Berber sind eine Ethnie der nordafrikanischen Länder Marokko, Algerien, Tunesien,Libyen und Mauretanien. Außerdem leben Berber im östlichen Mali, nördlichen Niger und in der ägyptischen Oase Siwa. Es gibt etwa 36 Millionen Berber.

Unter Berbern versteht man in Deutschland die Angehörigen bestimmter, sozial organisierter Teilgruppen von nicht sesshaften Wohnungslosen.

Der Berber ist die älteste kultivierte Pferderasse des Mittelmeerraums.

Da haben wir es wieder, ein Begriff und drei verschiedene Auslegungen.

Berber sind stolze Menschen.

Und so ein junger Berber sitzt bei mir im Jeep und wir fahren gemeinsam hinaus in die Wüste Sahara. Seine Heimat, seine Kultur, sein Leben passiert hier und jetzt.

Ich befinde mich ganz im Süden von Marokko- dort wo die Wüste Sahara beginnt und sich in die Unendlichkeit verliert. Zwei Menschen aus zwei verschiedenen Kulturen, aber sie lächeln einander an.

Hassan, wie mein Freund heißt, genießt es, mit mir in diesem Jeep zu fahren. Wir hören Musik aus Afrika und genießen diesen Rythmus der Melodien. Hassan bringt mich zu seinen Zelten, weit draußen in der Wüste. Eine Einladung der besonderen Art. Wegen der Hitze hat er mir ein Kopftuch verpasst, so sitzen wir da und genießen die Fahrt über den Sanddünen.

Es ist nicht so leicht, mit dem Auto in der Wüste, Kamele wären da schon besser. Nach einiger Zeit, aber, was sage ich da, Zeit gibt es da nicht in der Wüste. Der Sand ist unendlich- er rieselt, bewegt sich- bringt Leben und Tod.

Aber es sind auch seine Farben, die mich faszinieren. Zu jeder Tageszeit leuchtet er anders, fühlt sich anders an- und bewegt sich anders im Wind.

Nach einiger Zeit – schon wieder die Zeit – erreichen wir die Zelte. Drei braune Punkte in der Unendlichkeit der sandbraunen Hügeln.

Drei Kamele liegen neben den Zelten und kauen gelangweilt ständig an irgendetwas herum. Hassans Familienmitglieder treten aus den Zelten hervor. Berber, wie er gekleidet, aber wie Tuareg in einem wunderschönen Blauton.

„Salam alejkum”

Und da ist noch ein kleiner Esel- wir sind Freunde geworden. Was soll ich sagen, gerade ich, wo man doch oft zu Hause anhand meiner kritischen Kommentare versucht, mich in eine rassistische Ecke zu stellen, der wird hier herzlichst von Muslimen begrüßt.

Na Prost Mahlzeit, jeder Linke in Österreich würde einen Hitzeschlag bekommen. Aber nichts wie weg mit dieser jetzt recht fernen Welt aus Multikulti und sogenannter Gerechtigkeit. Die würde man hier schon gar nicht verstehen. Inzwischen sehe ich selbst schon wie ein Berber aus. Blauer Kaftan, Kopftuch und ich liege auf bunten Teppichen in einem Berberzelt mitten in der Wüste.

Der Pfefferminztee schmeckt vorzüglich. Er wird unendlich oft neu aufgegossen. Wir sehen uns in die Augen und lachen. Ich bin für sie Ali Baba – und sie sind die Räuber. Ihre Augen glänzen, ihre Herzen lachen und der Pfefferminztee ist das Köstlichste, was ich jemals getrunken hatte.

Etwas weiter weg von den Zelten haben sie einen Brunnen gegraben.

30 bis 40 Meter tief.

Wir lassen den Beutel aus Ziegenhaut hinunter; und holen das köstliche Wasser ans Tageslicht. Es ist klar und kalt- und köstlich. Wasser das ist Leben, wertvoller als Gold. Die Kamele kauen immer noch und grunzen dabei. Der heiße Wind spielt mit meinem Kopftuch- aber ich lächle still vor mich hin, den ich fühle mich glücklich.

Jetzt sitze ich mit Hassan auf einer Sanddüne und wir sprechen über alles Mögliche. Er erzählt mir, dass er noch niemals im Ausland war, und eigentlich überhaupt immer nur hier in der Wüste und auf den Oasen gewesen ist.

Europa, das ist für ihn weit weg, sehr weit. Er weiß nur, nach Timbuktu im Herzen Afrikas, bis dahin würde man bis zu 52 Wochen mit dem Kamel brauchen. Ich erzähle ihm von den Flüchtlingen, die jetzt in großer Zahl nach Europa und nach Österreich kommen.

Ich bin für ihn kein Österreicher - Hassan bezeichnet mich als Nimsa- so heißen wir im arabischen Afrika. Er kann nicht verstehen, warum er von hier weggehen sollte in ein fernes Land. Er hat hier alles, was er für ein glückliches Leben braucht.

Keinen besonderen Komfort in unseren Augen, keinen Reichtum wie wir ihn kennen- kein Sozialsystem, indem wir leben. Leben bedeutet für ihn Freiheit, in seinem Zelt zu liegen und Pfefferminztee zu trinken.

Mit seiner Familie zu lachen, kleinen Handel zu betreiben und einfach zu leben. Sein Zelt wird nachts vom Sternenhimmel beleuchtet. Später esse ich mit meinen Freunden. Gekocht wird in einer marokkanischen Tajine.

Die marokkanische Küche ist bekannt für ihre Vielfalt und ihre harmonischen Kombinationen, die sich aus berberischen, andalusischen, afrikanischen, jüdischen und osmanischen Einflüssen zusammen setzen – den kulinarischen Spuren von Nomaden, Einwanderern und Eroberern. Feigen und Datteln zum Abschluss, und wir trinken wieder Pfefferminztee.

Spät nachts sitze ich auf einer Sanddüne und starre fasziniert auf einen Sternenhimmel, den ich so noch nie gesehen hatte. Erst jetzt wird mir bewusst, wie fern ich seit über einer Woche von unseren alltäglichen Problemen bin. Keine schlimmen Nachrichten, kein Fernsehen, kein Krieg, kein Terror, keine Politik, kein Frust, Zorn Neid und Ärger.

Da ist jetzt nur die Stille, und die Weite der Wüste. Da sind nur ein paar Menschen um mich, und ein paar Tiere. Es sind für mich die schönsten Augenblicke meines Lebens, wenn ich erkennen kann, wie wenig man braucht, um wirkliches Glück empfinden zu können.

Würde ich jetzt dem kleinen Prinzen aus Antoine de Saint-Exupéry Buch begegnen, ich wäre nicht verwundert. „»Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!«

Das würde er zu mir sagen, der kleine Prinz.

Aber man muss vorsichtig sein in unserer Zeit – da ist sie wieder die Zeit – wenn man an so etwas glaubt. Zu realistisch, zu idealistisch, zu Besitz und machtergreifend agieren wir miteinander.

Deshalb fühlen so viele diese Zerrissenheit in sich, Menschen reden zwar miteinander, verstehen einander aber nicht.

Hier in der Wüste fühle ich mich plötzlich so frei, so weit weg von dieser spürbaren Zerrissenheit. Es ist ein Geschenk fühlen zu können, etwas zu empfinden und das auch vermitteln zu können.

Menschen wie Hassan, ein Berber, auch die Tuareg- aber auch Menschen aus vielen anderen Kulturen dieser Erde holen mich immer wieder auf den Boden dieses Planeten zurück.

Auch ich bin nicht gefeit davor mit Vorurteilen zu agieren, mich für gebildet zu halten, und meine Meinung und Lebensweise über all die anderen zu stellen. Aber was erzähle ich da- wir Menschen wissen, dass wir viele Fehler machen- wir wissen auch dass wir uns belügen, betrügen, verletzen und töten.

Wir können aber auch lieben und träumen- gerecht und menschlich sein. Wir können wählen- das ist die Freiheit.

„Aber keiner von den großen Leuten wird jemals verstehn, daß das eine so große Bedeutung hat!“ sagte der kleine Prinz zum Abschied.

herbert erregger herbert erregger

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