Moi, in den Schuhen unserer Corona-Kanzlerin

Seit dem Film "In den Schuhen des Fischers" ist das für mich eine Redewendung dafür, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen.

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Heute las ich in meiner Tageszeitung, daß sich ab Montag bundesweit nur noch 10 Menschen aus maximal 2 Haushalten in der Öffentlichkeit treffen dürfen, und dachte:

"Häh, in geschlossenen Räumen ist die Infektionsgefahr doch viel größer, also, wieso nur "in der Öffentlichkeit"? Das muß ein Mißverständnis, oder Druckfehler sein."

Heute Nachmittag dann bei der WELT:

"In Bayern gilt somit grundsätzlich verbindlich, dass sich – egal wo – nur noch die Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes treffen dürfen, und zwar mit insgesamt maximal zehn Personen. Der Bund-Länder-Beschluss vom Mittwoch hatte dies nur für den „Aufenthalt in der Öffentlichkeit“ explizit geregelt. „Darüber hinausgehende Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen sind angesichts der ernsten Lage in unserem Land inakzeptabel“, hieß es in dem Papier vom Mittwoch weiter. Die Regelung in Bayern ist also nochmals strenger."

Also stimmt das schon, mit dem bundesweiten Verbot größerer Versammlungen in der Öffentlichkeit.

Beim Überlegen, weshalb dies auf die Öffentlichkeit beschränkt ist, fielen mir zuerst nur Demonstrationen ein, bzw. die "Corona-Demos".

Durch irgendwas im Fernsehen, oder im Artikel, kamen mir dann aber die "Karnickel-Wiesen-Raves" von Berlin in den Sinn.

Was geschieht auf diesen Raves?

Junge Leut´ treffen sich zum gemeinsamen feiern, und pfeifen dabei, sowohl auf Abstandsregeln, als auch auf Maskenschutz.

Selbst diejenigen, welche im Alltag noch vernünftig handeln, dürften sich bei solchen Veranstaltungen dem Gruppendruck beugen (ich selber habe mich zum Leberkäs-Vesper bei einem freiwilligen Samstags-Einsatz in der Arbeit, zu den Kollegen an den Tisch gesetzt, obwohl mir die Abstands-Unterschreitung bewußt war, weil es sich einfach nicht richtig angefühlt hätte, wenn ich abseits gehockt wäre, bzw. weil ich meine Kollegen damit nicht vor den Kopf stoßen wollte).

Jedenfalls liefen im Fernsehen nebenher die Nachrichten, und dabei wurde auch über die existenziellen Nöte der Gastronomen gesprochen (Restaurants und Wirtschaften sind ab Montag für einen Monat geschlossen), und dadurch machte es irgendwie "click" bei mir.

Es geht bei dem bundesweiten Maßnahmen-Paket darum, alles zu verhindern, was die Menschen dazu animieren könnte, die AHA-Regeln zu mißachten, zu ignorieren, oder zu vergessen, und das vor allem dort, wo Menschen aus sehr vielen verschiedenen Haushalten zusammenkommen.

Oder anders gesagt:

Die Maßnahmen wurden diesmal, weniger von virologischen, sondern mehr von psychologischen Überlegungen gelenkt.

Meiner Meinung nach, könnte das sogar klappen, weil man damit das ausschaltet, was Menschen zum unbewußten Verletzen der Regeln veranlaßt.

Ich würde sagen: "Die Zeit wird´s zeigen.", aber beim Verhalten von Menschen spielen derart viele Faktoren mit rein, daß es nur schwer vorhersagbar ist.

Vielleicht entdecken aber auch noch einige mehr ihr Talent zum Laufen "in den Schuhen des Fischers".

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p.S.1: Als frischgewählter Vertrauensmann (ich war der einzige Depp, der sich gemeldet hat), habe ich in Bezug auf das durchgehende Maskentragen im Freien, auf dem Betriebsgelände, nachgehakt.

Die Antwort:

Natürlich ist es Blödsinn, und es gilt nur dann Maskenpflicht, wenn die 2m Abstand nicht eingehalten werden.

Ich hatte also recht:

Es sollte bloß verhindert werden, daß die Leut´ in großen Gruppen, eng beieinander, unmaskiert herumlaufen.

Als Vertrauensmann, sehe ich es als meine Pflicht, das den Leuten zu sagen.

Konterkariere ich damit die gute Absicht, bzw. sabotiere ich eine Anti-Corona-Maßnahme?

Diejenigen, welchen die unlogische Forderung nach durchgehendem Maskentragen im Freien aufstößt, würden sich dadurch eh darin bestätigt sehen, alle Maßnahmen zumindest dort zu ignorieren, wo sie nicht erwischt werden.

Durch mein Aufklären, und gleichzeitiges Hinweisen darauf, daß ihr eigenes Verhalten der Grund für solche überzogenen Forderungen ist, bewirke ich vielleicht eher ein Umdenken.

Anderseits gibt es anscheinend auch solche, die es anderen neiden, daß sie keine Maske tragen müssen, und die deswegen eine durchgehende Maskenpflicht für alle fordern.

Das sind auch diejenigen, welche meinen, daß es die "Fürsorge-Pflicht" des Restaurant-, oder Wirtschaftsbetreibers ist, für ein Corona-sicheres Verhalten ihrer Gäste zu sorgen.

Den Gedanken, daß die Mehrheit der Gesellschaft so denken könnte, finde ich ziemlich deprimierend, und gegen die Art Gedanken hilft nur, sich dem entgegenzustellen, ob nun argumentativ, oder als Beispiel.

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p.S.2: In Bezug auf die "Hinweise und Anzeigen von Nachbarn", aus dem WELT-Artikel, teile ich vermutlich die Meinung der meisten Kommentatoren:

Ein solcher Aufruf zur Denunziation geht zu weit, und Söder kann... mir mal im Mondschein begegnen.

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Nachtrag:

Ich bin wohl nicht der einzige, der sich über diesen Widerspruch Gedanken macht https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-10/corona-lockdown-gastronomie-haushalte-rki-daten-neuinfektionen/komplettansicht

Was in Corona-Zeiten jeder wissen sollte https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-10/corona-verhaltensregeln-hygieneregeln-haendewaschen-abstand-maske-infektionsschutz

Durch sinnvolles Auswählen kann jeder das Ganze für sich erleichtern, und dennoch nicht zum Infektionsherd werden.

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