Angeregt von thurnhoferCC, als Kommentar begonnen, der dann immer länger wurde, und zu überaschenden Erkenntissen führte.

CORONA-WARN-APP, deutsch

Die schweizer Variante

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Pro:

- ich werde gewarnt, wenn ich einem Infizierten zu nahe komme.

Der Infizierte muß dazu das eingeschaltete Smartphone, mit eingeschaltetem Bluetooth/GPS, und eingeschalteter Corona-Tracing-App dabei haben, und außerdem seinen Status, mit Bestätigung vom Gesundheitsamt (QR-Code, TAN), als Corona-"positiv" eingegeben haben.

Frage: Sollte, wer behördlich Corona-"positiv" ist, nicht eh in häuslicher Quarantäne sein?

Die App kann mich also nur vor einem Quarantänebrecher warnen, der trottelig genug ist, mit aktivierter Corona-Warunung herumzulaufen?

- Wenn ich zu lange in der Nähe eines Infizierten verweilte, der nichts davon wußte, kann die App dem Gesundheitsamt verraten, wen der Infizierte in den 14 Tagen davor kontaktierte, und auch, zu wem ich selber seither Kontakt hatte.

Contact-Tracing-App stimmt als Bezeichnung, aber es geht eher darum, die lückenhafte Erinnerung der Kontaktpersonen durch eine sichere Aufzeichnung zu ersetzen, welche den Ämtern eine lückenlose Nachverfolgung aller möglichen Infektionswege erlaubt.

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Zwischen-Fazit: "Contact-Memory-App" wäre eine treffende Bezeichnung, jedoch ohne den Beigeschmack von "1984".

Zur Erfüllung der Funktion wäre gar keine Corona-"positiv"-Eingabe nötig.

Die Corona-"positiv"-Eingabe, ist ja im Prinzip bloß das "JA" dazu, daß das Gesundheitsamt deine direkten Kontakte registriert, was, ohne App, durch telefonisches Abfragen deiner Erinnerungen erfolgen würde.

Außerdem erlaubt dieses "JA" der App, deine 14-tägigen Kontakte direkt zu warnen, damit diese sich dann vorsichtshalber, von sich aus, testen lassen, was, ohne App, ebenfalls von den Mitarbeitern im Gesundheitsamt mit mühseligen Einzelanrufen erledigt wurde.

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Contra:

- Bluetooth zieht viel Strom, und bei Android muß meines Wissens sogar GPS eingeschaltet werden, was noch mehr Strom verbraucht.

Die beiden sind bei mir standardmäßig ausgeschaltet, und werden nur bei Bedarf aktiviert.

- du mußt immer eine eingschaltetes Smartphone bei dir tragen.

Meines liegt meistens ausgeschaltet im Rucksack, und wird nur bei Bedarf eingeschaltet, weil ich nicht unnötig den Akku entladen will, und weil ich mich nicht unnötigem Elektrosmog aussetzen will.

- es muß ein neueres Smartphone sein (iOS6+, Android6+)

Ich hätte noch immer mein altes Samsung-Klapphandy, wenn der Akku nicht den Geist aufgegeben hätte, und das SonyXperiaPro hat Android2.4, und ist somit ebenfalls nicht App-kompatibel.

- die Mißbrauchsmöglichkeiten sind hoch

Einerseits haben Smombies (Smartphone-Zombies = Menschen, die alle paar Minuten ihr Smartphone checken müssen) eh Bluetooth und GPS immer eingeschaltet, alle möglichen Dienste und Apps am Laufen, und geben dadurch alle möglichen Arten von Daten preis, und andererseits wurde gerade bei den Corona-Apps viel auf Sicherheit geachtet.

Ganz ausschließen kann man Mißbrauch, ob nun von staatlicher Seite, oder durch private Unternehmen, nie.

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Fazit, gesamt:

1. Die Grundidee ist gut: Das, was bisher die Mitarbeiter im Gesundheitsamt mühselig durch viele telefonische Einzelkontakte erledigten, wird jetzt durch diese App automatisiert, und außerdem wird die Fehlerquelle des lückenhaften Gedächtnisses von Infizierten beseitigt.

2. Die Menschen, die kein Smartphone besitzen, bzw. nicht alles einschalten wollen, etc., dürften eher selten zu der Gruppe der "Superspreader" gehören.

3. Die "Superspreader" (sozial affine, sozial süchtige, etc.) dürften zwar die hardwaremäßigen Voraussetzungen erfüllen, aber, aufgrund ihrer Prädisposition, zu einem großen Teil alle Corona-Maßnahmen, einschließlich dieser App, als Behinderung ihres Soziallebens ablehnen.

Selbst wenn solch eine Person nach der Bestätigung einer Infektion die App installieren würde, hätte dies keinen Nutzen, weil das Kind dann schon in den Brunnen gefallen wäre.

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Also nochmal:

Die App bringt rückwirkend nichts.

Wenn du sie installierst, und eines Tages zufällig positiv getestet wirst, kann die App alle nachträglich warnen, die du in der Zeit vor deinem Test vielleicht infiziert haben könntest.

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Die Digitalisierung hat im Alltag immer mehr Bedeutung (amtliche Dienste, Fahrkarten, Corona-App), und daher werde auch ich wohl nicht darum herum kommen, mir eine moderneres Smartphone zuzulegen, und es wie den Personalausweis immer mitzuführen.

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Michlmayr

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rigoletta

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