Während die letzten Aufrechten

in Charlottesville oder in Hamburg für den Erhalt der Demokratie kämpfen, halten es immer mehr für besser, diesmal nicht mehr zur Wahl zu gehen: Es gebe ja doch keine Alternative.

Was wird in 300 oder 400 Jahren über das späte 20. und frühe 21. Jahrhundert in den Schulbüchern stehen? Wahrscheinlich nichts, denn in 300 oder 400 Jahren wird es keine Schulbücher mehr geben. Möglicherweise wird die Menschheit ihre Gedanken der Nachwelt wieder mit Felsritzungen mitteilen.

Der Traum der Menschheit, in 300 oder 400 Jahren über heute nicht einmal vorstellbare Lern-Methoden zu verfügen, wird nicht an den technischen Möglichkeiten scheitern. Er wird an den menschlichen Möglichkeiten scheitern.

Diese etwas naiven Zeilen kamen mir unlängst in den Sinn. Ein guter Bekannter hatte Besuch eines Freundes aus dem hohen Norden. Beide haben ein aufregendes Leben "hinter" sich. 1980 flüchteten sie aus Persien. Sie verwurzelten sich in Europa. Als ich sie fragte, worüber sie sich am häufigsten unterhielten, meinten sie, über die "Fehler, die sie damals gemacht hätten". Über die Fehler, ihre Heimat, der eine gesicherte Zukunft bevorstand, die erstmals seit langem wieder über ihre eigenen Bodenschätze verfügte, in die alleinige Verfügungsmacht von Fanatikern gleiten zu lassen. Sie, die wegen ihrer Einstellung und ihres Auftretens um ihr Leben fürchten mussten, deren Verwandte, die sie lange nicht besuchen durften, in Geiselhaft gehalten wurden, überlegten, was sie falsch gemacht hätten.

An diesem Abend blieb ich schweigsamer als üblich.

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Leela Bird

Leela Bird bewertete diesen Eintrag 13.08.2017 10:50:06

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