Bezogen auf meine letzten vier Beiträge, wird es Sie nicht groß überraschen, wenn ich Ihnen sage, dass die PKW-Produktion, der Flugverkehr und der Transport von Rohstoffen und Waren in diesem Jahrhundert ebenfalls signifikant zunehmen dürften.

Zunächst einmal werden in diesem Jahrhundert drei Mal mehr Autos vom Band rollen als im letzten. Auch der Weltweite Güter- und Personenverkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft wird voraussichtlich Jahr für Jahr weiter expandieren, um immer mehr Menschen und immer mehr von dem Zeug, das wir konsumieren wollen, rund um den Globus zu befördern.

All das wird uns vor erhebliche Probleme stellen: Die CO2-Emissionen werden zunehmen, es wird mehr Ruß geben, und durch den Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen, die es erst ermöglichen, dieses ganze Zeug herzustellen, werden mehr Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Und noch ein weiterer, vielleicht weniger offensichtlicher Aspekt: Indem wir uns und unsere Güter permanent kreuz und quer über den Globus transportieren, schaffen wir zugleich ein höchst effizientes Netzwerk für die weltweite Ausbreitung von potentiell tödlichen Krankheiten.

Von gerade einmal 95 Jahren ereignete sich eine globale Pandemie: die Spanische Grippe, der jüngsten Schätzungen zufolge 100 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Und damals war eine weitere unserer vielen fragwürdigen Innovationen noch gar nicht erfunden: die Billigfluglinien.

Wenn Millionen von Menschen Tag für Tag um die Welt reisen und Millionen von Menschen eng mit Schweinen und Hühnern zusammenleben, oft sogar in ein und denselben Raum, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuer Virus die Artenschranke zwischen Mensch und Tier überwindet und eine weltweite Pandemie auslöst, beträchtlich. Kein Wunder also, dass sich eine wachsende Anzahl von Epidemiologen gar nicht mehr fragt, ob es zu einer weiteren globalen Pandemie kommen wird, sondern lediglich, wann das passiert.

Dabei ist unser Energieproblem simpel.

Um unseren voraussichtlichen Bedarf zu decken, müssen wir die Menge der erzeugten Energie bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdreifachen – mindestens. Um das zu schaffen, müssen wir im Grunde einfach nur Folgendes tun: 1800 Staudämme bauen, die so groß sind wie die leistungsstärksten, die wir derzeit haben, 23.000 neue Atomkraftwerke ans Netzt nehmen, 14 Millionen Windräder aufstellen, 36 Milliarden Solarmodule installieren – oder einfach mit Öl, Kohle und Gas weitermachen und die 36.000 neuen Kraftwerke bauen, die wir dann benötigen werden

(Der Energiebedarf steigt nach wie vor rapide und wird in der Mitte des Jahrhunderts doppelt so groß sein wie heute. Kohle wird bis 2040 die wichtigste Energiequelle bleiben. Insgesamt werden Öl, Kohle und Gas den Prognosen zufolge 2040 immer noch 85 Prozent der Primärenergie liefern – verglichen mit 90 Prozent heute)

Unsere vorhandenen Erdöl-, Kohle- und Gasreserven sind mehrere Billionen Dollar wert. Werden unsere Regierungen und die großen Öl-, Kohle- und Gasfirmen dieser Welt – die zu den einflussreichsten Konzernen überhaupt gehören – sich wirklich entscheiden, das Geld einfach im Boden zu belassen, während die Nachfragen nach Energie unaufhörlich steigt? Also echt, ich bezweifle es. Unsere Staaten und Regierungen der Erde werden sich bis 2040 auf keine vernünftigen Ziele einigen können, die eine beachtliche Veränderung beim Klima verursachen würde.

Doch beim Klimawandel haben wir es mit einem Problem einer ganz anderen Größenordnung zu tun. Es besteht darin, dass wir uns in diesem Bereich mit ziemlich großer Sicherheit auf eine Reihe entscheidender „Kippunkte“ (sogenannter tipping points) zubewegen. Alle komplexen Systeme, und damit auch die Erde, haben eine wichtige Eigenschaft gemeinsam: Eine winzige Veränderung oder Störung kann so weitreichende Auswirkungen haben, dass das ganze System „kippt“, es sich also vollkommen verändern, ohne dass wir absehen könnten, in welche Richtung.

Die Länder, die „besser dran sind“, also zum Beispiel Großbritannien, die USA oder die Mehrzahl der Staaten auf dem europäischen Festland, werden sich vermutlich in militarisierte Zonen verwandeln. Sie werden ihre Grenzanlagen ausbauen, um das Eindringen von Millionen von Menschen zu verhindern, die ihre Heimat verlassen haben, weil diese nicht mehr genug Wasser und Nahrung bietet, weil sie von Konflikten um seltener werdende Rohstoffe heimgesucht wird oder weil sie schlichtweg nicht mehr bewohnbar ist.

Man wird diese Menschen „Klimaflüchtlinge“ nennen. An diesen Begriff sollten wir uns schon einmal gewöhnen. Wer glaubt, dass die sich derzeit abzeichnende Situation nicht das erhebliche Risiko neuer Bürgerkriege und internationaler Konflikte in sich birgt, macht sich etwas vor.

Unsere Hoffnungen liegen bei der UN-Klimakonferenz 2021 (Cop26, 31.10- bis 12.11.2021) im schottischen Glasgow. Die als letzte Klima-Reisleine anzusehen ist. Es ist kein Zufall, dass auf fast jeder wissenschaftlichen Klimakonferenz, die ich besuche, seit Neuestem Teilnehmer auftauchen, die man dort zuvor dort eher selten gesehen hat: Militärs.

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