BP-Wahlkampf 3.0: Jetzt noch drastischer mit Dreck!

Angekündigt war die Urteilsbekanntgabe des Verfassungsgerichtshofs für Freitag, den 1. Juli 2016 gegen Mittag. - Für Hofer-Fans vom Format einer „Michaela Jaskova“ kein Hinderungsgrund, nicht schon Tage zuvor mit dem erneuten Wahlkampf für ihren Favoriten zu beginnen. Doch diesmal geht's ohne Umschweife mit drastischen Erfindungen gleich in Vollen damit, gezielte Falschmeldungen in Umlauf zu bringen. – Und war es bei der Erstauflage der Wahl schon verbreitet, Van der Bellen weniger auf sachlicher oder politischer Ebene sondern mit Ageism und freien Erfindungen (z.B. er wolle die Scharia einführen) zu beschmutzen, so wurden diese unlauteren PR-Techniken nun um eine Facette ‚bereichert’.

Und so macht derzeit ein gefälschtes Schreiben an das „Bezirksgericht Innere Stadt, 1030 Wien“ im Internet die Runde, in der die „Sachwalterschaft für Dr. Alexander van der Bellen“ angeregt werden soll. Der Grund – so wird im Fake-Scheiben mit täuschend echt nachgeahmten Eingangsstempel des Bezirksgerichtes erklärt – wäre, dass der Betreffende an einer Demenzkrankheit leide und „nicht mehr in der Lage“ wäre „alle Angelegenheiten des täglichen Lebens zu erledigen und allein durchzuführen“. Dem nicht genug, leide der Bundespräsidentschaftskanditat und „Kettenraucher“ an schweren „Lungenkrebs“, dessen „Metastasen [sich] schon in zahlreichen Körperteilen“ ausgebreitet hätten, weshalb er sich derzeit in einer „chemotherapeutischen Behandlung in der Privatklinik Rudolfinerhaus 1190 Wien“ unterziehen müsse.

Und obwohl Van der Bellen bereits reagierte und die bösartige Erfindungen über Krankheiten von sich wies, bleibt eines gewiss:

Von Dreck bleibt stets ein wenig haften

Während also unsereins solchen hinterfotzigen Methoden gegenüber wohl Gedanken wie ‚Widerwärtige Lügenkampagne’ in den Sinn kommen und der Standard mit viralem „Dirty Campaigning“ die Sache beim fast verharmlosenden Namen nennt, wissen versierte FalschmeldungsproduzentInnen sehr genau, wie die verbreiteten „Irgendwas wird schon d’ran sein“-Mentalitäten mit gezielten Täuschungskampagnen zu manipulieren sind. Bei der infamen Technik den politischen Gegner als 'Todgeweihten' zu erlügen, ist der Punkt, auf den diese abzielt auch leicht ersichtlich: Es geht um Beschädigung - wenn nicht um Vernichtung mit jedem noch so schäbigem Mittel.

Das Paradoxe daran ist: Dass von noch so piätetlosen und infamen Lügen bei Falschmeldungsanfälligen stets etwas hängen bleibt. Umso mehr, wenn Lügen und Gerüchte konzertiert und durch mehrere Medien publiziert werden und Vorurteile von LeserInnen-Gruppen ‚zu bestätigen’ scheinen. – Aber auch eher kritische Fake-RezipientInnen können sich der Wirkung von Lügen oft nicht entziehen. Vor allem dann, wenn sie meinen sie wären ganz ausgefuchst, wenn sie ‚die Wahrheit’ nach der Daumen-mal-Pi-Regel ‚irgendwo in der Mitte’ – also zwischen bösartig motivierten Fiktionen und Realität – antreffen würden.

Zwischen Fakten und Fiktionen gibt es keine 'Wahrheit'

Doch zwischen Lüge und Realität, zwischen wahr und falsch – in diesem Fall zwischen "krebskrank" und "gesund" – gibt es keinen Mittelweg, auf dem die ‚Wahrheit’ einer ‚halben Krebserkrankung’ zu finden wäre. Ebensowenig wie es zwischen erfundener ‚Billafilialen-Plünderung’ und ‚normalem Billa-Einkaufstag’ oder zwischen dem Mumpitz ‚VdB wolle die Scharia in Österreich einführen und das Land mit Flüchtlingen fluten’ und ‚VdB will das nicht’ keine Wahrheit im 'Dazwischen' zu finden gibt.

Der Versuch die Wahrheit zu finden, indem man einer Lüge auf halben Weg entgegenkommt, führt also bestenfalls zu rigorosem Selbstbetrug, Verunsicherung und nachhaltigen negativen Grundgefühlen. Letztere erhöhen – genau wie von Dreck-Urhebern erwünscht – nicht nur die virale Verbreitung ihres Drecks im Internet sondern auch das allgemeine Anfälligkeitsrisiko, der nächsten haarsträubenden Falschmeldung ein wenig mehr Glauben zu schenken. Allgemeine Verunsicherung, Zweifel und das Erzeugen von negativen Gefühlen sind folglich die primären Ziele von Falschmeldungen. Womit wir auch schon bei jener Zweck-Effektivität von gezielt gestreuten Lügen angekommen wären, und das genauso, wie sie in manipulierender Absicht von Dreck-Erfindern beabsichtigt wurde.

pixabay

Und so kommt es wie so oft: Die Fakemeldungen finden epidemisch rasante Verbreitung, die Richtigstellungen jedoch nicht. U.a. auch deshalb, da Letztere die Meinung der Fake-Sharenden und -Likenden nicht bestätigen sondern enttäuschen. Und Meldungen, die die eigenen Ansichten nicht vertreten teilt man doch nicht gern.

Falschmeldungsstreuung als miese und effektive Technik

Problematischerweise zählt das bewusste Streuen von Falschmeldungen wie das Teilen von manipuliertem Bildmaterial leider auch zum Stoff aus dem die kritikwürdige PR-Praxis der FPÖ besteht, wie der Parteiobmann selbst in seiner FB-Chronik immer wieder aufs Neue unter Beweis stellt. Falschmeldungen über vermeintliche schwarze Blocks in Wien oder einen vermeintlichen IS-Terroristen in Österreich geben traurige Auskunft über das zweifelhafte Wahrheitsverständnis des freiheitlichen Obmanns und seiner Partei.

Und wäre obige Krebs- und Demenz-Fabulierung nun bloß irgendeine von derzeit tausenden kursierenden Fakemeldungen im Internet, so wäre sie nicht der Rede und schon gar keinen Blog wert. Leider ist dem aber nicht so. Denn die Nachricht erschien - offenbar ausgehend von Frau "Jaskova" - am 27.6.2016 als Aufmacher der News-Seite von ‚Politically Inkorrect’ (pi-news), dem mittlerweile größten deutschsprachigen Agitationsblog für rechte und rechtsextreme Gesinnung, der nach eigenen Angaben täglich an die 100.000 BesucherInnen verzeichnet. (Die Seriosität von pi-news ist insofern leicht erklärt, als der Blog kein rechtlich notwendiges Impressum dafür aber AutorInnen aufweist, die verschleiert hinter Pseudonymen oft haarsträubende Medienenten publizieren und damit meist mehrere höchst zweifelhafte Agitationsmedien beliefern.)

Demgemäß hörte sich die Falschmeldung auf pi-news auch bar jeder journalistischen Sorgfalt so an: „In einem Schreiben an alle österreichischen Parlamentsklubs, das PI exklusiv vorliegt, wurde bekannt, dass beim zuständigen Bezirksgericht in Wien am 24. März 2016 die Anregung auf Sachwalterschaft (…) eingebracht worden ist. (…)“ – Von dort ausgehend verbreitete sie sich wie ein Lauffeuer auf Facebook und auf der ebenso ‚vor Seriosität strotzenden’ Site Hartgeld.com.

Besondere Verdienste in der Genese und Verbreitung dieses geschmacklosen Fakes auf Facebook leistete – wie die Grüne Bildungswerkstatt und der Dahamist recherchierten – eine vermeintliche Frau „Michaela Jaskova“. Ihr FB-Profil fällt vor allem dadurch auf, dass sie auf ihrem Profil-Foto verklärt an Irgendetwas rumlutscht, die EU untergehen sehen will und als junge - in der Gegend Gyor-Moson-Sopron wohnende - Ungarin keine ungarischen Freunde hat. Dafür pflegt sie aber Freundschaftsverhältnisse zu FP-Granden wie Barbara Rosenkranz und Martin Graf. Ungewöhnlich auch ihre Zuneigung zu rechtsrandigen FB-Gruppen wie ‚NPÖ’ (Nationale Partei Österreichs, dem ‚Club 3 Kornblume Österreich’ und ihre positive Bewertung der schlagenden deutschnationalen Burschenschaft ‚Bruna Sudetia’, die in 60-köpfigen Reisegruppen deutsche Pegida-Demos verstärkte.

Doch wie so oft steckt hinter somanchen Profil einer vermeintlichen Sexy-Hexy ein älterer Mann, der damit eigene Interessen verfolgt. Im diesem Fall ist es laut ‚Dahamist’ der ehemaliger FPÖ-Gemeindrat und BZÖ-Funktionär Horst Ruhdorfer, der vorgibt eine junge Frau namens "Jaskova" zu sein. Und der den BP-Wahlkampf 3.0 gleich mal auf einem nach Sommermüll stinkenden Krebslügen-Niveau einleitet.

Angesichts der Tatsache, dass die Neuauflage des Urnengangs erst im September stattfindet, ist mit nachfolgenden sommerlochfüllenden Dreck-Ausschüttungen zu rechnen. Denn schließlich soll ja an allen bereits Verunsicherten flächendeckend ein bisschen Dreck haften bleiben. - In diesem Sinne: Lasst Euch keinen Drecksbären aufbinden sondern besorgt Euch eine High-Tec-Wetterhexe für die Synapsen und das Gemüt, denn wenn das schon so übel anfängt, kann das kann ja wohl nur noch Eiter werden.

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