"Lasst euch keine Angst machen. Wer Angst schürt, will betrügen. Und wählt unbedingt uns, oder die Welt geht unter!" (Die Grünen; sinngemäß)

Halleluja! Hier sind die edelsten und reinsten Menschen, die die Schöpfung jemals sah, in der Stunde äußerster Not angetreten, uns armen Sünderlein die strenge, aber gerechte Hand zu reichen. Zuversichtlich strahlende Gesichter, kraftvoll zupackende Hände, allzeit Weltbewegenes wälzende Hirne, unendlich viele Geschlechter; und über all dem thront die Schutzheilige der Bewegung: Greta Thunberg, das einzige europäische Mädchen, dass trotz ordentlich geflochtener Zöpfe jeder braunen Gesinnung unverdächtig ist. Und dennoch: Als Greta mir befahl, in Panik zu geraten, habe ich den Gehorsam verweigert. Ich bin nämlich öfter in Panik, als mir lieb ist, und wenn ich meinem Arzt glauben kann, zeugt das nicht von Vernunft, sondern von einer ernsten psychischen Störung. Andererseits wird mein Arzt im Gegensatz zu Greta wohl niemals heilig gesprochen werden. Auch für den Friedensnobelpreis kommt er nicht in Frage und sein relativ hohes Alter spricht ebenfalls gegen ihn. Ebenso wie ich wird er den Tag nicht mehr erleben, an dem die Erde je nach Wetterlage entweder zum Mars oder zur Venus wird, weil wir nicht mutig genug waren, in Panik zu geraten. Greta und die apokalyptischen Fridays-for-Future-Hopser schon. Aber sei's drum, die taugen eh noch weniger als grüne Dialektik.

"Zusammenhalt! Miteinander! Gleichstellung! Frieden!" (SPD; wörtlich)

Da grinst sie entrückt, den Blick abgewandt, als fürchte sie, jemand könnte ihr Fragen stellen, obwohl doch alle Fragen längst beantwortet sind. Europa ist die Antwort. Ihr sonst oft beängstigend irrer Augenaufschlag sah nie harmloser aus, ihre Worte waren nie spärlicher und ihre Botschaften nie beliebiger. Man könnte beinahe Vertrauen fassen, denn nichts ist liebenswerter als ein sanftes: "Naja, wählt mich halt einfach so." Die Resozialisierung heimgekehrter Kopfabschneider durch unbedingt vertrauenswürdige Kopfgeradenochsodranlasser war nicht ihre Idee, ebenso wenig wie die Liebesgrüße zum Jahrestag nach Teheran, die Enteignung der deutschen Automobilindustrie oder der Kampf gegen die Meinungsfreiheit im Internet, und während etwa das breiige Mensakartoffelchen, das von ihrer Partei als Hoffnungsträger gefeiert wird, auf Twitter als Inhalte getarnte Primatenposen in den Äther keckert und damit fleißig gegen Applaus nicht nur von der falschen Seite kämpft, ist sie einfach nur da. Fast wie Mutti, nur frischer. Wer noch nicht weiß, wie der SPD am besten das Handwerk gelegt werden kann, findet Trost und Aufklärung bei Katarina Barley: Europa ist die Antwort.

"Kuckt mal, wie lustig wir immer noch sind, obwohl wir es in diesen dunklen Zeiten mit der Satire nicht übertreiben dürfen!" (Die Partei; leider)

Ich würde nicht nur darauf wetten, dass Nico Semsrott zerflösse, salzte man ihn, sondern aus purer Bosheit auch darauf hoffen. Allein helfen würde es niemandem, denn die Sickergruben der deutschen Behelfskomik sind fruchtbarer denn je und der bedrückende Gedanke an eine Spitzenkandidatin Amani erscheint bei weitem nicht so absurd, wie er sollte. Was ist nur aus dieser Partei geworden? Die Augen der blassen Figuren in den billigen C&A-Anzügen sind glasig nicht mehr vom Alkohol, sondern vom Glauben an die eigene Mission, nämlich den Kampf gegen die nationalsozialistische Weltverschwörung, die sie in allem zu erkennen glauben, was in der Oberschicht und dort, wo man gerne Oberschicht wäre, nicht wohl gelitten ist. Mit heiligem Ernst im Gesicht und dem verkrampften Wortwitz einer Rainer-Brandt-Synchronisation in der Stimme lauern sie am Rande linker Veranstaltungen auf Beute und wirken dort unwiderstehlich vor allem auf wohlstandsverwahrloste Mitläufer: um elitäre Haltung bemühte Bengel und Gören bar jedes politischen Verständnisses, die der Linken zwar nur aus blankem Opportunismus zuneigen, von dieser aber als Wähler dringend gebraucht würden. Nein, hier gibt es nichts zu lachen; besonders nicht für die ohnehin schon schwächelnden echten Linksparteien.

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