer den Raum und verteilten sich ungeordnet auf den Stühlen. Der Klassenlehrer, Herr Schüttert, überprüfte die Anwesenheit aller Fachlehrer und bemerkte, dass die Sportlehrerin Frau Waschke noch fehlte. Ein Kollege ging sie suchen und kam wenige Minuten später mit ihr im Schlepptau zurück. Der Schulleiter selbst war nicht anwesend.

„Gut, liebe Kolleginnen und Kollegen“, sagte Herr Wendland im Ton dienstlicher Beflissenheit, „dann eröffne ich hiermit die Zeugniskonferenz der 9a und übergebe das Wort zunächst an den Klassenlehrer.“

„Ja, danke Gregor“, begann Herr Schüttert. „Zunächst vielleicht ein paar allgemeine Dinge zu der Klasse. Wir haben es hier mit einer Lerngruppe zu tun, die sich durch verschiedene soziale Probleme hervor tut. Es gibt viele Grüppchen und häufig knallt es auch zwischen den einzelnen Cliquen. Vor allem Maik, Amer und Nabil geraten immer wieder mit Annika, Gizem und Fatima aneinander. Hinzu kommt, dass Polina von allen Klassenkameraden geschnitten und isoliert wird, wobei ich das Gefühl habe, dass Polina das nicht sonderlich berührt. Es stellt sich auch die Frage, inwiefern Polinas jüdische Herkunft für diese Isolierung verantwortlich zeichnet. Im Unterricht habe ich jedenfalls keine religiös motivierten abfälligen Kommentare gehört, aber vielleicht haben Sie diesbezüglich etwas vernommen. Was auch auffällt, ist die Tatsache, dass es keine wirklichen Leistungsträger gibt, die leistungsschwächere Schüler motivieren und mitziehen, was wiederum die extrem schwachen Lernleistungen erklärt.“

„Gottseidank“, warf ein Kollege grinsend ein. „ Und ich dachte schon, der Fehler läge bei mir.“

Einige Kollegen lachten laut auf, Herr Wendland und Herr Schüttert zeigten sich ungerührt. Dennoch war die Stimmung verhältnismäßig gelöst. Doch als Kollege Schüttert wieder zum Sprechen ansetzte, tat sich plötzlich die Tür auf und der Schulleiter, Herr Diedrichs, schob sich durch den Rahmen. Er setzte sich geräuschlos auf den erstbesten Platz neben der Eingangstür.

Herr Schüttert machte eine kurze Pause und sah den Schulleiter erwartungsvoll an.

„Bitte“, sagte Herr Diedrichs, als er den Blick des Klassenlehrers bemerkte, „fahren Sie fort.“

Schlagartig herrschte eine andere Atmosphäre. Lehrer, die sich eben noch lässig in die hölzernen Stühle gefläzt hatten, richteten sich auf. Zwei Kolleginnen, die ihre Handys auf dem Tisch liegen hatten, packten sie unauffällig weg und auch das Geraschel von Papier und das Klicken der Kulis verstummte. Sylvia bemerkte ebenfalls eine Veränderung an sich. Sie rüstete sich mental für den Schlagabtausch mit dem Chef, der ihr unweigerlich bevorstand.

„Ich denke“, nahm Herr Schüttert den Faden wieder auf, ,,dass es das Sinnvollste ist, wenn wir nach der Schwere der Fälle vorgehen. Zuerst wäre da Lemer Duruöz mit einer Fünf in Mathe, einer Fünf in Englisch, einer Fünf in Deutsch, einer Vier in Latein und einer weiteren Fünf in Biologie.“

Eine Totgeburt, dachte Sylvia. Bei Lemer war die Sache so klar, dass selbst der Schulleiter hier keinen Diskussionsbedarf sah. Jeder der einzelnen Fachlehrer legte nochmal die Argumente für die schlechte Bewertung dar: Noten wurden runtergerasselt, vergessene Hausaufgaben auf den Tag genau datiert, bizarre oder schlicht dumme Aussagen des Schülers wiedergegeben und vergebliche Maßnahmen geschildert. Nachdem alle Lehrer den Schüler in seiner kognitiven Inkompetenz filetiert hatten, gab es eine Schweigeminute, in der mögliche Fürsprecher noch zu Wort kommen konnten. Doch da war nur Stille.

„Okay“, sagte Herr Schüttert, „dann kommen wir zu Jamal Agah. Eine Vier in Deutsch, eine Vier in Mathe, eine Vier in Englisch und eine Fünf in Französisch. Jamal wäre nach aktuellem Stand nicht versetzt, hätte aber die Möglichkeit auf eine Nachprüfung in Französisch.“

Wieder wurde diese Feststellung einfach so in den Raum geworfen und dann dort liegengelassen. Es war offensichtlich, dass von Sylvia eine Stellungnahme erwartet würde, aber Sylvia wollte Herrn Wendland partout nicht diese Freude machen. Sie schwieg, denn ihres Erachtens war bereits alles gesagt. Gleichzeitig aber registrierte Sylvia auch die Blicke der Kollegen, die Unverständnis zum Ausdruck brachten. Warum sagt sie denn nichts?

„Frau Sträter“, begann Herr Wendland schließlich, „vielleicht können Sie kurz etwas zu Jamal sagen.“

Sylvia seufzte hörbar laut. Sie wusste, es führte kein Weg an dieser Angelegenheit vorbei.

„Nun, Herr Wendland“, eröffnete sie ihr Plädoyer, „wie ich Ihnen und dem Kollegen Schüttert ja in Einzelgesprächen mehrfach dargelegt habe, hat Jamal das gesamte Schuljahr über jegliche Leistung schlichtweg verweigert. Aussagen wie Ich wähl das eh ab! oder Ich versteh das eh nicht! sind die konstruktivsten Beiträge seinerseits gewesen. Ich habe sehr früh die Eltern zu einem Gespräch eingeladen, Förderunterricht und die Vermittlung privater Nachhilfe vorgeschlagen und außerdem ganz klar skizziert, welche Minimalanforderungen erfüllt sein müssen, um das drohende Defizit abzuwenden. Ich habe im kompletten zweiten Halbjahr lediglich zweimal Hausaufgaben von ihm bekommen“. Sylvia schaute in ihren Lehrerkalender. „Und zwar am 10. Mai und am 13. Juni dieses Jahres. Diese Hausaufgaben waren beide unvollständig und fehlerhaft. Angebote extracurricularer Natur wie ‚Texte oder Konjugationen einreichen’ hat er ausgeschlagen, die Vokabelteste waren alle Mangelhaft. Ich war mir darüber im Klaren, dass Jamal das Fach Französisch abwählen konnte, aber daraus ergeben sich für mich nicht zwangsweise andere Bewertungskriterien als bei einem Schüler, der das Fach Französisch in der Oberstufe beibehält. Mir ist klar, dass dem Schüler nun eine Nachprüfung droht, aber ich bin überzeugt, dass Jamal lernen muss, dass sein Handeln, oder besser gesagt, sein Nicht-Handeln Konsequenzen hat. Es wäre, auch und gerade im Hinblick auf die Oberstufe das falsche Signal, ihn für seine Inaktivität, für seine Faulheit zu belohnen.“

Wieder wurde eine Weile geschwiegen. Herr Wendland, in Erwartung, dass der Schulleiter sich nun zu Wort melden würde, schwieg sich aus, genauso Herr Schüttert. Auch die anderen Kollegen erkannten, dass der Schulleiter kurz davor war, Einspruch zu erheben.

„Wie waren denn die Noten in den Klassenarbeiten?“, fragte Herr Diedrichs schließlich, in einem nicht unfreundlichen, aber doch sehr sachlichen Ton.

Sylvia warf einen Blick in ihren Lehrerkalender.

„Im ersten Halbjahr eine Drei minus und eine Fünf minus. Im zweiten Halbjahr eine Vier minus und eine Fünf minus.“

Herr Diedrichs setzte einen leicht irritierten Blick auf.

„Jamal ist also durchaus in der Lage, befriedigende oder ausreichende Leistungen abzurufen.“

„Ja, natürlich“, entgegnete Sylvia Sträter. „Das Potential hat er. Aber das Notenbild weist eine klare Tendenz auf, und ein einzelnes Befriedigend im ersten Halbjahr bewahrt einen Schüler nicht vor einem Defizit.“

„Es macht aber die Jahresendnote juristisch anfechtbar“, warf Herr Wendland ein.

Jetzt war für Sylvia der Bogen überspannt.

„Entschuldigen Sie, aber wer geht denn bitte juristisch gegen mich vor? Die Eltern von Jamal ja wohl nicht. Ich verstehe den Kontext dieser Aussage nicht.“

„Niemand will juristisch gegen Sie vorgehen, Frau Sträter“, beschwichtigte Herr Wendland sogleich. „Ich wollte lediglich auf Fälle von Widersprüchen verweisen, die ich selbst erlebt habe und in denen Kollegen aufgrund befriedigender Leistungen in Klassenarbeiten argumentativ ins Schwimmen gerieten. In der Regel werden Widerspruchsverfahren gegen den Lehrer entschieden.“

„Das mag sein“, warf Sylvia Sträter ein, überrascht über ihren Mut zur Konfrontation, „aber wenn wir jede Entscheidung, die wir hier treffen, von ihren möglichen Konsequenzen aus bewerten, dann treffen wir am Ende gar keine Entscheidungen mehr. Und aus Angst vor Entscheidungen lassen wir den Schülern dann alles durchgehen. Ich würde es auf einen Widerspruch ankommen lassen. Die Leistungen, beziehungsweise die Minderleistungen Jamals sind genau dokumentiert.“

„Ihnen ist aber bewusst“, fragte Herr Diedrichs nun, „dass Jamal sich dann in den Sommerferien auf die Nachprüfung vorbereiten muss und im Falle des Bestehens kein Französisch mehr haben wird?“

„Das ist mir bewusst. Das war mir bewusst“, erklärte Sylvia kurz angebunden. „Auch Jamal wurde auf diesen Umstand mehrmals hingewiesen.“

Wieder entstand eine Pause. Herr Diedrichs schaute Sylvia prüfend an, Sylvia hielt seinem Blick mit unbewegter Miene stand. Der Schulleiter realisierte, dass hier nichts zu holen war. Aber eines hatte er erreicht: In den Augen einiger Kollegen galt Sylvia Sträter fortan als unverhältnismäßig streng und persönlich in ihrer Notengebung. Und auch Sylvia konnte nicht mehr zweifelsfrei sagen, ob sie an der Fünf festhielt, weil Jamal sie verdiente oder weil ihr die Art der Einflussnahme seitens der Schulleitung so missfiel.

„Herr Lütken“, sagte Herr Diedrichs schließlich, und wandte sich damit an den Referendar, der in der Klasse Deutsch unterrichtete. „Im Notenmodul haben Sie eine Vier plus eingetragen, eine Tendenz zur Drei ist also erkennbar. Können Sie sich in Anbetracht der Umstände vorstellen, hier noch eine Drei zu setzen?“

Der Referendar errötete. Sein Blick glich dem eines Rehs, das auf einer Straße stand und plötzlich Schweinwerfer auf sich zukommen sah. Er rutschte etwas tiefer in seinen Stuhl, schaute sich kurz hilfesuchend um räusperte sich dann.

„Also, ähh“, begann er zögerlich, „der Jamal versucht schon sich am Unterricht zu beteiligen, allerdings sind seine Antworten manchmal falsch, also vom Inhalt aber auch von der Grammatik her. Aber er hat auch eine Drei geschrieben, allerdings in einer Klassenarbeit, die gut ausgefallen ist.“

Wieder Schweigen. Der Klassenlehrer, der Mittelstufenkoordinator und der Schulleiter sagten nichts, denn die entscheidende Frage hing immer noch unbeantwortet im Raum, und der Druck, der auf dem Referendar lastete, war mehr als ausreichend.

„Also, wenn es Jamal hilft, ich weiß nicht“, stotterte der Referendar. „Ja, ich denke schon, dass ich die Drei vertreten könnte.“

Klar kannst du das, dachte Sylvia wütend. Du willst ja nicht riskieren, dass das Schulleitergutachten deine Zukunft ruiniert.

„Gut, Herr Lütken, dann ändere ich die Note ab“, beeilte Herr Wendland sich zu sagen und änderte die Deutschnote für alle sichtbar am Computer. „Damit hat Jamal einen Ausgleich zu Französisch und ist versetzt. Kommen wir zum nächsten Schüler..“

Ab diesem Moment hörte Sylvia nicht mehr zu. Ihr wurde heiß, als säße sie auf glühenden Kohlen. Ihr Blick war starr geradeaus, fixierte die gegenüberliegende Wand, versuchte, diese mit reiner Willenskraft zu zerbrechen. Irgendwas muss jetzt explodieren, fühlte sie, sonst explodiere ich. Es gelang ihr nicht, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen oder einen Gesprächsfaden aufzunehmen. Die Diskussionen ihrer Kollegen verkamen zur Kakophonie ergebener Untertanen. Elende Schleimer, allesamt. Das Gebrabbel, Gemurmel und gelegentliche Gelächter dauerte noch knapp zwanzig Minuten, doch für Sylvia dehnten sich diese Minuten ins Unendliche. Wochen, Monate, Jahre schienen zu verfliegen, doch sie klebte auf diesem Stuhl fest, verdammt dazu, dieser Parodie einer Zeugniskonferenz beizuwohnen. Als die Konferenz zu Ende war, bekam sie gerade noch mit, dass letzten Endes nur Lemer Duruöz die Versetzung nicht geschafft hatte, alle anderen Wackelkandidaten, fünf an der Zahl, hatten durch die Gnade ihrer Fachlehrer die Oberstufe erreicht. Halleluja, es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Sie konnte niemandem der Anwesenden ins Gesicht sehen. Sie wartete bewusst darauf, dass Schüttert und Diedrichs den Raum verlassen hatten, bevor sie sich selbst auf den Weg machte. Auch Wendland, der nun zur Zeugniskonferenz der 9b aufrief, würdigte sie keines Blickes. Sylvia flüchtete wieder auf die Toilette, schloss sich in einer Kabine ein, regelte sich runter und räsonnierte. Obwohl sie sich für widerstandsfähig und belastbar hielt, fühlte sie sich wie ein Soldat, der das Kriegsgebiet verlassen hatte und nun unter Schock stand. Sie ging wie bei einem Protokoll nochmal die Aussagen ihrer männlichen Gegenspieler durch und hielt bei Auffälligkeiten inne. Warum hatte der Chef sie gebeten, die Noten nochmal laut vorzulesen? Er hatte sie doch in der Klassenmappe vorliegen. Und warum hatte sie ihn nicht darauf hingewiesen, dass er sie vorliegen hatte? War sie wirklich so ungnädig, wie die Männer sie darstellten? Wirkte sie nun auf die Kollegen wie eine jähzornige, privat frustrierte Endzwanzigerin? Warum hatten die Kollegen nichts gesagt? Billigten sie diese Form der Nötigung? Fanden sie es nicht ebenso lächerlich, mit welchen Leistungen hier einige Schülerinnen und Schüler versetzt wurden? War sie zu idealistisch? Und was bedeutete das für ihre Zukunft an der Schule? Eine A14-Stelle konnte sie sich vorerst wohl abschminken.

Irgendwann hatte Sylvia sich soweit beruhigt, dass sie ihre Erschütterung vorläufig ablegen konnte. Ohnehin hatte sie noch zwei Zeugniskonferenzen zu überstehen, glücklicherweise aber von Lerngruppen, in denen sie kein Defizit gegeben hatte. Sie verließ die Toilette und wusch sich die Hände. Als sie die Papierservietten aus dem Spender zog, kam Frau Rösner, die Lateinlehrerin herein. Sylvia lächelte sie unverbindlich über den Spiegel an.

„Solltest du beim Wendland auch Noten ändern?“, platzte es sogleich aus Frau Rösner heraus.

Sylvia drehte sich um und lächelte ihre Kollegin an.

„Er hat’s zumindest versucht“, antwortete sie ehrlich.

„Ich sollte drei Noten ändern“, fuhr die Kollegin entrüstet fort. „Eine Note sogar um drei Punkte!“

Sylvia wollte sich eigentlich für den heutigen Tag nicht mehr mit dem Thema beschäftigen. Aber die Neugier übermannte sie dann doch.

„Und...hast du?“, fragte sie gespannt.

Frau Rösner fühlte sich ertappt.

„Was soll man denn machen?“, fragte sie resigniert. „Die machen so einen Druck.“

Sylvia vergaß einen Moment lang ihren Sinn für den Zusammenhalt unter Kollegen. Sie berührte Frau Rösner sanft am Arm, so dass diese ihr direkt ins Gesicht sah.

„Sag doch einfach Nein!“, meinte Sylvia und ließ ihre Kollegin stehen.

Als sie wieder im Erdgeschoß war und das Lehrerzimmer betrat, nahm sie sich fest vor, erhobenen Hauptes durch den Raum zu marschieren. Gleichzeitig aber war ihre mentale Haltung eine gebückte. Sie empfand die Wirkkraft ihrer höher besoldeten Kollegen als einschüchternd und hatte nicht die geringste Ahnung davon, wie man so raumgreifend ging wie ein Herr Wendland oder ein Herr Diedrichs. Und sie stand noch immer unter dem Eindruck des Geschehens.

„Sylvia?“

Wolfgang Paul stand freundlich lächelnd da und berührte sie kurz an der Schulter.

„Alles okay?“, fragte er besorgt. „Du siehst ein bisschen angestrengt aus.“

„Ach, ich habe eine leichte Erkältung“, gab Sylvia vor. Sie hätte sich eher ein Bein ausgerissen, als ihm die Wahrheit über ihren Gemütszustand zu erzählen. Immer wenn sie ihn sah, musste sie an die Woche denken, in der er in ihrem Unterricht hospitiert und anschließend in seiner Gutsherrenart banale Tipps gegeben hatte.

„Oh, das tut mir leid. Naja, wie dem auch sei, ich wollte dich wegen einer Schülerin aus meiner Klasse sprechen: Haleema Khan.“

„Ist doch eine Top-Schülerin“, erwiderte Sylvia. „Wo ist das Problem?“

„Kein Problem“, gab Herr Paul behutsam zurück, „im Gegenteil. Sie ist ausgewählt worden für ein Stipendium der Hilde-Seifert-Stiftung.“

„Schön für sie“, ätzte Sylvia zurück und bereute es sogleich. Ihr Ärger ging in die falsche Richtung. „Entschuldigung“, sagte sie dann. „Das ist wirklich eine gute Nachricht. Wie kann ich helfen?“

Herr Paul überging Sylvias kurzen Aussetzer und holte Luft.

„Also, das Stipendium wird von der Stadt verwaltet, da die Stiftungsgründerin mittlerweile verstorben ist. Laut der Statuten hängt die Bewilligung der Fördergelder von einem aussagekräftigen Finanz- und Förderplan ab, der von einem ihrer Fachlehrer erstellt werden sollte. Ich betreue bereits zwei Schüler bei einem anderen Stipendium und Haleema hat mal in einem Nebensatz erwähnt, dass du ihre Lieblingslehrerin bist und da dachte ich..“

„Ich mach’s“, unterbrach ihn Sylvia sogleich, um das Gespräch abzukürzen. „Schick mir doch am besten die Informationen über dieses Stipendium per E-mail, dann schau ich mir das mal an.“

„Super, danke“, sagte Herr Paul. „Ich schick es dir heute noch, okay? Der Finanz- und Förderplan sollte bis Ende des Monats erstellt sein. Wenn du Fragen hast oder möchtest, dass ich nochmal drüber schaue, sag einfach Bescheid, okay?“

„Okay, mache ich.“

„Danke“, widerholte Herr Paul. „Super!“

Und weg war er. Ohne viel Federlesens hatte er auf Sylvias bereits überbordenden Arbeitsstapel noch etwas draufgelegt. Es fühlte sich an wie eine Kleinigkeit und doch bestand der ganze Beruf aus einer Flut an solchen Lappalien: Ein Schüler gab einem anderen Schüler einen Schubser im Flur, dieser Schüler stürzte, verletzte sich leicht und erzählte zuhause davon. Die Eltern riefen in der Schule an und fragten, was da los sei und warum denn niemand die aufkeimende Gewalt unterbinde. Der Schulleiter gab den Vorwurf an den Klassenlehrer weiter, dieser bezog die Fachlehrer mit ein und ermahnte sie, jeden noch so kleinen Vorfall dieser Art künftig zu melden und sofort zu intervenieren. Eltern, Schüler, Lehrer und Vorgesetzte beraumten untereinander Gespräche an, die SV entwarf einen Verhaltenskodex für alle Schüler, Sozialarbeiter kamen und gaben Anti-Aggressionstraining oder Power-Point Präsentationen zum Thema Gewalt. Oder: Ein Schüler schrieb bei einem anderen Schüler die Hausaufgaben ab, der Lehrer trug dies ins Klassenbuch ein, der Schüler fühlte sich stigmatisiert, behauptete, nicht er habe abgeschrieben, sondern bei ihm sei abgeschrieben worden. Wieder folgten Gespräche, Gespräche und noch mehr Gespräche. Zwischen diesen Gesprächen flatterten Unmengen Vokabelteste, Klassenarbeiten und Klausuren auf den Schreibtisch, und zehn Minuten nachdem diese geschrieben waren, fragten die Schüler schon, wann sie denn diese Manifeste ihres eigenen Unvermögens zurück bekämen, als wäre jeder Lehrer nur für sie da und hätte keine anderen Schüler oder Klassen. Ständig versuchte Sylvia den einzelnen Schüler in den Blick zu nehmen, ihn individuell zu fördern, ihn in seiner ganzen Persönlichkeit, in seiner Komplexität wahrzunehmen und gleichzeitig ihren eigenen Unterricht zu optimieren, ihn spannender und vielseitiger zu gestalten. Erst langsam realisierte Sylvia, dass Schule ein Apparat war, der schnell heiß lief und dann kaum auf Normaltemperatur zu bringen war. Als Lehrer musste man ständig aufpassen, dass man sich an diesem Apparat nicht die Finger verbrannte und das ging nur über Distanz. Distanz zum eigenen Handeln, Distanz zum gelegentlich verletzenden Verhalten der Schüler, und viel wichtiger noch, Distanz zum eigenen Anspruch. Wenn man mit einer vollen Stelle nicht völlig draufgehen will, so hatte Sylvia mittlerweile verstanden, dann war man gut beraten, wenn man sich eine gesunde Faulheit antrainierte und den Blick fürs Wesentliche schärfte. Aber dann kam so eine Schülerin wie Haleema um die Ecke, eine Schülerin, die Sylvia wirklich schätzte und unterstützen wollte und dann sagte man eben: Ja, ich helfe.

Und man half. Aber nicht sich selbst.

Nach zwei weiteren Konferenzen ohne besondere Vorkommnisse fuhr Sylvia am frühen Abend nach Hause. Draußen wurde es langsam dunkel, aber der Tag war für Sylvia noch nicht zu Ende. Fünf Stunden für den nächsten Morgen waren vorzubereiten und zwei abgegebene Hausaufgaben lagen noch auf ihrem Schreibtisch. Aber als Sylvia durch die Wohnungstür schritt, da wurde ihr klar, dass sie nichts mehr tun konnte und nichts mehr tun würde. Sie zog ihre Hose und das Hemd aus, streifte die Stiefel ab und schlüpfte in ihre Joggingsachen und die Hausschuhe. Sie torkelte ins Wohnzimmer und fläzte sich zu Marc, der gerade die vierte Staffel von The Wire im Original guckte, auf die Couch.

„Und wie war’s“, fragte er ehrlich interessiert und hielt seine Serie an.

Doch Sylvia hatte keine Lust zu erzählen. Sie fürchtete die wohl gemeinten aber völlig fehlplatzierten Ratschläge ihres Freundes, der glaubte, ihren Beruf zu kennen, weil er mal Schüler gewesen war. Aber ihren Perspektivwechsel hatte er nie vollzogen. Diese andere, dunkle Seite der Macht hatte er nicht kennengelernt.

„War gut“, sagte Sylvia also lapidar und wartete darauf, dass Marc den Fernseher wieder aktivierte. Als er dies tat, sah Sylvia zu ihrem Erstaunen, dass die aktuelle Folge der Serie in einer amerikanischen Schule spielte. Es ging um Drogen, völlig kaputte Elternhäuser, gewaltbereite Schüler, Lernen für standardisierte Tests und völlige heruntergekommene Schulgebäude in Baltimore, Maryland. Oder wie die meist afroamerikanischen Schüler in der Serie sagten: Bodymore, Murderland. Der Anblick dieser wenn auch fiktiven, so doch realitätsgetreu aufbereiteten Zustände des Bildungssystems in den Vereinigten Staaten brachte Sylvia erneut ins Grübeln. Vielleicht erwarte ich zuviel von diesen Kindern. Wie soll man unseren Schülern auch das Gleiche abverlangen wie Schülern im Süden der Stadt, wenn die familiären und kulturellen Hintergründe doch ganz andere sind? Aber was erreicht man, wenn man andere Maßstäbe anlegt? Man macht die Schüler glauben, sie könnten an einer Uni studieren und dann scheitern sie dort brutal, weil ihnen das Rüstzeug fehlt. Aber es ist ja dann nicht mehr unser Problem, nicht wahr? Nein, es ist und bleibt unehrlich. Was Herr Diedrichs da treibt, ist letzten Endes nichts anderes als Bilanzfälschung. Wir feiern Erfolge, die keine sind.

Das kann und darf so nicht weitergehen.

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