Hass – Macht – Gewalt. – Und jetzt „Schluss damit!“

Anfangs dachte man, es wäre eine Randerscheinung und es wären doch nur ein paar fehlgeleitete Freizeitnazis oder Jugendliche, die Gewaltphantasien, Mordlüste und Vergewaltigungsempfehlungen öffentlich im Internet publizierten. ‚Hass im Netz’ ist jedoch schon lange keine Randerscheinung einiger Weniger im Internet, sondern eine gefährliche und virulente Infektion, die auf ihrem Weg zur Mitte der Gesellschaft täglich neue – wenn auch anfangs subtilere und scheinbar gemäßigte – Anhängerinnen findet. Leider lässt sich dieses Phänomen im bereits übertragenen Sinne auch bei realen Brandstiftungen und Gewalthandlungen ablesen, bei denen die Täter zunehmend unbescholtene 'Durchschnittsbürger' sind.

Vor diesem sich mehr und mehr verrohenden und alle Hemmungen verlierenden gesellschaftlichen Background wird auf der Strache-Facebook-Chronik schon mal empfohlen, einen (Kanzler) Kern mit einem „Stein aufzuschlagen“, mit „einer schnellen Kugel“ oder „9mm“ niederzustrecken oder Flüchtlinge zu „erschießen und vergasen“. – Vor diesem Background werden lynchlüstern Galgen gebastelt, die für Merkel und Gabriel bestimmt sind. – Vor diesem Background werden Frauen (leider auch auf der FuF-Plattform) beschimpft. Wohingegen Schwule und Lesben öffentlich als „Parasiten“ bezeichnet werden, um deren „unnützes“ Dasein das Volk bereinigt werden müsse. – Doch auch wenn Beiträge wie diese meist von den Redaktionen gelöscht werden, sie wirken in der Nanosekundenzeit des Internets dennoch verheerend.

Hass und berstend überhöhte Feindbilder finden so allerorts im Netz eine große Öffentlichkeit, Verbreitung wie auch virulente Nachahmung. Denn als 'mutig' und 'ehrlich' gilt der teils unter Pseudonym teils unter Klarnahmen veröffentlichte Hass wie entfesselte Gefühle des Zorns, die im realen Leben unter schlechtes und untragbares Benehmen fallen. Und so ergießen sich täglich unzählige Tiraden und Generalvorwürfe gegen „die Linken“, gegen die „Griechenschlampe“ der rotgrünen Stadtregierung, gegen die Regierung, gegen den Rotfunk, gegen moslemische Flüchtlinge und den Islam, gegen vermeintliche „Gutmenschen“ und „Toleranzfaschisten“, gegen „Femnazis“ u.v.a. – Und das in schier unendlichen Dauerwiederholungsschleifen.

So das Phänomen leider auch vor FuF nicht Halt macht, liest sich die Headline-Liste der Jetzt-Ich-Blogs manchmal wie eine Ansammlung von in Worten gefasster vergiftender Negativität, wenn mehrere Wut-Blogs unterschiedlicher Autoren chronologisch hintereinander veröffentlicht werden.

Virulent wie sich die fallenden Aggressionshemmungen, der Negativitätstrieb wie auch von Zorn getriebene Gewaltrhetorik ausbreiten, sind sie derzeit auf allen Social Media Plattformen anzutreffen, wo sie die jeweiligen Diskurs-Athmosphären mit pessimistischer „Aggro-Manie“ vergiften. Auch: Wo sie Grenzen von Tag zu Tag mehr überschreiten, sodass wir uns langsam schon fast daran gewöhnen, wenn wir aus der untersten Schublade heraus ordinär beschimpft werden oder, - wie mir erst kürzlich auf FB gewunschen wurde, - wenn „Leute wie ich“ mit dem „Kopf voran doch in eine Kreissäge laufen“ sollen.

Und musste man als Frau, die Meinungen widerspricht in den letzten 2- 3 Jahren durchaus auf Facebook mal hinnehmen als ‚linke Drecksschlampe’ beschimpft zu werden, so hat sich das wachsende Hate-Problem seit Köln verschärft. Denn wer jetzt als Frau gegen die heuchlerische Vereinnahmungen durch rechte Gruppierungen und selbsternannte Frauenschützer argumentiert, die kann sich durchaus schnell mal anhören, dass sie dringend „von Muselmännern“ oder einer Gruppe von „Afghanern“ vergewaltigt“ werden sollte oder „unbefriedigt“ und „verhärmt“ wohl „scharf“ auf einen ordentlichen „Negerschwanz“ wäre.

Frauen, die sich in der Öffentlichkeit bewegen – wie zB Journalistinnen, Politikerinnen oder auch Künstlerinnen – werden überdies nicht nur zur Projektionsfläche gewalttätiger Aggressionsphantasien sondern auch zur Zielscheibe von sexuellen Gewaltprojektionen und verächtlicher Obszönitäten. Und das auch in Privatnachrichten. Denn so erhielt eine in der Öffentlichkeit stehende FB-Freundin von mir vor einiger Zeit eine private Mail einer Patriotentruppe, nach derer sie mit einem Kopfschuss und danach mit dem Verbrennen ihrer nackten Leiche in der Öffentlichkeit rechnen solle.

Das paradoxe daran: Während man sich über vermeintlich 'nur von Ausländern bzw. Zuwanderern' ausgehende sexuelle Gewalt empört, wird gerade bei Frauen versucht, ihnen die eigene generalisierende Meinung mittels sexueller Bedrohung aufzuzwingen; - ihnen die Alleingültigkeit des eigenen - meist rassistischen - Standpunkts quasi mit sexualisierter Rhetorik gewaltsam in den Leib hinein zu ‚vögeln’ bzw. hinein zu „vergewaltigen“.

Nachdem wir alle nun viel zu lange – teils passiv, teils resigniert, teils rhetorisch dagegenhaltend – dabei zusehen, wie Hass- und Gewaltsprache täglich anwachsen, reicht es jetzt mal endgültig damit. Genug ist genug! Genug mit dem Hass, genug mit Kampfbegriffen und Beschimpfungen und genug mit sexualisierter Gewalt und Gewaltandrohungen!

Wer ebenso wie ich die Nase von all der Negativität, von all dem Zorn und dem Hass gestrichen voll hat, kann sofort schon mit dem nächsten Kommentar damit beginnen, dieser Hassausbreitung einen Riegel vorzuschieben und zu zeigen, dass man – ungeachtet der eigenen Geschlechtsidentität – Teil einer Gesellschaft sein möchte, die das NICHT toleriert und die NICHT darüber hinweg sieht oder es gar noch verharmlost.

Auch kann man und frau sich dem „#solidaritystorm: Wir stehen hinter euch!“ der Plattform #aufstehen mit einer Unterschrift anschließen, die angesichts der zunehmenden sexualisierten Hass-Gewalt gegenüber Journalistinnen eine Petition - aufstehn.at/solidaritystorm - mit folgenden Text ins Leben rief:

https://actions.aufstehn.at/solidaritystorm?s=mainaction

Corinna Milborn (Puls 4), Ingrid Thurnher (ORF), Hanna Herbst (Vice) und Barbara Kaufmann (freie Journalistin) reicht es. Sie sprechen offen über die Hassbotschaften, die Drohungen und die sexualisierte Gewalt, die sie über sich ergehen lassen müssen, wenn sie öffentlich ihre Meinung sagen.

Sie thematisieren das, was Journalistinnen, Aktivistinnen, Managerinnen, Politikerinnen und anderen Frauen tagtäglich widerfährt. Wer heutzutage als Frau aufsteht, muss fast schon damit rechnen, angegriffen zu werden. Viele Frauen reden nicht gerne darüber, wenn sie bedroht werden. Sie wollen stark bleiben, nicht verletzlich wirken. Sie wollen nicht gesagt bekommen, sie sollen halt den Mund nicht so weit aufreißen, wenn sie es nicht ertragen können, beschimpft zu werden.

Umso mutiger ist es, sich hinzustellen und öffentlich zu sagen “Es reicht”. Stärken wir gemeinsam den Betroffenen den Rücken. Ganz egal ob selbst betroffen oder nicht, egal ob Frau oder Mann – zeigen wir, wer wir sind: Eine Gesellschaft, die stolz auf diese couragierten Frauen ist und die sexualisierte Gewalt nicht toleriert!

Schließ’ dich jetzt unserer Solidaritätserklärung an!

Bringen wir also bitte konstruktive und positive Dinge in Bewegung. Denn mit Hass, Verachtung, Negativität und sexualisierter Gewalt- wie -rhetorik reicht's jetzt wirklich und endgültig!

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zeyda

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