Für jene unter euch, die gefragt haben - hier ein kleiner Auszug aus seiner Familiengeschichte. Über seine Erfindungen kann man sich selbst erkundigen, das würde hier den Rahmen sprengen. Oder wer mehr wissen will – soll bitte recherchieren.

Der Vater des neuen Ankömmlings, Pastor der Dorfkirche, war ehemaliger Student einer Offiziersschule, der gegen die Einschränkungen des Armeelebens rebelliert und sich dem geistlichen Amt zugewendet hatte, das ihm einen befriedigenderen Ausdruck seiner Gedanken erlaubte. Die Mutter war, obwohl sie weder lesen noch schreiben konnte, eine intellektuell hervorragende Frau, die sich ohne die Hilfe von Büchern wirklich gut weiterbildete. Sowohl Vater als auch Mutter gaben an ihr Kind ein kulturelles Erbe weiter, das von Generationen von Vorfahren, die Führer ihrer Gemeinde gewesen waren, stammte. Der Vater kam aus einer Familie, die ihre Söhne zu gleichen Teilen zur Kirche und zur Armee schickte. Die Mutter war ein Mitglied der Mandich-Familie, deren Söhne über zahllose Generationen hinweg, mit sehr wenigen Ausnahmen, Pfarrer der serbisch-orthodoxen Kirche geworden waren, und deren Töchter von Pfarrern als Ehefrauen gewählt wurden.

Djouka, Nikola Teslas Mutter (ins Deutsche übersetzt lautete ihr Vorname Georgina), war die älteste Tochter von sieben Kindern. Ihr Vater, genauso wie ihr Ehemann, war ein Pfarrer der serbisch-orthodoxen Kirche. Ihre Mutter erblindete, nachdem sich ihr Augenlicht über eine Zeit hinweg verschlechtert hatte, kurz nach der Geburt ihres siebten Kindes; und so musste Djouka, die älteste Tochter, in jungen Jahren den Großteil der Pflichten ihrer Mutter übernehmen. Dies hielt sie nicht nur davon ab, zur Schule zu gehen, ihre Arbeit zu Hause nahm ihre gesamte Zeit in Anspruch, sodass sie nicht einmal in der Lage war, sich durch häusliches Lernen die Grundlagen des Lesens und Schreibens anzueignen. Dies war in der gebildeten Familie, der sie angehörte, eine außergewöhnliche Situation.

Tesla allerdings schrieb seiner ungebildeten Mutter und nicht seinem belesenen Vater zu, der Ursprung seiner erfinderischen Fähigkeiten gewesen zu sein. Sie entwickelte zahlreiche arbeitssparende Haushaltsgeräte. Außerdem war sie eine sehr praktische Person und ihr gut gebildeter Ehemann ließ klugerweise alle Geschäftsdinge bezüglich der Kirche und des Haushalts in ihren Händen. Ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis diente dieser bemerkenswerten Frau als guter Bildungsersatz. Wenn sich die Familie in gebildeten Kreisen bewegte, nahm sie viele der kulturellen Reichtümer der Gemeinschaft durch Zuhören auf.

Sie konnte tausende Verse der Poesie ihres Landes (die Sagen der Serben) ohne Fehler oder Auslassungen wiederholen und lange Bibelpassagen zitieren. Sie konnte aus dem Gedächtnis heraus das gesamte poetisch-philosophische Werk Gorski Vijenac (Der Bergkranz) von Fürstbischof Petar II. Petrovic-Njegos aufsagen. Sie hatte auch künstlerisches Talent und konnte dies, dank gewandter Fingerfertigkeit, auch ausdrücken. Für ihre schöne Handarbeit erlangte sie einen sehr guten Ruf auf dem Land. Tesla zufolge war ihre Fingerfertigkeit und Geduld so groß, dass sie mit über sechzig Jahren nur mit ihren Fingern einen dreifachen Knoten in eine Wimper knüpfen konnte. Die außerordentlichen Fähigkeiten dieser klugen Frau, die keine formelle Ausbildung genossen hatten, wurden an ihre fünf Kinder vererbt. Dane Tesla, der ältere Sohn, wurde sieben Jahre vor Nikola geboren und war aufgrund der Aussicht auf eine herausragende Karriere, die seine jugendliche Klugheit ihm voraussagte, der Familienliebling. In seinen jungen Jahren ließ er schon das erahnen, was bei seinem überlebenden Bruder ein Vorspiel von Größe war.

Teslas Vater begann seine Karriere im Militärdienst, eine naheliegende Wahl für den Sohn eines Offiziers; aber anscheinend erbte er nicht seines Vaters Gefallen am Armeeleben. Ein so nichtiger Vorfall, wie die Kritik, seine Messingknöpfe nicht aufpoliert zu haben, ließ ihn die Militärschule verlassen. Er war wahrscheinlich mehr ein Poet und Philosoph als ein Soldat. Er schrieb Gedichte, die in zeitgenössischen Zeitungen veröffentlicht wurden. Er schrieb ebenfalls Aufsätze über gegenwärtige Probleme, die er mit dem Pseudonym „Srbin Pravicich“ unterzeichnete. Dies ist Serbisch und bedeutet „Mann der Gerechtigkeit“.

Er sprach, las und schrieb Serbokroatisch, Deutsch und Italienisch. Es war wahrscheinlich sein Interesse an Poesie und Philosophie, das ihn zu Djouka Mandich hinzog. Sie war 25 und Milutin war zwei Jahre älter. Er heiratete sie im Jahre 1847. Die Anziehungskraft, die die Tochter eines Pastors auf ihn ausübte, beeinflusste wahrscheinlich seine spätere Karrierewahl, denn er trat dem geistlichen Amt bei und wurde bald zum Priester geweiht.

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