9 Tage ist es her, und wir haben Sommerzeit.

So kurz, und doch eine Ewigkeit, oder für mich zumindest fühlt es sich ewig her an, seit wir am Donnerstag, vor einer Woche, in der Werkhalle zusammengerufen wurden, um zu erfahren, wie es weitergeht:

Zwei Wochen zu, und dann in der Woche vor Ostern arbeitet erst die eine Hälfte, während die andere Hälfte daheimbleibt, und in der Woche nach Ostern arbeitet dann das B-Team, während das A-Team daheimbleibt.

Die kleinere Belegschaft soll es ermöglichen, die nötigen Sicherheitsabstände einzuhalten.

So war damals der Plan, vor einer Ewigkeit, in der Winterzeit.

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Das erste mal schrieb ich, weil ich den Eindruck hatte, daß die Leut´ die Sache nicht ernstnehmen, weil sie das Geschehen falsch deuteten, und falsche Erwartungen hatten.

Heute schreibe ich, weil ich den Eindruck habe, daß vielen die Decke auf den Kopf fällt, und das nach nur einer Woche.

Ich würde gerne etwas fantastisches, ablenkendes bieten, aber dafür fehlen mir sowohl Fantasie, als auch Schreibtalent.

Vielleicht kann aber der selbstlose Blick eines Assozialen zumindest etwas Ablenkung bieten.

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1.Klopapier + Einkäufe allgemein:

Letzten Freitag habe ich sowohl beim Kaufland, als auch bei Aldi keins gefunden, und auch keine Küchenrollen.

Vorgestern gab´s beim Lidl auch nada, aber meine Mutter erzählte, daß DM beides hatte.

Ich habe ihr Gemüse beim Lidl besorgt, aber sie bestand darauf, ihre Spezialitäten bei DM selber zu holen, so wie auch der Vater seinen Wocheneinkauf beim Aldi selber machen wollte.

Man kann, und sollte, die Alten nicht komplett wegsperren, weil das Gefühl von Selbstständigkeit gerade in diesen Zeiten wichtig ist.

Wo ich mir letzte Woche noch etwas exotisch vorkam mit meinen Gummihandschuhen, so war ich diese Woche nicht der einzige mit Mundschutz, wobei vor dem Lidl eine Security-Frau stand, welche die Wagengriffe nach jeder Benutzung abputzte.

Gestern bin ich im Anschluß an eine morgendliche Fahrradtour beim Rewe vorbeigefahren, habe eine Küchenrolle ergattert, und eine Flasche Brennspiritus.

Bei der WHO findet man das Rezept, um aus Ethanol Desinfektionsmittel herzustellen.

Küchenrollen-Papier sollte man vierteln, wenn man es zweckentfremden will.

Bei Rewe waren viele Verkäuferinnen ohne irgendwelchen Schutz am werkeln, aber meine Kassiererin war vermummt, während ich selber in meinem verschwitzten Zustand auf den Mundschutz verzichtet hatte (die Brille läuft dann besonders schnell an).

Ich habe wenigstens mit Karte bezahlt, und dabei auch zum erstenmal die kontaktlos-Funktion benutzt.

Die Kunden haben sich nach meinem Eindruck an die Abstandsregeln gehalten, manche mit, und manche ohne Mundschutz.

Am Ausgang habe ich dann - auf Distanz - noch etwas mit einem älteren Herrn palavert, der erzählte, daß man bei den Kanalverstopfungen der Woche sogar T-Shirts gefunden hätte.

Also bitte: Wer kein "weißes Gold" mehr hat, und auf Alternativen umsteigen muß, bitte in einem separaten Eimer, in einer Mülltüte sammeln, und dann im Hausmüll entsorgen.

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2.Infizierten-Zahlen:

Beim letzten Mal habe ich schon erklärt*, warum die Zahlen steigen.

Heute durfte ich bei der WELT erfahren, warum sie am Wochenende weniger steigen: Die Ämter, oder die Labore, melden sie nicht weiter.

DANKE :(

Das wäre das erste, was der oberste Zuständige regeln müßte, weil ohne aktualisierte Zahlen die Fachleute keine zuverlässigen Prognosen erstellen können, und daher auch die Politiker keine vernünftigen Entschlüsse fassen können.

Ich weiß ja nicht, ob es in Österreich ähnliche Probleme gibt, aber hier in D dürfte die Ursache einesteils im Föderalismus liegen, und teilweise auch in einem Phänomen, daß ich "Gesellschaft von Fachidioten" nenne.

Ich trage mich ja schon länger mit dem Gedanken, einen Blog mit diesem Titel zu schreiben, weil dieses Phänomen Erklärungen für einige Verschwörungstheorien wie Lügenpresse, oder 11.000 Wissenschaftler gibt.

Im Prinzip geht es darum, daß sich die Berufe im Laufe der Entwicklung immer mehr spezialisiert haben, was an sich etwas gutes ist.

Aber in den einzelnen Spezialgebieten verliert man dabei immer mehr den Blick auf das große Ganze, und damit auch die, in manchen Fachgebieten besonders nötige, Objektivität.

Außerdem verteidigen diese "Überspezialisten" ihren Zuständigkeitsbereich eifersüchtig gegen Einmischung von außen, was wohl dazu führen kann, daß man lieber gar keine Zahlen meldet, als zuzulassen, daß dies mal jemand anderes tut.

Die heutigen RKI-Neuinfektionszahlen* sind kleiner als gestern, so daß ich darin heut früh schon den Beginn des berüchtigten "Kurve-Flattening" zu erkennen glaubte.

Der RKI-Chef will erst am Dienstag wieder eine Pressekonferenz geben, und dann wissen wir mehr.

Ich vermute mal, die Psychologen haben erkannt, daß ein tägliches Zahlen- und Nachrichtenfeuer, wie letzte Woche, die Leute erst recht wuschig macht, und dazu kommt dann wohl auch diese wochenendbedingte Meldeverzögerung.

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3.Aussichten:

Momentan sind sich die Politiker nicht einig, weil die Wirtschaft so bald wie möglich weitermachen will, und die Epidemiologen am liebsten noch Monate sperren würden.

Mir scheint es, als ob der Verkehrslärm auf der B30 dieses Wochenende lauter ist, als am letzten.

Die Blogs und Kommentare scheinen mir gereizter, und die Zustimmung zu den Wirtschaftssorgen scheint immer mehr zu steigen.

Wenn die Ungewißheit zu lange anhält, wird den Politikern die Entscheidung durch ein "Ausbrechen des Folgs" aus den Händen genommen.

Daher fände ich baldige Pläne mit konkreten Terminen zur "Wiederbelebung" wichtig zur Motivation des "Folgs", mindestens bis zu diesen Terminen weiter durchzuhalten.

Der - eingangs erwähnte - Plan meines Arbeitgebers klingt für mich vernünftig, auch als Modell für die gesamte Gesellschaft:

Stufenweises Einsteigen (Schüler der Oberstufe, bestimmte Berufe,...) mit zeitlichem Versatz.

Ich vermute, und befürchte, daß es in meinem Betrieb auf echte Schichtarbeit hinausläuft, worauf ich nicht besonders scharf bin, aber wenn es eben nicht anders geht....;)

Zusätzlich könnte auch ein verpflichtender Mundschutz dazu beitragen, die Zahl der Neu-Infektionen klein zu halten, zusätzlich zu den Abstandsregeln.

Ein vorgebundenes Tuch täte es zur Not auch, und ansonsten müßte man - analog Trumps GM-Verpflichtung - die Textilindustrie zur massenhaften Herstellung von waschbarem Stoffmundschutz einspannen.

Mundschutz wird das Accessoire der Saison, und sollte, wie Unterwäsche, jeden Tag gewechselt werden.

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Gesunde Zeiten, und f*** Corona.

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