Sowohl Vertreter der Grünen (Kogler) als auch Vertreter bzw. -innen der SPÖ (Rendi-Wagner) haben sich in den letzten Tagen für Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer und Finanztransaktionssteuer ausgesprochen zur Finanzierung der Covid-19-Schäden.

Während bei Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer dabei Freibeträge, also Untergrenzen, aber denen besteuert wird, vorgesehen sind, fehlen diese Freibeträge in den meisten Finanztransaktionsbesteuerungsvorschlägen.

Damit wird der Vorschlag aber das Gegenteil von dem, was er zu sein behauptet: nicht die Reichen werden getroffen, weil die, bzw. deren Kapital ins Ausland flüchtet, in Zonen niedriger Besteuerung - nicht zuletzt gehört die Freiheit des Kapitalverkehrs zu den Grundfreiheiten der EU.

Sondern die Kleinanleger werden getroffen, die diese Fluchtmöglichkeit oft nicht haben, weil es sich bei kleinen Beträgen nicht rechnet, gelegentlich auf die Bermuda-Inseln oder nach Jersey zu jetten, um die eigenen Kapitalanlagen zu kontrollieren und etwaige Neuorientierungen zu besprechen.

Die Finanztransaktionssteuer oder auch nur die Debatten darüber führen generell oft zu einer übertriebenen Wertpapier-Halte-Mentalität, die Kleinanleger oft dazu verleitet, den Markt und die Umstände nicht genau genug zu prüfen, die Kursrückschlagspotenziale nicht ernst genug zu erwägen.

Nun sind aber meiner Meinung nach KLeinanleger ein wichtiger Aspekt eines Aktien- oder Wertpapiermarktes, weil sie oft eine große Unabhängigkeit von institutionellen Anlegern haben.

Auch haben Kleinanleger einen stabilisierenden Effekt, der die Kursausschläge verringert.

So gab es zum Beispiel am US-Aktienmarkt mit hoher Kleinanlegerbeteiligung im Zuge der Covid-19-Krise einen Kursrückgang von 30%, am deutschen Markt mit mittlerer Kleinanlegerbeteiligung einen Kursrückgang von 40% und am österreichischen Markt mit geringer Kleinanlegerbeteiligung einen Kursrückgang von 50% - es korreliert also Kursrückschlag mit Kleinanlegerbeteiligung.

So simpel ist das halt nicht - es sind nicht alle Kapitalisten stinkreich und es ist nicht jeder Steuervorschlag sinnvoll, nur weil er die nicht trifft, die kein Geld haben.

Was den Sozialen Aspekt betrifft, so erscheint eine Vermögenssteuer mit Freibeträgen wesentlich zuverlässiger als eine Finanztransaktionssteuer ohne Freibeträge.

Der Kleinanleger ist so irgendwie ein Typ, der zwischen allen Stühlen sitzt, den Rechten ist er zu proletarisch, den Linken ist er zu kapitalistisch.

Sehr oft tendiert er auch zum Nichtwählertum, weil eben keine der etablierten Parteien seine Interessen vertritt.

Auch sogenannte Kleinanlegervertreter der Vergangenheit waren mit den institutionellen Anleger (z.B. ÖVP-Abgeordneter Rasinger mit seinem Interessenskonflikt zur Erste-Bank, bzw. Erste-Bank-Stiftung) dergestalt, dass sie dem Image der Kleinanleger bzw. der Kleinanlegervertreter eher schadeten als nutzten.

CC / Bwag https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_B%C3%B6rse#/media/Datei:Wien_-_B%C3%B6rsengeb%C3%A4ude_am_B%C3%B6rsenplatz.JPG

Ehemaliges Gebäude der Wiener Börse am Börseplatz: mehr historisches Vergangenheits-Flair, der aber keine lebendige Beziehung zwischen Börse, Politik und Kleinanlegern gegenübersteht ?

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