... Staatsschauspiel der Lächerlichkeiten

Es ist immer eine Bereicherung des täglichen Alltags, sich in regelmässigen Abständen den österreichischen Komödienstadl live aus dem Theater am Dr.-Karl-Renner-Ring 3 im 1. Bezirk anzusehen. Heute möchte ich als Hausverstand eine Kritik dieses Stückes, das jeden Tag mehrmals in diesem Theater gespielt wird, abgeben! Jede Dauervorstellung verliert mit der Zeit die Würze und durch die sinkenden Zuschauerzahlen wird dies auch schon den Schauspielern bewusst.

Da hat der etwas ungelenkige Staatsschauspieler Werner F. die Rolle des Huababauern übernommen, der glaubt auf seinem Hof am Dr.-Karl-Renner-Ring 3 anschaffen zu können. Zur allgemeinen Belustigung des Volkes führt er in seiner Stube großartige Monologe über die Schweinezucht, die Fütterungsmöglichkeiten und wie man die Rinder am besten zusammentreiben und beruhigen kann damit er seine Ruhe hat.

Ihm zur Seite steht die resolute Huababäuerin, seine Frau, in Person der allseits, besonders im Ausland, beliebten Volksschauspielerin Angela M. aus D. Sie ist es, die eigentlich für die Umbaumassnahmen rund um den Huabahof zuständig ist und ihrem Mann, dem Huababauern, immer wieder sagt was er zu tun hat.

Manchmal versucht der Huababauer schüchtern seine eigene Meinung zu sagen, doch von seiner Bäuerin wird schon alleine der Gedanke einer eigenen Meinung im Keim erstickt.

In diesen Momenten entsteht beim Zuseher mehrmals der Eindruck, das er mit keiner Meinung vor seine Bäuerin tritt und mit ihrer Meinung wieder zu seinen Schweinderln und Rindviecherl in den Stall geht. Der Zuseher erfährt: Ihr Mann, war ihr schon immer hörig und hatte nie eine eigene Meinung. Leider erfährt der Zuseher nicht warum das so ist. Es wird vermutet, dass es an seinem ehemaligen Beruf als Viehkutscher liegt. Das bleibt aber leider im Dunklen.

Die Nebenrollen in diesem Stück übernehmen, der Knecht am Hof, gespielt von Andi S. und den beiden Mägden Hanni M.L. und Evi G.

Sie beobachten das treiben am Hof schon lange mit Argwohn, aber konzentrieren sich lieber auf die Zucht der Tiere. Diese leben ein von den Huababauern bestimmtes Leben als Schweine und Rindviecher in Ruhe. Solange sie bei Laune gehalten werden ist es ihnen auch egal was sich da am Hof abspielt und eigentlich - wollen sie es auch gar nicht wissen.

Etwas Interessanter wird es wieder als der beim Publikum allseits beliebte Volksschauspieler Heinzi S. als neuer Knecht, in Lederhosen, mit strammen Wadeln, auf den Hof kommt und sofort Überlegungen anstellt was sich alles verändern könnte. Bei den Mitwirkenden finden seine Sichtweisen keinerlei Zuspruch da sie es gewohnt waren, den Schweinen und Rindviechern alles abzunehmen damit die nicht selber denken müssen und sie, durch diese von allen Mitwirkenden erschaffene Lethargie, ihre Ruhe haben. Sie reden stundenlange Monologe von der immer offenen Stalltüre und davon, dass sie sich sowieso um die Sicherheit und den Schutz kümmern.

Doch dem neuen Knecht ist das egal und er stellt alles in Frage, - auch die offene Stalltüre. Mit besonderer Inbrunst wird er von der Magd Evi bekämpft, die eine besondere Angst um die Ruhe in ihrem Stall hat. Sie hat es bis jetzt gut verstanden die Tiere mit ihrem sinnfreien Obertonjodler einzulullen. Sie konnte das im Laufe der Jahre so perfektionieren, das ein Teil der Schweine und Rindviecher schon nicht mehr wussten ob sie nun männlichen oder weiblichen Geschlechts sind. Versuche die Stiere zum kalben zu bringen scheiterten allerdings immer wieder.

Unter keinen Umständen wollte sie aber einen Unfrieden im Stall oder den Gedanken an die offene Stalltüre nähren. Einen anderen Teil der Tiere haben sich ja schon die anderen Angestellten von der Huababäuerin, der Andi und die Hanni, gesichert. Auch sie lullen die Tiere mit ihren Monolog ein.

Am Beginn des Auftritts vom Knecht Heinzi ist er noch ein bischen hölzern und beobachtet eher die anderen Knechte, in seiner kurzen Lederhosen. Aber ab dem 3. Akt läuft er zur Höchstform auf. Die Bäuerin hat schon im 2. Akt begonnen ihn zu ignorieren, da sie es nicht leiden kann wenn ihr widersprochen wird. Sie sieht es nach wie vor als persönlichen Angriff an wenn nicht jeder Darsteller ihre Meinung akzeptiert, was dem Knecht Heinzi aber absolut egal ist.

Der Heinzi jedenfalls kann in diesem Stück mit einfachen Gedichten punkten, worauf die Evi sofort einen neuen Jodler anstimmt um ihre Schweine und Rindviecher wieder zu beruhigen. Dieser neue Jodler von der Evi ist am Beginn zwar noch etwas neues aber im Laufe des 3. Akts ist er dann genauso einlullend wie der vorhergehende, monotone, Obertonjodler. Gott sei Dank kommen einige Tiere im Stall ab diesem Moment nicht mehr zur Ruhe und beginnen sich auf den neuen Gedichtband vom Heinzi einzustimmen. Das bringt etwas Schwung in das langweilig gewordene Spiel.

Bevor das Stück wieder in die gleiche Langeweile durch Evis´s Jodler verfällt, erfährt der Zuseher, dass der Knecht Heinzi dem Huababauern den Platz am Tisch streitig machen will. In kurzer Zeit hat er viele schöne Bilder, mit seinen Gedichten darauf gemalt und im Stall aufgehängt, damit die Schweine und Rindviecher im Stall einmal was anderes sehen und darüber nachdenken können.

Das wiederum passt den Kollegen vom Heinzi überhaupt nicht, denn plötzlich machen einige Tiere im Stall nicht mehr das was der Andi, die Hanni und die Evi für das beste halten. Sie wollen selber über eine offene Stalltüre entscheiden und beginnen auch langsam wieder zu erkennen welchen Geschlechts sie sind.

Ganz schnell malt die Evi jetzt auch ganz viele bunte Bilder mit Landschaft und Bergen und ganz ganz viel Natur, damit die Tiere mal sehen wie sich die Evi die Welt vorstellt und sie von der offenen Stalltüre abgelenkt sind.

Aber das hilft nichts. Dann fängt die Hanni an Bilder zu malen. Sie kopiert sogar die Bilder vom Heinzi aber schreibt andere Gedichte drauf, was manche Schweine und Rindviecher wieder zum Nachdenken bringt, aber sie merken schnell das es nur ein Trick ist.

Und so wird aus dieser Komödie langsam eine Tragik. Die österreichische Tragikomödie wurde erfunden!

Denn plötzlich kommt die Wende im Spiel. Der gelangweilte Zuseher erfährt, dass sich die Huababäuerin in einer Sackgasse befindet und keinen Ausweg mehr sieht. Nachdem sie durch die Darstellung ihrer Rolle und in ihrer Überheblichkeit schon viele Aggressionen der Schweinderl und Rindviecherl am Hof auf sich zieht, gibt sie ihrem Mann den Befehl die Tiere in den Stall zu treiben und die Stalltüren zu schliessen.

Denn Angestellten solle er dann erzählen, dass es seine Idee war um wieder den Frieden und die Ruhe am Hof herzustellen. Und so kommen jetzt auch die kopierten Plakate von der Hanni auf die Aussenseite des Stalls und sogar mit den schönen Gedichten vom Heinzi. Da erkennt der Zuseher nun den Sinn dieses Stückes. Aus der Tragik wird wieder ein Komisches Lustspiel.

Die Evi ist irgendwie verschwunden aber dem Zuseher fehlen ihre monotonen Jodler nicht besonders.

Am Ende wird wohl der Knecht Heinzi der neue Huababauer und den alten Huaba jagens vom Hof. Die Bäuerin geht dann freiwillig zu ihrem Bürgermeister. Der Zuseher erfährt, dass der all das was geschehen ist auf dem Hof, durch die Huababäuerin gesteuert hat. Denn alles ist ein Spiel der Hörigkeiten. Die Bäuerin ist dem Bürgermeister hörig, der Bauer der Bäuerin, die Mägde und der Knecht dem Bauern, die Schweinderl und Rindviecherl den Knechten und Mägden. Zu guter letzt zeigt sich auch noch die Hörigkeit unter den Schweinderl und Rindviecherl. Denn auch hier gibt es ein Schwein und ein Rindvieh!

Tja, so vergingen die Stunden durch ein Schauspiel, das den Zusehern schon sehr Langweilig wird, aber vielen Schweinderln und Rindviecherln im Stall, ist das immer noch egal!

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