Jeder der mich kennt, weiss wie ich über Wokeness, Gendern und Political Korrektheit denke. Ups, aber nicht hier, da mich hier niemand wirklich kennt.

Egal, ich erzähle es euch: Die Deutsche Sprache hat viel zu bieten und ist erstaunlich präzise – das macht sie so attraktiv und lesenswert. Das lässt die Denker unter den Akademikern weiterhin beim Studenten bleiben, da diese Genus und Sexus zu unterscheiden wissen. Ebenso weiß der klare Denker das Partizip Präsens einzuordnen, kennt den Unterschied zwischen Adjektiv und Nomen und weiß diese Bausteine der Deutschen Sprache in erster Linie sinnvoll einzusetzen. Wenn jemand seine Sprache verhunzen möchte, dann darf er das, er ist schließlich frei. Wenn er exakt das aber nicht möchte, aus welchem Grund auch immer, dann steht ihm das ebenso zu. Dann darf er ganz frei nach alter Schule klassisch formulieren und schreiben.

Da ist es schön, auch jedes Opus in egal welcher Sprache exakt so zu lesen und zu vervielfältigen, wie es der Autor formuliert hatte. Kein Mensch käme – bis dato, wer weiß – auf die Idee, ein Gemälde umzumalen oder zu modifizieren, weil es nicht mehr in den Zeitgeist passt. Es ist ja erfreulicherweise jedem selbst überlassen, ob ihm das Kunstwerk gefällt oder nicht. Sei es in toto oder in Teilaspekten. Auch abhängen muss es keiner, lediglich diskutieren kann man es, wie alles auf der Welt. Wenn also jemand sich nicht beflissen fühlt, -innen oder Sternchen oder andere Sprachverhunzung hintenraus einzusetzen, dann ist das sein gutes Recht. Wer in neuester Zeit versucht hat, ein Buch zu lesen, welches den Sprach-Sheriffs zum Opfer gefallen ist, dem pflichte ich jetzt schon mein Beileid. Texte werden unlesbar und dadurch unbrauchbar. Und wieder zwingt eine kleine Minderheit der Mehrheit ihre Wünsche auf. Was sind wir froh, Teil der Wissenschaft zu sein, frei denken und damit formulieren zu dürfen.

Die Bayern in all ihren positiven wie weniger positiven Aspekten und die benachbarten Österreicher, auch diese in all ihren Facetten, pflegen seit Jahrhunderten eine innige Hass-Liebe. Es ist eine wahre Freude, daraus Amüsement und humoristisches Kapital zu schlagen. Da wird gewitzelt, gefrotzelt und offen beleidigt. Was ist das Schöne an Bayern? Man ist nicht mehr in Österreich und noch nicht in Deutschland. Darüber kann man lachen, darüber kann man nachdenken und man kann sich daran erfreuen, dass Bruno Kreisky es so fesch auf den Punkt formuliert hat. Er grenzt aus, er vergleicht, er stellt gegenüber und vor allem: Er lässt Interpretationsspielraum. Jeder kann seinen Satz so verstehen, wie er möchte, und dabei werden immer mindestens einer, wenn nicht gar zwei, der Landstriche satt beleidigt. Das ist das Schönste, wenn man hier im Süden aufwächst, man darf sich viel anhören und lernt es, Opfer von Humor zu sein. Und der ist meist exakt dann am besten, wenn er subtil gehässig und vor allem ausgrenzend ist. Ja, das gehört dazu und das befreit.

Wie viele Szenen und Szenarien der Welt ertragen sich so viel besser, erleben sich so viel freier, wenn unkorrekter und vor allem unzensierter Humor diese garniert. Die Gnade der frühen Geburt ermöglichte es einer ganzen Generation mit einem einzigartigen Magazin wie MAD und später dann von Harald Schmidt erzogen und sozialisiert zu werden.

In den frühen Phasen am schönsten, als quasi alles sich an Randgruppen orientierte und abarbeitete. Heute undenkbar, aber halt auch, und das ist das Schönste: nicht mehr wegzudenken. Dieser Humor der alten Schule ist da, er wird gepflegt und auch tradiert, also weitergegeben. Der intelligente Mensch möchte sich nicht reduzieren, in seinem Privatleben nichts vorschreiben lassen, der Ernst des Alltags verdient den Humor als Ventil. Ist es nicht schön zu wissen, dass jeder Mensch irgendwo und irgendwie eine Randgruppe ist?

Was wir daraus auch und als viel wichtigeren Aspekt lernen, ist damit zurechtzukommen, Ironie zu entwickeln und über uns selbst zu lachen. Und nicht so dünnhäutig zu reagieren wie manch öffentliche Persönlichkeiten mit Körpervolumen, die anscheinend zwar politisches Ansehen suchen, es sich jedoch verbitten, genauer physisch angesehen zu werden.

Wie schön waren die Zeiten übertriebener Fruchtgummis, bei denen die Ohren Genschers doppelt so groß wie ein Maßkrug und die Glatze Norbert Blüms weltkugel-voluminös dargestellt wurden. Da gab es abends Spitting Image und am Nockherberg wurde noch ironisch-intelligent gegen den Einzelnen geschossen, statt sich selbst zu belächeln.

Frantisek_Krejci/pixabay https://pixabay.com/de/photos/armut-schwarz-und-wei%c3%9f-emotion-4561704/

13
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

thurnhoferCC

thurnhoferCC bewertete diesen Eintrag 15.03.2024 10:17:01

hibou

hibou bewertete diesen Eintrag 15.03.2024 08:08:21

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 15.03.2024 07:20:23

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 15.03.2024 06:11:41

nzerr

nzerr bewertete diesen Eintrag 15.03.2024 06:04:08

gloriaviennae

gloriaviennae bewertete diesen Eintrag 14.03.2024 23:07:09

berridraun

berridraun bewertete diesen Eintrag 14.03.2024 19:01:08

Benni

Benni bewertete diesen Eintrag 14.03.2024 09:10:02

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 14.03.2024 08:25:46

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 14.03.2024 07:02:26

Hochwald

Hochwald bewertete diesen Eintrag 13.03.2024 21:55:15

trognon de pomme

trognon de pomme bewertete diesen Eintrag 13.03.2024 19:59:17

SusiK

SusiK bewertete diesen Eintrag 13.03.2024 19:29:48

41 Kommentare

Mehr von Graue-Eule