Zuerst einmal mein Beileid den Angehörigen.

Ich will niemanden zu nahe treten, sondern zur Verständigung beitragen.

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Anlass ist eine These zum Attentat in Pittsburgh, die antisemitischen Terror auf die Art der Antisemitismusbekämpfung zurückführt.

Holocaustfolgen und übertriebene Antisemitismusbekämpfung mitschuld an antisemitischem Terror ? von @Dieter Knoflach

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Auch wenn die These, als mögliche Ursache für zunehmenden Antisemitismus, etwas für sich hat, sollten die beiden Begriffe Terrorismus und Antisemitismus getrennt betrachtet werden.

Antisemitismus ist zwar vermutlich in diesem Fall teilweise der Auslöser, aber Terrorismus gibt es in allen möglichen Formen auf der ganzen Welt, und umgekehrt gibt es auch Antisemitismus ohne das Extrem Terrorismus.

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Wie hier nachzulesen, gibt es keine einheitliche Definition von Terrorismus , und daher will ich für diesen Text erst eine eigene erstellen.

Terrorismus ist für mich die Ermordung unschuldiger Zivilisten im zivilen Alltag aus politischen, religiösen, ideologischen, oder sonstigen obskuren Gründen.

Bei dem, hier behandelten, Attentat trifft das eindeutig zu.

Ich kann nicht sagen, was bei einem Menschen schiefläuft, daß alle möglichen gesellschaftlichen Tabus und zivilisatorischen Lehren versagen.

Ich kann nur immer wieder warnen, daß die leichtfertige Veränderung der Zivilisationsmechanismen in diesem Bereich, von "Du sollst nicht töten.", über "Robin Hood", und einen aufgeklärten Geschichtsunterricht, etc., sich auf lange Sicht fatal auswirken könnte.

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Was ich damit sagen will:

Jeder Mensch hat es in sich, zu töten.

Bedrohe das Kind, und die Mutter wird zur blutgierigen Furie.

Es ist letztenendes das Aufwachsen in einer Umgebung, die uns lehrt, was richtig, und falsch ist, was dazu führt, daß wir diese Schwelle nicht überschreiten, und nicht das gesetzliche Verbot.

Diese Methode funktioniert zwar auch nicht 100%ig, aber sie hat sich in Jahrtausenden der Zivilisation bewährt.

Es ist ein gedankliches Durchspielen von Gewaltszenarien, denen akzeptable moralische Entscheidungen zugeordnet werden.

Soziologen und Psychologen meinen, duch Verbannung dieser Gewalt aus dem Heranwachsen, die angeborene Unschuld bewahren zu können.

Das funktioniert nur in einer theoretischen, idealen, Welt.

In der Realität wird die Unschuld ohne Tabus entweder zum wehrlosen Opfer, oder zum hemmungslosen Täter.

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Da das Attentat in Pittsburgh sich gegen Besucher einer Synagoge richtete, und der Täter die Worte „Alle Juden müssen sterben!“ rief, wird es als Antisemitismus eingestuft.

Die vereinfachte Definition:

Antisemitismus ist die, auf Juden bezogene Form des Rassismus.

Und Rassismus wiederum vereinfacht definiert:

Rassismus ist anlaßloser Haß, Feindschaft, oder Herabsetzung eines Menschen allein aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Rasse, was-auch-immer.

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Die Frage die hier bei mir aufkommt:

Ist anlaßloses Mißtrauen gegenüber einem Menschen allein aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Rasse, was-auch-immer, ebenfalls Rassismus?

Dann bin ich wohl tatsächlich Rassist, und mit mir ein Großteil der Menschheit.

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Die, eingangs erwähnte, These postuliert, daß der Antisemitismus in Amerika zunimmt, weil die Antisemitismusbekämpfung in Amerika nur durch gesetzliche Verbote und ähnliches geschah, statt durch die, weiter oben erwähnten, Zivilisationsmechanismen, und daß eine Überbewertung des Holocaust dazu führte, daß auch die Einschränkung der Meinungsfreiheit in Sachen Antisemitismus übertrieben wurde.(nach meinem Verständnis des Textes)

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Hier sehe ich den Finger in der richtigen Wunde, aber eine etwas andere Diagnose:

Ersteres mag stimmen.

In Amerika fehlt das Schuldbewußtsein der Tätervölker in deutschsprachigen Ländern, oder die tausendjährigen Geschichten von Progromen des europäischen Kontinents.

Der Holocaust allerdings stellt die maximale Zuspitzung von Rassismus dar, und dessen Kenntnis einen unverzichtbaren Zivilisationsmechanismus.

Da dieser bis vor kurzem noch funktioniert hat, kann der Bezug auf den Holocaust nicht die Ursache für die heutige, übertriebene Einschränkung der Meinungsfreiheit sein.

Dies führe ich eher darauf zurück, daß Menschenrechtsgruppen und Aktivisten für Gleichberechtigung, begonnen haben, den Holocaust als Druckmittel zur Durchsetzung iherer Interessen zu benutzen.

Als diese Interessen dann einen kritischen Punkt überschritten, ab dem es nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern Umverteilung ging, polarisierten sich die Gesellschaften.

Die Polarisation führte zu politischer Organisation, und dadurch wurde letztendlich der Holocaust zu dem politischen Druckmittel, daß er heute ist.

Diejenigen, die sich dieses Druckmittels bedienen, übersehen, oder ignorieren dabei, daß diese Art des Gebrauchs auf lange Sicht die Wirkung als Tabu beschädigt.

Die Beschädigung des Zivilisationsmechanismus bewirkt dann zunehmenden Rassismus/Antisemitismus.

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Da beide Theorien, sowohl die zu Gewalt/Terrorismus, als auch die zu Rassismus/Antisemitismus nicht beweisbar sind, wird sich diese Entwicklung wohl auch nicht aufhalten lassen.

Ich hoffe, daß ich falsch liege. :(

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Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 30.10.2018 11:27:43

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