(Das ist ein etwas längerer Beitrag. Weil ich versuchen werde, mögliche Lösungsansetzte darin zu erörtern.)

Die einen nennen es Panikmache, den anderen gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Mittlerweile haben sich auch Geister zu meinen Beiträgen gemeldet, denen der Umfang an Informationen Kopfzerbrechen bereitet. Andere wiederum versuchen Klima und Umwelt mit Gott gleichzusetzten. Gut, beides ist erlaubt. Selbst Gott hat laut den Schriften Noah geraten - die anderen absaufen zu lassen? Offenbar ist das Überbevölkerungsproblem – ein alter Hut, der sich ständig wiederholt.

Nun, vergessen wir die Theologie, Wunschdenken und Aberglauben. Egal, aus welchem Blickwinkel man die Sache betrachtet: Ein Planet mit zehn oder elf Milliarden Menschen wird der reinste Albtraum sein. Ich sehe zwei Möglichkeiten. Wir können versuchen, uns aus dem Schlamassel „herauszutechnologisieren“. Oder wir ändern unser Verhalten, und zwar radikal.

Rettung durch Technologie.

Damit betreten wir den Herrschaftsbereich der „rationalen Optimisten“. Sie argumentieren, dass auch frühere Untergangsszenarien – man denke an Thomas Maltus´ Vorhersagen zur Überbevölkerung oder Paul R. Ehrlichs Buch „Die Bevölkerungsbombe“ aus dem Jahr 1968 – sich schlussendlich als unzutreffend erwiesen haben, nicht zuletzt, weil es uns dank unserer Intelligenz und unseres Einfallsreichtums noch jedes Mal gelungen ist, mittels neuer Technologien einen Ausweg aus dem Problem der Bevölkerungsexplosion zu finden. So haben wir uns zum Beispiel mithilfe der Grünen Revolution aus der Ernährungskrise der fünfziger und sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts „heraustechnologisiert“.

Vergessen wir für einen Moment die Tatsache, dass wir uns durch neue Erfindungen eigentlich erst in dieses Misere hineintechnologiesiert haben, und schauen uns die derzeitigen Ideen zur Rettung durch Technologie an.

Im Prinzip liegen fünf Vorschläge auf dem Tisch:

1. Grüne Energie

2. Kernkraft

3. Entsalzung

4. Geoengineering

5. Eine zweite Grüne Revolution

Der Begriff „Grüne Energie“ bezieht sich im Wesentlichen auf Wind-, Wellen- und Wasserkraft sowie auf Solarenergie und Biokraftstoffe, also das, was oft auch als „grüne“, „nachhaltige“ oder „alternative Energiequellen“ bezeichnet wird. Fakt ist allerdings, dass diese Grünen Technologien derzeit keine realistische Option für den Planeten in seiner Gesamtheit darstellen. Zu ihrer Einführung wird es schlicht und ergreifend nicht kommen.

Zunächst: Es ist schwer vorstellbar, dass wir mit den existierenden Grünen Technologien unseren Energiebedarf auch nur annähernd decken können. Für die Herstellung der nächsten Generation von Silizium-Solarzellen zum Beispiel müssen in großem Stil Metalle und Seltene Erden abgebaut werden. Der Abbau dieser Metalle ist allerdings alles andere als „grün“ oder ökologisch. Bei vielen dieser Metalle droht ein, wie es in der Branche so schön heißt, „Angebotsdefizit“, anders ausgedrückt; Sie gehen uns aus. Und bei der Herstellung dieser Solarzellen werden beachtliche Mengen an Stickstofftrifluorid freigesetzt – einem der stärksten Treibhausgase der Welt.

Zweitens: Selbst, wenn die vorhandenen Grünen Technologien die Lösung wären, was nicht der Fall ist, müssten wir immer noch auf ein gigantisches Programm zur nachhaltigen Energieerzeugung umstellen, und zwar auf der Stelle und vor allem weltweit. – Das machen wir aber nicht!

Und selbst wenn wir auf solch ein umfassendes, weltweites Programm umgestellt hätten, - was wir nicht getan haben -, würde es mehrere Jahrzehnte dauern, bevor wir den gesamten Planeten mit Grüner Energie versorgen können. In der Zwischenzeit werden wir zur Energieerzeugung auch weiterhin fast ausschließlich auf fossile Brennstoffe – Erdöl, Kohle, Gas angewiesen sein und somit das Klimaproblem weiter verschärfen. Ein letzter Ausweg wäre allerdings denkbar: eine radikale Revolution in der Erzeugung erneuerbarer Energien. Die Pflanzen machen es uns bereits vor. Man nennt es „Photosynthese“.

Wenn wir es irgendwie hinkriegen würden, „künstliche Photosynthese“ zu betreiben, wenn wir uns also von den Pflanzen abschauen könnten, wie man Sonnenstrahlen in Energie und Sauerstoff umwandelt, könnte das eine mögliche Lösung für die Energieprobleme der Welt darstellen. Allerdings gibt es nur einige wenige Forschungslabore auf der Welt – die sich mit dieser Frage beschäftigen, und auch sie fangen gerade erst damit an.

Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal sagen würde, aber zumindest kurzfristig – das heißt für die nächsten Jahrzehnte – sieht es so aus, als könnte allein die Kernkraft unser Energieproblem lösen. Doch wenn das funktionieren soll, müssten wir auf ein gigantisches Programm zur nuklearen Energieerzeugung umstellen, und zwar auf der Stelle und weltweit.

Das machen wir aber nicht.

Im Gegenteil: Überall auf der Welt ziehen Regierungen sich aus der Atomkraft zurück, weil sie so teuer und bei der Bevölkerung unbeliebt ist. Zudem weigern sich die kommerziellen Atomstromerzeuger, die langfristigen Kosten für die Stilllegung der Anlagen und Entsorgung des radioaktiven Mülls zu übernehmen.

Theoretisch könnte man das globale Problem der Wasserknappheit dadurch lösen, dass man Entsalzungsanlagen baut, mit denen sich Meerwasser in Nutz- oder gar Trinkwasser verwandeln lässt. Aber auch mit einem solch groß angelegten Entsalzungsprogramm müssten wir augenblicklich beginnen. Es ist allerdings noch nicht einmal irgendwo in Planung. Und selbst wenn das der Fall wäre – wovon keine Rede sein kann -, würden wir doch nur ein Problem (den zunehmenden Trinkwassermangel) lösen, indem wir zwei andere verschlimmern. Zum einen das Energieproblem. Entsalzung ist nämlich extrem energieintensiv. Zum anderen die Zerstörung von Küstenökosystemen, da bei der Entsalzung unglaublich viel Schadstoffe entstehen.

Mit Geoengineering ist im Prinzip gemeint, dass wir im weltweiten Maßstab großtechnische Mitteln einsetzten müssen, um die schlimmsten Konsequenzen, die uns bevorstehen, zumindest abzuschwächen. Besonders beliebt in diesem Zusammenhang sind die folgenden Ideen:

1. Die Düngung der Ozeane mit Milliarden Tonnen Eisenpartikeln, um das Algenwachstum anzuregen und so Co2 zu binden. Für die marinen Ökosysteme könnte das allerdings katastrophale Folgen haben. Und was die möglichen Auswirkungen solcher Maßnahmen auf den globalen Kohlenstoffkreislauf angeht, tappen wir völlig im Dunkeln.

2. Die Installation riesiger Schutzschirme im Weltraum, um die Sonnenenergie zurück ins All zu reflektieren.

3. Die Anreicherung der Atmosphäre mit Schwebstoffen, sogenannten Aerosolpartikeln. Dazu muss kontinuierlich Schwefeldioxid in die Atmosphäre eingespeist werden, um den Effekt von „täglichen“ Vulkanausbrüchen zu imitieren, oder man verwendet Kalkstaub, Titanchlorid oder Ruß, um die Sonnenstrahlung zu hemmen. Im Grunde geht es darum, ABCs „technisch“ zu erzeugen. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass ABCs schon jetzt die Gesundheit von drei Milliarden Menschen negativ beeinflussen.

4. Die CO2-Abscheidung und – Speicherung. Hier besteht das Ziel darin, Kohlendioxid an seiner Quelle, den Kraftwerken, einzufangen und ins Erdreich zu pumpen. Das weltweit größte Pilotprojekt dieser Art gab es in Großbritannien. Es wurde allerdings 2012 frühzeitig eingestellt, weil es sich als technische und finanziell nicht durchführbar erwies.

Das große Problem: Nicht ein der Geoengineering-Ideen wurden jemals wirklich erprobt.

Alle sind extrem teuer. Alle können Dominoeffekte auslösen, zu deren langfristigen Auswirkungen sich keinerlei seriöse Vorhersagen treffen lassen. Ich persönlich bin nicht vom Geoengineering überzeugt. Im Gegenteil: Ich bin extrem skeptisch.

Wie bereits erwähnt, verfügen wir derzeit nicht über die Mittel, um zehn- oder zwanzig Milliarden Menschen zu ernähren. Kein Wunder also, dass die Möglichkeit einer zweiten Grünen Revolution zur Lösung dieses Problems im Moment heiß diskutiert wird. Wenn wir eine Grüne Revolution hinbekommen haben, so der naheliegende Gedanke, warum sollten wir das dann nicht ein zweites Mal schaffen? Dass wir eine Ernährungsrevolution brauchen, und zwar dringend, wird wohl niemand leugnen. Oder doch? Na gut, manche von euch hier. Andernfalls werden nämlich mit ziemlich großer Sicherheit Milliarden von uns verhungern.

Die vergangene Grüne Revolution ist keine Erfolgsgeschichte von „cleveren Menschen, denen es gelang, die Erträge unserer Felder und Weiden zu steigern“. In Wahrheit ist es die Geschichte von ein paar cleveren Menschen, die es für eine gute Idee hielten, um jeden Preis die Nahrungsmittelproduktion zu steigern, genauer: um den Preis, mehr Energie und mehr Chemikalien einsetzten zu müssen. Die Grüne Revolution war und ist ein Märchen. Wir benötigen dringend eine Ernährungsrevolution, die diesen Namen verdient. Dazu bedarf es einer radikalen neuen Art von Wissenschaft.

Rettung durch Technologien – weitere Ideen?

Natürlich kann niemand ausschließen, dass irgendwann in der näheren oder fernen Zukunft Ideen und Technologien entwickelt werden, von denen wir heute noch gar nichts ahnen. Klar, mit diesem Einwand kommen sie dann immer, die rationalen Optimisten: Mit all unserer Intelligenz und all unserem Einfallsreichtum werden wir schon eine Lösung finden. Heißt: Keine Sorge! Wir werden schon etwas austüfteln, was uns aus dieser misslichen Lage rettet. Diese Hoffnung ist verführerisch, das muss selbst ich zugeben. Aber in Wirklichkeit ist sie nicht mehr als reines Wunschdenken.

Wenn man sich die aktuelle Situation anschaut, wäre es aus meiner Sicht deutlich gescheiter, ab sofort die Haltung eines „rationalen Pessimisten“ einzunehmen. Angesicht der Erkenntnisse, die derzeit vorliegen, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass wir uns aus der Misere heraustechnologisieren werden.

Wir müssen uns also etwas anderes einfallen lassen.

Wenn wir das Problem nicht mithilfe neuer Technologien lösen können, bleibt uns nichts anderes übrig, als unser Verhalten zu ändern, und zwar radikal. Das gilt für jeden Einzelnen von uns, überall auf der Welt, in jedem erdenklichen Bereich. Kurz: Wir müssen unseren Konsum reduzieren. Und wir müssen sparsamer mit unseren Ressourcen umgehen. Viel sparsamer.

Wenn solch radikale Verhaltensänderungen Wirklichkeit werden sollen, sind seitens der Regierungen ebenfalls radikale Maßnahmen nötig. Diesbezüglich sind die Politiker heute allerdings Teil des Problems, nicht die Lösung. Aus einem einfachen Grund: Würden die Politiker die notwendigen Entscheidungen treffen, wären sie sehr schnell ziemlich unbeliebt. Und das wissen sie selbst allzu gut. Die Politiker haben sich also stattdessen für den Weg der gescheiterten Verhandlungen entschieden.

Beispiele dazu?

Die Klimarahmenkonvention der Vereinigten Nationen, die 1992 mit dem Ziel verabschiedet wurde, einen weiteren Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre zu verhindern – ein Reinfall.

Das Übereinkommen der Vereinigten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung, das 1994 unterzeichnet wurde, um einem Fortschreiten der Desertifikation und der Bodendegradation entgegenzuwirken – ein Reinfall.

Die Biodiversitäts-Konvention, die 1992 in Rio de Janeiro ausgehandelt wurde, um das Tempo des Artensterbens zu begrenzen – ein Reinfall.

Der Klimagipfel 2019 in Madrid endete wie erwartet – als Reinfall.

Das sind nur vier Beispiele aus einer deprimierend langen Liste internationaler Abkommen, die sich allesamt als Reinfall erwiesen haben. Und sowohl die Rio+20-Konferenz als auch die jüngsten UN-Klimakonferenzen, die 2013 in Warschau und 2014 in Lima stattfanden, haben Formelkompromisse hervorgebracht, die noch weicher sind als alle die vorherigen Abkommen, Konventionen und „Selbstverpflichtungen“. Allen Anschein nach werden auf 20 Jahre der leeren Worte und des Nichtstuns weitere 20 Jahre der leeren Worte und des Nichtstuns folgen. Währenddessen geraten wir jedoch in immer größere Schwierigkeiten.

Wie die Regierungen dieses Ausmaß an Nichtstun und Passivität rechtfertigen? Nun, sie verweisen auf die öffentliche Meinung und fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse. So gesehen, sind die Klimaleugner unter uns – ihr dienlichen Jünger – und zugleich auch ihre Opfer. Nur sie wissen es noch nicht. Früher hieß es immer: Wir müssen abwarten, bis die Wissenschaft beweise hat, dass der Klimawandel auch wirklich stattfindet. Daran kann heute kein Zweifel mehr bestehen.

Nun heißt es: „Wir müssen abwarten, bis die Wissenschaftler herausgefunden haben, welche Folgen das alles haben wird und welche Kosten sich daraus ergeben. Und: Wir müssen abwarten, bis die Öffentlichkeit bereit ist, die entsprechenden Maßnahmen mitzutragen. Und was die öffentliche Meinung anbelangt, so fällt doch auf, wie leicht Politiker sie zu ignorieren imstande sind, etwa wenn es um Kriege geht, um Bonuszahlungen für Banker oder um Reformen im Gesundheitssystem.

Nein machen wir uns nichts vor. Wenn Sie von mir einen wissenschaftlichen Rat, bezüglich der Klimakatastrophe, die auf uns ungebremst zurollt, haben wollen, so lautet dieser: „Lernen Sie ihren Partner, Kinder und Ihren Enkelkindern den Umgang mit Waffen. Gewehre, Pistolen, Pfeil und Bogen und allerlei was sonst noch so dazu dient, sich aus der Ferne zu verteidigen. Sie werde es brauchen. Bereiten sie sie darauf vor, zu überleben, wenn auch nur für eine kurz Zeit.

Damit schleiße ich meine Beiträge zum Erdklima und werde auch keine weitere mehr hier schreiben. Leben Sie lange – leben Sie wohl.

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