Briten-Ex-Premier Johnson: Deutschland, Frankreich, Italien waren passiv, bzw. wollten Tod der Ukraine

Der frühere britische Premierminister Boris Johnson gab ein Interview, in dem er Frankreich, Deutschland und Italien scharf kritisierte:

Frankreich (also vermutlich Präsident Macron) sei bis zum letzten Moment des Kriegsausbruchs in einem Zustand völliger Verleugnung und Realitätsverweigerung gewesen. Damit will Johnson wohl auch sagen, dass der Ukrainekrieg vielleicht verhindert hätte werden können, wenn die EU und insbesondere Frankreich beim durch Satellitenüberwachung sichtbaren russischen Truppenaufbau an der Grenze zur Ukraine im Februar 2022 eine klar ablehnende Position zum potenziell bevorstehenden Überfall Putin-Russlands auf die Ukraine eingenommen hätte.

Deutschland (also Merkel oder Scholz oder Steinmeier oder Baerbock) wollte auch wegen der Abhängigkeit von Putins Russengas zu einem gewissen Zeitpunkt eine schnelle Niederlage der Ukraine und damit einen schnellen Sieg Putins und der putin-russischen Armee. Johnson nennt diese Position "fürchterlich" und "desaströs".

Und Italien sei aufgrund der großen Abhängigkeit vom Russengas passiv gewesen und habe dem Truppenaufbau zugesehen und hätte sich deswegen für unfähig erklärt, die britische Position zu teilen.

Die ganze EU sei völlig unfähig gewesen, einzusehen, dass man mit Putin nicht verhandeln könne.

Und diese Position der EU sei für ihn, Johnson, völlig unakzeptabel gewesen, er hätte das niemals unterstützen können, die Ukraine unterstützungslos krepieren zu lassen.

Aber nach dem Angriff Putins auf die Ukraine hätten dann alle an einem Strang gezogen und eingesehen, dass man mit Putin nicht verhandeln kann.

Johnson ist auch der Meinung, dass Selenskij derzeit nicht mit Putin verhandeln kann, weil er dann die Unterstützung im eigenen Land verlieren würde.

Johnson kritisiert damit auch den Irrglauben, der vielleicht im deutschsprachigen Raum sehr verbreitet ist, man könne mit Putin verhandeln, oder man hätte mit Putin verhandeln können. Vermutlich hat Putin die demokratische Ukraine als Bedrohung für sein autoritär-despotisches Herrschaftssystem in Russland betrachtet (Ukrainisch und Russisch sind sehr ähnliche Sprachen) und war deswegen zu keinem Kompromiß bereit und hatte deswegen vermutlich einzig und alleine die totale Unterwerfung der Ukraine als Ziel. In so einer Situation kann vermutlich nur ein Krieg (im Falle der Ukraine ein Verteidigungskrieg) ein Ausweg sein; wenn Putin den Ukrainekrieg gewonnen hätte, hätte er vermutlich als nächstes das demokratische Polen oder das demokratische Baltikum zu einer Gefahr für Russland bzw. Putins Herrschaftssystem in Russland erklärt.

Das bestätigt jedenfalls zahlreiche meiner Einschätzungen und Tweets.

https://twitter.com/DKnoflach/status/1577036666857889794

"Germany und France (Merkel and Sarkozy) were big enough to veto Ukraine NATO-Membership at the NATO-summit in Bukarest in 2008. This presumably lead to Victoria Nuland´s anger and her "Fuck the EU!"-statement." (3.10.2022, also anderthalb Monate vor Johnson´s Interview, ein NATO-Beitritt der Ukraine, wie 2006 bis 2014 von den USA vorgeschlagen, hätte den Ukrainekrieg wahrscheinlich verhindert)

https://twitter.com/DKnoflach/status/1580874543618347008

´Vielleicht haben ja Nuland und Kagan recht, so a la "Die EU ist ein Haufen politik- und handlungsunfähiger Pazifisten, die man nur vergessen kann" ´ (14.10.2022, also ein Monat vor Johnson-Interview)

https://twitter.com/DKnoflach/status/1589677521939103744

"Kann ein Präsident eines so angegriffenen Staates überhaupt was Anderes sagen ? Oder verliert er dann innerhalb des eigenen Landes soviel Unterstützung, dass er sowie zurücktreten muss ? Und letztlich sind faire Verhandlungsergebnisse immer ein Resultat eines militärischen Patts."

(7. Nov. 2022, also 2 Wochen vor dem Boris-Johnson-Interview)

Paradoxerweise oder logischerweise sind die Obdachlosen, die keine Wohnung haben und keine Heizung unter den ganz wenigen, die nicht schuld sind daran, dass die EU mit ihrer Russengasabhängigkeit Putin´s Angriff auf die Ukraine finanzierte.

Der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD, 1974-1982) meinte einmal in einer der Energiekrisen der 1970er Jahre, man dürfe sich als Staat niemals zu mehr als 30% von einem Öl- oder Gaslieferanten abhängig machen - eine Aussage, die viele Jahrzehnte lang in der Versenkung verschwunden war und von keinem einzigen Politiker und von keinem einzigen Journalisten zitiert worden war, welchen Geschlechts auch immer.

In Deutschland (55%), Österreich (80%) und Italien (70%) wurden diese 30%-Grenzwerte in Bezug auf das Russengas krass und weit überschritten, womit auch eine fast sklavische Abhängigkeit von Russland einherging, und ein praktischer Fast-Zwang, putin-russischen Aggressionskriegen zuzustimmen.

Bereits im Falle von Putins Aggressionskriegen Tschetschenien (2000), Georgien (2008), Syrien (2015), und erster Ukrainekrieg (2014) war die EU (GB ausgenommen vielleicht) ja passiv und putin-sklavisch geblieben.

Die große Abhängigkeit Deutschlands vom Russengas ist übrigens vermutlich nichts, wofür der jetzige deutsche Kanzler Scholz (er war vorher Bürgermeister von Hamburg und nicht in der Bundespolitik) oder die jetzige Regierung was kann, der/die erst wenige Monate vor dem Ukrainekrieg Kanzler/Regierung wurde, zu einem Zeitpunkt, als sich der Ukrainekrieg durch Putins Veröffentlichungen ankündigte, als ein Ausstieg aus dem Gas, der Jahre oder Jahrzehnte dauert, nicht mehr möglich war, und wo eine Ausstiegsankündigung möglicherweise als Vorverurteilung Russlands betrachtet hätte werden können.

Es stellt sich auch die Frage, inwieweit der Ukrainekrieg ein völliges Versagen der gesamten EU-Medienlandschaft war. Weder die große Abhängigkeit Europas vom russischen Gas noch die damit verbundene Erpressbarkeit war in den letzten 25 Jahren vor dem Februar 2022 in europäischen Medien ein Thema gewesen, was einen daran zweifeln lassen kann, ob in der EU pluralistische Medien existieren.

Die Berichte drehten sich z.B. in Deutschland um den Ausstieg aus der Verstromung deutscher Kohle, in Österreich um den Ausstieg aus der Wasserkraft (siehe Hainburg-Verhinderung), um den Ausstieg aus der Atomenergie (in Österreich Zwentendorf, in Deutschland nach Fukushima), etc.

Alle diese Maßnahmen, Debatten und Entscheidungen, die durch Medien weitgehend beflügelt und unterstützt wurden (so unterstützten alle Medien, auch die "Krone" die Wasserkraftwerk-Zwentendorf-Verhinderung), erhöhten letztlich die Abhängigkeit Europas vom Gas aus Putin-Russland und machten es der EU praktisch unmöglich, die Ukraine in ihrem Selbstverteidigungsrecht frühzeitig zu unterstützen und präventiv den Frieden zu erhalten, so wie es eigentlich in der UN-Charta verankert wäre.

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