Heute.at schreibt heute auch über Fellnerjournalismus

Und zwar über "die wunderbare Geldvermehrung" durch Inseratenschaltungen der Regierung.

Das finde ich löblich. Nicht das Inseratenschalten, sondern dessen Kritik.

Obwohl, wenn ich so in der Heute blättere, stoße ich auch auf ein Inserat über eine ganze Seite, in dem das Finanzministerium den automatischen Jahresausgleich - der, wie der Name sagt, automatisch vor sich geht - bejubelt. Die Folgen hätte der Steuerzahler auch ohne das Inserat bemerkt. Aber vielleicht nicht so nachhaltig. Und auf keinen Fall vor dem 15.10.

Sei`s wie es sei, in der Heute fanden sich heute 2 Artikeln in unmittelbarer Nachbarschaft, die über den Unmut der Wähler, dessen Folgen gestern vielfach gerügt wurden, Auskunft geben könnten:

Fall 1: "Strafe trotz Ticket: "Reine Abzocke der Schüler"

Tochter Vanessa besitzt ein Öffi-Jugendticket, hat jedoch noch keinen gültigen Schülerausweis. Darum bekam sie eine Strafe. Mutter Silvia schäumt vor Wut."

und

Fall 2: "Keine Sozialhilfe: Mann verstopft Toiletten an A1

Weil er keine Mindestsicherung bekam, nahm ein 59-Jähriger Rache an den Behörden und verstopfte serienweise Klos an der Westautobahn (A1)."

Fall 1: Hier wird ein Opfer der versagenden Verwaltung bestraft. So chaotisch, wie sich heuer das Schuljahr angelassen hat, soll es noch nie gewesen sein. Die Schulen werden alleine gelassen. Nichts funktioniert. Ein sinnvolles Arbeiten innerhalb der Rahmenbedingungen wird immer unmöglicher.

Fazit: Das Opfer zahlt (weil die Eltern Geld haben und zahlen können)

Fall 2: Hier wird einer zum Täter, weil er sich nicht holen konnte, was ihm (seiner Meinung nach) zusteht. Er richtet einen Schaden von Euro 10.000,-- an.

Und das Gericht ist milde:

"Der Richter ließ Milde walten – stellte das Verfahren im Rahmen einer Diversion ein (Probezeit zwei Jahre). Und: 2.000 Euro muss der Angeklagte in der nächsten Zeit als Schadenswiedergutmachung zahlen."

Fazit: Wenn man dieses Urteil kritisiert, ist man rechtsradikal und kommt in den Verdacht, ein Reichsbürger zu sein, der nicht die Ordnung des Staates akzeptiert. Welche Ordnung?

Die beiden Ereignisse sind mM auch deshalb aussagekräftig, weil in ihnen kein Flüchtling vorkommt.

Europa braucht keine Flüchtlinge, um sein selbst inszeniertes Chaos zu festigen. Flüchtlinge verstärken es vielleicht. Aber kein Flüchtling (oder nur sehr, sehr wenige) kam nach Europa, um Chaos zu stiften. Das bleibt die Domäne der Regierungen.

Der Frust, der das Pendel nach rechts ausschlagen lässt, ist verständlich. Es ist diese abgehobene Politik, deren Reden man mit offenem Mund verfolgt. Man wird in eine fantastische Märchenwelt geführt, in dem es nur vereinzelte Probleme gibt, deren Lösung aber schon greifbar ist.

Und man fragt sich unwillkürlich, wo liegt dieses Deutschland, dieses Österreich oder dieses Frankreich, von dem Merkel, Kern oder Macron reden. Und wie kommt man dort hin?

Sind das Fantasiewelten? Wie in Endes "Die unendliche Geschichte"?

Endes Fantasiewelt löst sich auf, weil der Glaube abhandengekommen ist.

Unsere Welt löst sich auch auf. Glaube allein wird da nichts ändern.

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Gerhard Neuwirth

Gerhard Neuwirth bewertete diesen Eintrag 25.09.2017 12:46:01

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