"wir gegen die anderen", oder doch eher "wir über andere"?

"Ideologie, die auf Ausgrenzung und Spaltung setzt und ein vermeintliches „die anderen“ gegen ein vermeintliches „wir“ auszuspielen versucht"?

=Standarderklärung bei eskalierenden Konflikten zwischen unterschiedlichen Gruppen im Streit um Besitzstände. Es kann dabei sowohl um Terroranschläge gehen, als auch um politische Diskussionen über Asyl, Migration, Einwanderung, Diskriminierung und Antidiskriminierung, etc..

Die Theorie ist, daß es keinen Grund für Konflikte gibt, wenn es kein "wir" und "andere" mehr gibt, sondern alle "gleich" (lieb) sind.

Von dieser Theorie ausgehend, werden die wahren Konfliktursachen ebenso ignoriert, wie auch die wahren Gründe für die Eskalation dieser Konflikte, und stattdessen eine vermeintlich unkomplizierte Lösung in Form der Aberziehung jeglichen "wir gegen andere"-Denkens verlangt.

Ob dies nun aus tatsächlicher Überzeugung vom Gelingen geschieht, als Strategie des Ablenkens, oder zur Durchsetzung eigener politischer Überzeugungen dient, es widerspricht den meinen, und ist mMn auch nicht umsetzbar, wenn nicht sogar schädlich.

"Was immer eine Gruppe an Gutem oder Wertvollem besitzt, wird als eine Art Privileg betrachtet, das automatisch als Unterdrückungsfaktor gegen all jene wirkt, die diese Sache nicht haben.", aus https://www.nzz.ch/feuilleton/was-amerikas-einheit-untergraebt-ld.1407532

Mal abgesehen davon, daß jegliche staatlichen "Umerziehungsversuche" bei mir einen automatischen Abwehrreflex auslösen, ist es der obrigheitliche Gleichmachungsgedanke hinter dieser Theorie, der Richtung verganger kommunistischer Zeiten deutet, und mir daher aufstößt.

Kleiner Tip, warum diese Staatsform größtenteils der Vergangenheit angehört;

Wenn alles allen gemeinsam gehört, so gehört nichts jemandem allein, und es fühlt sich auch niemand für das Gemeineigentum verantwortlich. Die Ausnahmen, welche es dennoch tun, werden irgendwann resignieren, weil der, welcher arbeitetet, eben der "Depp" ist.

Und natürlich gab es auch den Fakt, daß auch in dieser Staatsform manche "gleicher" waren, als alle anderen, was dem ursprünglichen Gedanken zuwiederlief, und die allgemeine Resignation, Korruption und Dieberei noch verstärkte.

Der Rest ist Geschichte.

Außerdem ist "wir gegen andere" ein Fakt des Lebens, und der Versuch, diesen gesellschaftlich zu ächten, führt nur dazu, daß man sich weniger mit gewaltfreier Konfliktlösung beschäftigt, und sogar althergebrachte Techniken in diesem Bereich wieder verloren gehen.

Bei der Geburt steht der Mensch erst einmal als einsames "ich" gegen eine ganze Welt von "anderem".

Zu diesem "ich" kommt dann die Mutter dazu, und es ensteht das erste "wir" gegen "andere".

Es folgen Vater und eventuelle Geschwister, und bildet die Familie als "wir gegen andere".

Je nach Veranlagung (extro-, oder introvertiert) und Sozialisation werden dann Kitafreunde/-bekannte, Schulfreunde, entferntere Verwandte, etc. zum "wir" hinzugefügt.

Der Grad der Zugehörigtkeit zu diesem "wir" gilt nicht für alle gleich, aber eine gute Sozialisation sollte dazu führen, daß dieses "wir" irgendwann das lokale Gemeinwesen/Stadt, das Land/Volk, und schließlich auch die Welt/Menschheit, mehr oder weniger, mit einschließt.

Während das "wir" langsam wächst, lernt man gleichzeitig "andere" direkt kennen, oder auch nur über "andere", erlebt direkte Konflikte mit "anderen", oder lernt auch nur über solche, und lernt dabei auch Regeln und Techniken der Konfliktlösung, entweder aus eigener Erfahrung, oder aus der Erfahrung der tausende Vorgängergenerationen.

Dieser langsame Wachtums- und Lernprozess wird übergangen, wenn stattdessen von Beginn an ein globales, künstliches, "wir" indoktriniert werden soll.

Die "Regeln und Techniken der Konfliktlösung" werden nicht mehr im richtigen Sinne erlernt, und wenn dann die Realität des Lebens eben doch auch mit "anderen" konfrontiert, können eventuelle Konflikte wegen Mangel an Erfahrung eskalieren.

Zudem führt mMn dieser Sprung, direkt zum globalen, künstlichen, "wir", dazu, daß Bindung und Verständnis für dieses "wir" eher oberflächlich und künstlich sind.

Es werden die richtigen Worte gesagt, und die Haltungs-Show stimmt ebenfalls, aber keiner fühlt sich verantwortlich, und die Einzeltaten widersprechen.

Gesamtgesellschaftlich, oder gar menschheitlich, und über Dekaden, kann dies zu erheblichen Problemen führen, wenn es dies nicht schon jetzt im Augenblick tut.

Natürlich kann es sein, daß ich da zuviel hineindeute in diese "wir gegen andere"-Theorie, aber dann würde ich vorschlagen, nicht mehr den Begriff "wir gegen andere" zu benutzen, weil er doch zu allgemein ist.

Das, was man mit dieser vermeintlichen "wir gegen andere"-Ideologie erklären will, hat seine Ursache eher in einer "wir über andere"-Haltung.

Der Kampf gegen diese Überlegenheits- und Anspruchshaltung wird durch politisch motivierte logische Fehlleistungen der entsprechenden Wissenschaften eher hintertrieben, denn vorangebracht.

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