Boboismus wurde ministrabel

Heissa, dem österreichischen Justizminister ist wieder ein Coup gelungen:

Marokko verhandelt über die Aufnahme von Marokkanern, die in Österreich zu einer unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt werden.

Und damit das Gesicht gewahrt wird, wird auch Österreich Österreicher, die in Marokko zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, aufnehmen.

Die Details werden noch in den folgenden Monaten ausverhandelt.

Feststeht schon jetzt: Gefangene werden in ihre Heimat zur Verbüßung der Haftstrafe nur dann abgeschoben, wenn sie zustimmen.

Und damit die Gefangenen mit den Haftbedingungen in marokkanischen Gefängnissen auch sicher zufrieden sein können, werden österreichische Delegationen vor Ort überprüfen, ob die Haftbedingungen auch annehmbar sind.

Vermutlich werden - wie für Urlaubsziele - Werbefolders verteilt werden, um den Aufenthalt im heimatlichen Gefängnis schmackhaft zu machen. Vielleicht wird der Minister einmal eine Delegation persönlich begleiten, um im Namen der Republik Österreich Gefangenen mediengerecht einen "Fitnessraum" zu übergeben, um ihnen ihre Resozialisierung zu erleichtern.

Dem gegenüber stelle ich nun die staatliche Überwachung der Unterbringung der abgenommenen Kinder.

Bekannt wurde der "Fall" Chantal.

Ich könnte nun meinen Unmut rauslassen. Das wäre allerdings sinnlos.

Leserinnen, die verstehen wollen, wissen, was gemeint ist, und Leser, denen sinnerfassend Lesen nicht möglich ist, werden nie begreifen, worum es geht.

Daher genügt:

Chantals Pflegeeltern bekamen Bewährungsstrafen:

Chantals Pflegevater 12 Monate

Chantals Pflegemutter 8 Monate

In memoriam Chantal

In memoriam der Rechtsstaatlichkeit

In memoriam der Menschlichkeit

In memoriam der Vernunft

Dass staatliche Stellen negativ auf Kritik reagieren, liegt in der Natur der Sache. Niemand will als Depp dastehen; und schon gar nicht als ein böser Depp.

Und alle wollen ihre wohl erworbenen Pfründe sichern, erhalten und ausbauen.

Ein markantes Kennzeichen der Bobo-Bewegung ist jeglicher Realitätsverlust. Vielleicht ist dies ein allgemeiner Trend: Die Wirklichkeit ist viel zu schwarz. Scheiß auf die Wirklichkeit. Sprich über das Schöne. Das Gute. Das Edle.

Die Politik spricht von Werten, die Verwaltung spricht von Effizienz und die Justiz von Rechtsstaatlichkeit. Und dabei wird immer häufiger die Rechtsstaatlichkeit missbraucht, um mit Effizienz noch verbliebene Werte zu kontaminieren.

Und darum "schafft" ein Minister wieder einmal den Spagat zwischen zwei sich aufhebenden Forderungen:

1) Viele Wähler wollen, dass ausländische Gefangene in ihre Heimatländer abgeschoben werden.

2) Viele Wähler wollen, dass ausländische Gefangene NICHT in ihre Heimatländer abgeschoben werden.

Die arrogante Ignoranz hat wieder "gesiegt": Aus einem auf die Schnelle nicht lösbaren Problemkreis wird ein unwichtiger Teil herausgepickt. Dieser wird nicht nach den realen Erfordernissen behandelt, sondern nach dem Prinzip: Edel sei der Mensch. Wobei das Edelsein nach dem Maßstab eines Moralmonopolismus, dessen Hinterfragen rechtsradikal ist, determiniert wird.

Und daher sorgt sich der Boboismus mehr um die Bedingungen, die marokkanische Strafgefangene in Marokko vorfinden könnten, als über Zustände, die abgenommene Kinder in europäischen Heimen oder Pflegefamilien vorfinden.

4
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

vera.schmidt

vera.schmidt bewertete diesen Eintrag 24.10.2017 13:52:28

Markus Andel

Markus Andel bewertete diesen Eintrag 24.10.2017 11:08:43

Gerhard Neuwirth

Gerhard Neuwirth bewertete diesen Eintrag 24.10.2017 10:58:18

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 24.10.2017 10:07:02

7 Kommentare

Mehr von gerardhos