Charlie Chaplin: Der Spazierstock des Landstreichers steht für die Würde des Menschen, der Schnurbart für die Eitelkeit, und die ausgelatschten Schuhe für die Sorgen.

Es war kein Zufall, wenn es den überhaupt gibt, dass ich für eine Reportage nach Vevey in der Schweiz an den Genfersee gekommen bin, um Charlie Chaplin zu begegnen. Ich bekam eine Sondererlaubnis der Chaplin Familie, für eine Reportage dort zu filmen und zu fotografieren. Charlie Chaplin?

Doch wer war dieser Charlie Chaplin wirklich, und warum wollte ich seinen Spuren folgen?

Seine Markenzeichen waren ausgelatschte Schuhe, Melone, Stock und ein Bärtchen. Charlie Chaplin. Der große Komiker wurde am 16. 04.1889, also vor 127 Jahren, geboren. Er wuchs in bitterer Armut auf und wurde zwei Mal begraben, um endlich Ruhe zu finden. Ich lernte Charly Chaplin als Kind vor dem Fernseher kennen, und dieser kleine Mann fasziniert mich noch heute. Es ist das Bild des armen Mannes, das sich bei mir einprägte.

Eines kleinen, armen Landstreichers, der sich vom Schicksal und vom Leben nicht unterkriegen ließ, der kämpfte, der lustig war, und der immer wieder neue Möglichkeiten fand, sein Leben zu meistern. Über sich selbst lachen zu können, nicht zu jammern und zu klagen, sondern nach neuen Möglichkeiten zu suchen – all das war Charlie Chaplin.

In seiner Villa in Vevey hatte man ihm ein Denkmal für die Nachwelt geschaffen. Es war auch der Wunsch der Chaplin Familie; der Wunsch seiner Kinder und Enkelkinder eine Chaplin-Welt zu schaffen, um vielen Menschen an den Träumen dieses großartigen Schauspielers und Menschen teilhaben zu lassen. Lachen befreit das Herz und die Seele der Menschen, auch wenn das Leben oft hart ist.

Lachen befreit, und wer lacht empfindet auch Glück. Jedesmal, wenn ich Orte besuche, wo großartige wunderbare Menschen gelebt hatten, spüre ich ihren Geist und ihre Seele.

So auch hier in Vevey, in der Villa. Da war die Aura, da war etwas zu spüren, das mich innerlich lächeln ließ, das mir plötzlich ein gutes Gefühl gab, an den richtigen Ort angekommen zu sein.

Ich konnte alltägliche Gegenstände berühren, konnte mich hineinversetzen in die Zeit als Charlie Chaplin hier noch gelebt hat. Im Oktober 1947 musste Chaplin wiederholt vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe aussagen.

Der FBI-ChefJ. Edgar Hoover, ein erbitterter Gegner Chaplins, versuchte ihm die Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen.

Im Dezember 1947 veröffentlichte der Filmstar in der englischen Sonntagszeitung Reynold’s News den Artikel „Ich erkläre Hollywood und seinen Bewohnern den Krieg!“.

Chaplin parodierte hintergründig auch die amerikanische Gesellschaft und wurde dadurch dem Staatsapparat verdächtig. Ihm wurde mangelnde Verfassungstreue vorgeworfen. In den 1930er und 1940er Jahren konnte man sich in den USA bereits mit der spöttischen Hinterfragung der herrschenden Gesellschaftsordnung alsmarxistisch oder kommunistisch verdächtig machen.

Chaplin beschloss daraufhin, in Europa zu bleiben. Er zog im Dezember 1952 in die Schweiz und ließ sich im Anwesen Manoir de Ban oberhalb Corsier-sur-Vevey am Genfersee nieder.

Chaplin, sagte über seine Figur: „Der Spazierstock des Landstreichers, steht für die Würde des Menschen, der Schnurbart für die Eitelkeit, und die ausgelatschten Schuhe für die Sorgen.“

Das trostlose arme Leben richtig darzustellen, damit Menschen sogar darüber lachen können, das sah Chaplin als seine Lebensaufgabe.

Der Sohn eines Sängerehepaares wuchs im Südlondoner Stadtteil Kennington auf. Der Vater trank sich zu Tode , die Mutter war arbeitslos und ständig in psychiatrischer Behandlung. Charly und sein Halbbruder Sydney lebten in Armenhäusern, bettelten und suchten im Müll nach Lebensmitteln.

Charlie Chaplin sang, tanzte und spielte Theater, bis ihn die Varietè-Legende Fred Karno entdeckte. Der brachte ihn nach Amerika, wo Chaplin in New York beim Film landete. Hier entwickelte er die Figur, die ihn weltberühmt gemacht hatte: Den Tramp.

Der Tramp wurde 1915 in kürzester Zeit unglaublich erfolgreich, die Leute wollten immer mehr von ihm sehen.

Mit „The Tramp“, dem Landstreicher, schuf der kleine Chaplin eine Figur, die jedermann sein konnte, die Figur eines Außenseiters. Landstreicher sind immer Bösewichte.

Charlie Chaplin ist kein Heiliger, er hat viele Affären, es gibt viele Skandale in seinem Leben. Erst 1972 reist Charlie Chaplin wieder in die USA. Ihm wird für sein Lebenswerk der Oscar verliehen. Amerika feiert seinen Kino-Helden. Drei Jahre später wird er von der englischen König in den Adelstand erhoben. Die britischen Universitäten Oxford und Durham hatten ihm bereits vorher die Ehrendoktorwürde zuerkannt.

Immer wieder hat der Künstler mit der Presse zu kämpfen. Seine amourösen Affären, die Ehen mit immer jüngeren Frauen sowie die Scheidungsprozesse sind gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse. 1918 heiratet er die 16jährigen Mildred Harris. Ein gemeinsames Kind stirbt kurz nach der Geburt, die Ehe scheitert nach einem Jahr und wird 1920 geschieden. 1924 ehelicht er die 16jährige Schauspielerin Lillita McMurray.

Der Sohn Charles Chaplin jr. kommt im Juni 1925 zur Welt, im März 1926 der zweite Sohn Sydney Chaplin. Doch auch die zweite Ehe scheitert und wird 1927 geschieden. 1933 heiratet er in aller Heimlichkeit seine spätere Filmpartnerin in MODERNE ZEITEN (1936): Paulette Goddard.

Nach sechs Jahren trennen sich beide gütlich. Ein Jahr später heiratet der nunmehr 54jährige die 18jährige Oona O Neill, die Tochter des Literatur-Nobelpreisträgers Eugene O Neill. Die Ehe hält bis zum Tod des Künstlers. 1944 wird Geraldine Chaplin geboren, die ebenfalls als Schauspielerin arbeiten wird.

Eine echte Großfamilie waren auch Charlie Chaplin und seine Frau Oona O'Neill. Die beiden bekamen insgesamt acht Kinder; dreimal war Charlie Chaplin vor dieser Ehe bereits Vater geworden

Geraldine Chaplin sagte über ihren Vater

Er war ein guter, aber auch ein sehr strenger Vater. Sie dürfen nicht vergessen, er ist 1889 geboren; er war noch sehr viktorianisch. Das Schöne war, er war oft da. Er arbeitete viel zu Hause. Das hieß aber auch, dass wir uns nur auf Zehenspitzen bewegen durften und mucksmäuschenstill sein mussten. Wenn wir spielen wollten, mussten wir raus.

Er war der totale Perfektionist, sehr fordernd und obsessiv. Wenn was nicht klappte, konnte er wild werden. Aber die Art, wie er Regie führte, war unglaublich. Er spielte die Rollen.

In „Die Gräfin von Hongkong“ spielte er Sophia Loren was vor und war mehr Sophia Loren, als sie es je sein konnte. Ich habe selten mit Regisseuren zusammengearbeitet, die dir so zeigen konnten, was sie wollten.

Nach endlosen Irrungen schien Charlie Chaplin (hatte bis zu seinem Tod den britischen Pass) endlich angekommen zu sein. Fernab von der Traumfabrik Hollywood lernte er im beschaulichen Vevey (Schweiz) die heiteren, leisen Freuden des ehelichen Lebens schätzen:

"Wenn ich Oona oder ein Mädchen wie sie früher gekannt hätte, hätte ich nie irgendwelche Probleme mit Frauen gehabt. Mein ganzes Leben lang habe ich auf sie gewartet, ohne es überhaupt zu wissen", gestand der ergraute Chaplin. Und so gab es für "Tramp" (landete in Amerika auf Platz 10 der größten Filmlegenden aller Zeiten) doch noch ein Happy End.

Der kleine Landstreicher spielte sich in die Herzen der Menschen.

Da war jemand zu sehen, der trotz vieler Fehlschläge im Leben immer wieder aufstand und kämpfte. Der sich rührend um eine fast unerreichbare Liebe bemühte, und am Ende sie doch für sein Herz gewann.

Der für wenige Augenblicke den Zuschauern zeigte, dass sich Träume erfüllen können, wenn man nur nicht aufgibt, wenn man Hoffnung hat, wenn man das Lachen nicht verliert.

Mit Chaplins Filme, kann man mit ihm weinen und lachen. Sie sind Klassiker, die man sich immer wieder anschauen kann. Viele haben versucht ihn zu kopieren, doch es gibt nur einen Charly Chaplin.

Und der ist eine Legende geworden. Ein kleiner Mann, ganz groß. Jemand der dich mit deinen Träumen fliegen lässt, und der das Leben heiter macht.

So wackelt er in der Fantasie immer noch vor mir herum, spielt seine Scherze, schaut mit großen Augen, und lächelt verschmitzt.

In der Schweiz starb Chaplin am 25. Dezember 1977 in Alter von 88 Jahren.

Sein Tod klingt erst einmal ungewöhnlich: Der Weltstar wachte einfach nicht mehr auf.

Aber mit der Beerdigung war es noch nicht vorbei:

Verbrecher entführten die Leiche und forderten Lösegeld. Doch damit kamen sie nicht durch: Die Polizei verhaftete die Täter und brachte den Sarg zurück.

Chaplin wurde ein zweites Mal beerdigt. Seitdem ruht er entführungssicher unter einer zwei Meter dicken Betonschicht....

Er ist und bleibt aber der kleine arme Tramp, der uns zeigt, dass Träume wahr werden können, und dass man das Leben trotz vieler Schicksalsschläge nicht zu ernst nehmen sollte.

Sonst verliert man sich, und dann bleibt nur die Traurigkeit.

herbert erregger herbert erregger

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Hansjuergen Gaugl

Hansjuergen Gaugl bewertete diesen Eintrag 06.11.2016 11:54:39

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