Über das Versagen der Friedensforschung, diesmal in Anbetracht des neuerlichen Äthiopienkrieges

"Gut gemeint, ist oft das Gegenteil von gut getan", meinte schon der Klassiker der deutschen Literatur, Johann Wolfgang von Goethe.

Und wenn "Friedensforscher" für ihre (oft sehr einseitige Sicht der Dinge) große Medienpräsenz, noch dazu ohne zweite Meinung (die in medizinischen Fragen als Standard gilt), erhalten, dann scheint Einseitigkeit und Wunschdenken oft vorprogrammiert.

Da sich in jüngster Zeit die Spannungen zwischen der äthiopischen Zentralregierung (geführt vom Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed) und der Bevölkerung bzw. der Regionalpolitik der äthiopischen Provinz Tigre militärisch zugespitzt hatten, wurden in dem Medium, das der Volksmund "Österreichischen Rot-Grün-Funk", also ORF nennt, eiligst Sendungen gebracht, die die üblichen Analysemuster brachten.

Z.B. der Unilateralismus sei schuld, Trump sei schuld, der westliche Egoismus sei schuld, etc.

Einer der Vortragenden kam der Wahrheit vielleicht am nächsten, als er sagte, dass Armut alleine nicht unbedingt ein Kriegsgrund sei.

Aber wer arm ist, mehrere Frauen und zehn bis zwölf Kinder ernähren muss, der lässt sich vielleicht eher dazu verleiten, Söldner zu werden, oder einen seiner Söhne zum Söldner zu machen, als wer arm ist, und keine oder eine Frau und kein oder ein oder zwei Kinder ernähren muss. Und gerade dieses Bevölkerungswachstum und sein Anteil am Krieg wurde in der ganzen Sendung vielleicht konsequent verschwiegen und vertuscht. Die Bevölkerung Äthiopiens wuchs von 24 Millionen im Jahr 1960 auf 114 Millionen heuer. Mit demselben Bevölkerungwachstum hätte Österreich heute ca. 40 Millionen Einwohner.

Dabei hatte gerade in Äthiopien alles so vielversprechend begonnen, mit hohen Wirtschaftswachstumsraten in den guten Jahren (ca. 10%), mit einer Aussöhnung mit dem abgespaltenen Eritrea, die dem Regierungschef Ahmed den Friedensnobelpreis einbrachte.

Das rasante Bevölkerungswachstum, die Schwierigkeiten, diese schnell wachsende Bevölkerung zu versorgen und zu ernähren, wurden in der Sendung als Kriegsursache ausgespart - egal, ob absichtlich oder nicht.

Auch Ahmed selbst kommt selbst aus einer kinderreichen Familie, mit fünf Geschwistern und 7 Halbgeschwistern, und stellt so gesehen alles andere als einen Paradigmenwechsel dar.

Die kurioseste Erklärung ist, Covid-19 sei schuld am Krieg, weil die Zentralregierung mit Berufung auf Covid-19 die Wahlen in Tigre verschoben hatte, hingegen die Bevölkerung und Politik Tigres diese Wahlen durchgeführt hatten.

Somit könnte sich auch die Friedensnobelpreisverleihung an Ahmed als kriegstreibend erweisen, denn mit einem Friedensnobelpreis im Gepäck kann ein Premierminister natürlich eher glauben, Fehler aussitzen zu können, statt deswegen zurückzutreten. Wurden etwa in Europa Wahlen verschoben oder abgesagt wegen Covid-19 ? Zum Beispiel die Wienwahl im Oktober ? Nein, keineswegs.

Und der Glaube, Covid-19 wäre in einem halben Jahr verschwunden, war wohl ein diesbezüglicher Fehler. Falls dieser Glaube nicht nur ein Vorwand war, die Wahlen in Tigre zu verhindern, damit man jederzeit sagen kann, Tigre habe keine legitime Regierung.

Es gibt offensichtlich so eine Art Omerta (ursprünglich kommt der Begriff vom Schweigegelübde der sizilianischen Mafia) unter "Friedensforscher", sich nicht gegenseitig zu kritisieren, selbst wenn das angebracht wäre. Und demgemäß darf die These, die Friedensnobelpreisverleihung könnte vielleicht mitschuld sein am neuerlichen Äthiopienkrieg, weil sie Ahmed in eine praktisch unkritisierbare Position brachte, in der er glaubte, mit jedem Fehler und jedem Machtmißbrauch durchzukommen, von anderen "Friedensforschern" nicht vertreten werden.

https://oe1.orf.at/player/20201120/618390

(Titel: "Der Friedensnobelpreisträger im Krieg" )

Unter diese Vertuschung von Aspekten versteht der ORF wohl unter dem an und für sich für ihn geltenden gesetzlichen Objektivitätsgebot, das schon im ersten Satz der Sendung mit dem Begriff "Strafexpedition" operiert wird, Strafexpedition für Wahlen wohlgemerkt. Durchgeführt von einem Premierminsiter, nämlich Ahmed, der selbst nie durch Wahlen legitimiert wurde, sondern dessen einzige "Legitimation" scheinbar der Friedensnobelpreis war.

https://www.dw.com/en/ethiopia-massacre-of-civilians-in-tigray-amnesty-claims/a-55583493

Und es stellt sich natürlich auch die Frage, ob das Festhalten der Staatengemeinschaft an "alten" Grenzen nicht in vielen Fällen die Spannungen und Kriege verschärft bzw. schafft.

Unter den verschiedenen Ethnien Äthiopiens sind die Tigray (im Norden) diejenigen mit dem höchsten Anteil an Christen (96% äthiopisch-orthodoxe Christen), während Somalis (im Osten) mit 98% und Afar mit 96% diejenigen mit dem höchsten Anteil an Muslimen sind.

In Äthiopien gibt es auch eine ethnische Gruppe der Alaba, von denen vielleicht David Alaba abstammt.

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