"Istanbul`dan dönüs" Zurück aus Istanbul

Es war eines meiner ersten Abenteuer.

Damals vor einigen Jahrezehnten. Ich war gerade 18 Jahre geworden, bekam meinen ersten Reisepass, und schon war ich weg.

Damals war ich noch nie im Ausland gewesen, war auch nicht versichert, aber ich bestieg einfach in Graz den legendären "Balkanexpress" und begab mich mit der Fahrkarte

"Istanbul Einfach" auf mein Abenteuer.

herbert erregger herbert erregger

Zwei Nächte und einen Tag war ich mit diesem Zug damals unterwegs. Quer durch das ehemalige Jugoslawien, durch Bulgarien bis in die Türkei. Das war noch eine abenteuerliche Reise. Den alten Bahnhof am Bosporus gibt es inzwischen nicht mehr, er ist ein Museeum.

Ich kam in einer orientalischen Stadt an, voller Wunder, Halsabschneider, tanzenden Bären und in einem Bazar Tausend und einer Nacht.

herbert erregger herbert erregger

15 .Mai 2019.

Ich steige in Graz in ein Flugzeug der Türkisch Airline und fliege in knapp 2 Stunden nach Istanbul.

Eine andere Welt, als die Fahrt mit dem Balkan Express.

Das war noch ein Abenteuer, heute ist es ein Kurzflug.

50 km von Istanbul entfernt hat man einen neuen Megaflughafen aus dem Boden gestampft. Gigantisch, modern, einzigartig.

Das Taxi braucht eine Stunde bis in die Altstadt wo mein Hotel zwischen der Blauen Moschee und der Sultan Ahmed Moschee liegt. Freundliche Türken, eine moderne Stadt, mehr als 16 Millionen Einwohner.

Na ja, da bin ich wieder.

Manches erinnert mich an diese Zeit von damals, doch es ist ein anderes Istanbul. Genau an diesem Platz neben der Hagia Sofia, der Blauen Moschee ließ damals ein bärtiger Mann seinen Bären vor mir tanzen. Heute sind da tausende Touristen, hauptsächlich Chinesen.

Die Galatabrücke ist neu. Damals ging ich noch über die alte Brücke, die man 1990 abgerissen hatte. Mehr als 90 Jahre war sie alt gewesen. Eine Brücke mit Geschichte. Sie hatte ein eigenes Leben.

Da waren die Fischer, die Gaukler, die Teeverkäufer, die Händler und Taschendiebe. Schicksale, Menschen für die diese Brücke Heimat war.

Heute ist alles modern,Schiffe fahren kreuz und quer über den Bosporus und in der Ferne sehe ich die gigantische Brücke die dich nach Asien bringt.

Ich gehe zwischen der Geschichte einer Stadt, die einzigartig ist, Bizanz, Konstantinopel,Istanbul.

Istanbul war damals schon ein einziger Bazar. Aber es war anders-Märchenhafter.

herbert erregger herbert erregger

Heute ist Istanbul nur mehr ein gewaltiger einziger Bazar. Moderne Geschäfte- Gigantische Einkaufszentren, und Gassen voller wunderbarer Sachen.

Einkaufen bis der Notarzt kommt.

Man wird getrieben von Händlern, von glitzernden Auslagen, von Döner Buden, Restaurants und Verkaufsständen. Doch die Händler sind nicht mehr so lästig wie damals. Kauf oder geh weiter.

Hunderttausende Menschen hasten an mir vorbei. Frauen verschleiert oder modern im Minirock. Ich lasse mich treiben. Manchmal begegne ich den Spuren von damals, von meinem ersten Abenteuer in einem fremden Land.

Gerade ist Ramadan, die Sonne senkt sich im Westen. Mehrere Muezzin beginnen zu beten, und die Menschen bereiten sich auf ihr Festmal vor. Abends wenn die Sonne untergeht, dann dürfen sie Fastenbrechen, sie dürfen essen und trinken so viel sie wollen. Überall spüre ich Freude darüber, man trägt ganze Säcke voller Essen mit sich herum.

Sie liegen auf den Rasenflächen, sie sitzen auf mitgebrachten Sesseln und die Tische sind voller Speisen. Es ist eine Festtagsstimmung sondergleichen. Niemand beachtet mich den Ungläubigen den Ausländer. Mit der Menschenmenge werde ich in die Sultan Achmet Moschee geschoben.

Ich ziehe wie alle meine Schuhe aus, niemand stört sich an mich, ich könnte ja einer von ihnen sein. In der Moschee wunderschöne Teppiche und Wandmalereien. Hinten beten die verschleierten Frauen, vorne werfen sich die Männer zu Boden.

"Allah u akba".Gott ist groß.

Es stört mich nicht, das ist ihr Land, ihre Religion, ich bin nur ein Gast.

Ich empfinde das anders als bei uns in Österreich. Dort sind viele Muslime die Gäste, doch das ist anders.Toleranz hat immer zwei Seiten.

Nach einigen Tagen ist meine Reportage in Istanbul abgeschlossen, und ich verlasse diese zauberhafte Stadt.

In knapp zwei Stunden bin ich wieder in meinem Land, in meiner Welt, fast ohne Übergang. So als wäre das alles nur ein Traum gewesen.

So reist man heute, man hackt Länder einfach in seinem Reisekalender ab.

Schade eigentlich.

Damals reiste ich viele Tage mit dem Zug.

Im Grunde bin ich ein Abenteurer- und ich bin niemals irgendwo angekommen.

herbert erregger herbert erregger

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