JERUSALEM – die Juden nennen diese Stadt „ Jeruschalajim“, auf arabisch heißt es "Al Quds"

Jerusalem ist wieder in den Medien. Donald Trump hat diese Stadt zur Hauptstadt Israels erklärt – für die USA, aber auch für viele andere Menschen auf dieser Erde.

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Jerusalem wurde an keinem Fluss erbaut, hier sind auch keine Bodenschätze zu finden, und doch polarisiert diese Stadt seit vielen tausenden Jahren die übrige Welt. Drei Religionen haben in dieser Stadt ihre Wurzeln. In enger Nachbarschaft liegen die heiligen Stätten von Christen, Moslems und Juden.

Sie zeugen trotz aller Spannungen von einer uralten gemeinsamen Vergangenheit. Der Felsendom ist keine Moschee, sondern ein Schrein über dem Ort, von dem aus Mohammed in den Himmel geritten sein soll. Die Juden glauben, dass Abraham hier seinen Sohn opfern wollte.

Die Klagemauer- das bedeutendste Heiligtum der Juden. Sie beten hier, und stecken Zettel mit Fürbitten in die Ritzen.

Sechs christliche Religionsgemeinschaften teilen sich die Grabeskirche. Unter der Kapelle im Stil des türkischen Rokoko soll sich das Grab Jesu befinden. Jesus, der Jude, wird auch im Koran als Prophet erwähnt.

„Das jüdische Herz wird berührt, wenn wir uns den letzten Überresten des Heiligen Tempels nähern.“

Die Klagemauer, auch bekannt als die Westmauer des Heiligen Tempels, wurde als Stützmauer während der Herodianischen Renovierungsarbeiten des darüber liegenden Tempelberges errichtet.

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Oh, welche Geschichten diese Steine erzählen könnten! All der Kummer und das Leid in der jüdischen Geschichte ist in diesen massiven Steinen enthalten.

Millionen von Tränen sind geflossen, und Millionen von Gebeten wurden an diesem Heiligen Platz gesprochen.

Die niederen Steine wurden durch die Hände derer poliert, die sich an ihnen mit ihren Händen lehnten, und sie streichelten. Zahllose Juden berührten ihre heilige Oberfläche, versuchten das “Gesicht und Herz Gottes” zu berühren.

Eigentlich wusste ich wenig über das Judentum.

Der christliche Glaube entspringt dem Judentum.

Juden blieben meist unter sich, und, bedingt durch ihren Glauben, wurden sie auch schwer verstanden. Sie haben die eine Wahrheit, wie auch die anderen Glaubensgemeinschaften. So wurden sie verfolgt und vertrieben. Es wurde auf allen Seiten gemordet, weil Gott es so wollte.

Vieles passierte aus Missverständnissen, aus Unkenntnis, aus Arroganz, aus Macht und Habgier. Gott hatte es befohlen, aber welcher Gott?

Langsam gehe ich durch die „Via Dolorosa“, die Straße der Schmerzen. Es ist die Strecke, die Jesus nach seiner Verurteilung bis zur Kreuzigung gehen musste.

Vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus, bis zur Kreuzigungsstätte, auf dem Felsen Golgatha.

Gelangweilt sieht ein arabischer Händler den Pilgern hinterher, putzt die siebenarmigen Leuchter, haucht ein wenig Staub von den Marienstatuetten und Rosenkränzen. „Mir ist es egal, welcher Religion meine Kunden angehören“, sagt er. „Jerusalem ist für alle wichtig. Je mehr Pilger in die Altstadt kommen, desto besser für mich, schließlich lebe ich vom Handel“.

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Hier macht man eine Wahlfahrt, mitten in der Stadt. Man geht zwischen Marktständen und Teestuben, zwischen Kirchen, Synagogen, Moscheen, zwischen Franziskanermönchen, orthodoxen Juden, gläubigen Moslems und griechisch-orthodoxen Priestern in schwarzen Gewändern.

Es ist eine Reise zum Ursprung des Christentums, zu seinen Mythen und Überlieferungen.

Die Steine der Via Dolorosa sind blank geschliffen von den Füßen der Pilger. Doch hier flossen auch Ströme von Blut und Tränen, im Laufe der Jahrtausende. Es ist die Mystik, das Geheimnisvolle, das Unerklärbare, das mich mitreißt, das mich verzaubert. Diese Dinge tragen mich hinweg über den Alltag, über die vielen Ereignisse, die oft das Herz bluten lassen.

Wie vieles, kann man oft nicht verstehen, das passiert, oft sinnlos, dass oft das Leben dunkel erscheinen lässt.

Das ist es auch wahrscheinlich, das viele Millionen Menschen an solche Orte treibt. Dafür wollen sie auch sterben. Doch hier spürte ich es auch wieder. „Jerusalem braucht keinen vollkommenen Ritter mehr“. Jerusalem, dieser Ort hat auch niemals solche Ritter gebraucht.

Solche Gedanken entstanden nur in Gehirnen von Königen und Päpsten, von Hohepriestern sowie von Kalifen, die das Himmelreich auf Erden erschaffen wollten. Manchmal, sollte es so überhaupt geschehen sein, glaube ich, die Beweggründe von Jesus zu verstehen.

So stehe ich an einer Ecke der Via Dolorosa und versuche mit den jungen israelischen Soldaten klarzukommen. Sie sind im Moment die Herren hier im Land, sie bestimmen den Weg, wer ihn nicht mitgeht, hat in Israel nichts verloren.

Sie verkörpern das moderne Israel. Man hier gelernt zu überleben.

Ihr Leben ist eine Mischung aus den Worten von Moses, sowie die Knesset dem Einkammerparlament des Staates Israel.

Dort schreibt man heute die Geschichte dieses Landes neu, obwohl es viele Juden gibt, die am liebsten das Rad der Zeit zurückdrehen würden.

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