Kasachstan: was mich vier Muslime in einem kleinen Auto lehrten...

Kürzlich war ich für eine Reportage in Kasachstan unterwegs.

Sie wissen, wo Kasachstan ist? War mal ein Teil Russlands. Ist jetzt eine eigene Republik mit einem Präsidenten, der sich Nursultan nennt. Kasachstan ist das neunt größte Land auf dieser Erde. Besitzt weite Steppen und über 7000m hohe Berge. Kasachstan ist grossteils ein islamisch geprägtes Land.

Also fast alle, die dort leben sind Muslime. Als Besucher merkt man das aber kaum. Nicht wie bei den Saudis, oder im Iran: In Kasachstan sind die Kopftücher der Frauen bunt, oder gar nicht vorhanden. Der Islam beherrscht nicht das Stadtbild und das Leben der Menschen.

Aber zurück zu meiner Autofahrt.

Mit einem kleinen Sammeltaxi war ich von der Stadt Almaty in Richtung Westen unterwegs. Zuerst dachte ich, ich wäre der einzige Fahrgast die nächsten 500 km Richtung Westen.

Doch es stiegen noch zwei Frauen und ein Mann zu. Muslime natürlich, was mich aber nicht weiter störte, denn ich bin immer offen für fremde Kulturen. Sie begegneten mir, dem Ausländer, dem möglichen Christen, auch recht freundlich.

So steuerte der kleine PKW mit den vier Muslimen und dem Ausländer in die weite Steppe Kasachstan hinaus. Als dann nach einiger Zeit die Frau neben mir, sich ein Tuch über den Kopf zog und sie und ihr Begleiter zu beten begangen, war ich zuerst schon etwas irritiert.

herbert erregger herbert erregger

Das war normal für streng gläubige Muslime hier in Kasachstan. Ich hoffte nur, das nicht auch noch der Fahrer während der Fahrt zu beten begann, und sich möglicherweise vor dem Lenkrad verneigte. Doch das passierte nicht. Das ganze wiederholte sich bei jeder Vorbeifahrt an jeder Moschee.

Doch für mich auch interessant zu beobachten. Ich empfand das auch nicht als unangenehm. Religion ist für mich Privatsache, und wer in einem Auto neben mir beten will, der sollte es tun.

Ansonsten waren meine muslimischen Begleiter in diesem PKW freundliche, fröhliche herzliche Menschen. Wir tauschten soweit es sprachlich möglich war gegenseitig Informationen aus.

In Kasachstan spricht man russisch, oder kasachisch. Ich spreche beides nicht. Und Englisch ist hier wirklich eine Fremdsprache. Mein Auge schweifte während dieser stundenlangen Fahrt über die weite Steppe Kasachstan.

Ich sah große Pferde- Rinder und Schafherden frei herum streifen. Nur gelegentlich von einem Hirten, der auf seinem Pferd saß begleitet. Doch auch da war die Zivilisation in der Form eines Handy schon eingezogen. Ansonsten war das da draußen für mich eine andere Welt. Eine Landschaft die unendlich schien-ohne Anfang ohne Ende.

Wieder war nach einiger Zeit die Gebetsstunde neben mit angebrochen.

Doch ich hatte mich schon daran gewöhnt. Allah sieht alles. Mir wurde nur bewusst, Daheim in Europa begegneten mir andere Muslime, als hier in Kasachstan. In Europa sind es Schwarz vermummte Frauen, bärtige Männer - von Integration und Anpassung oft keine Spur. Fremdartiger als hier in Kasachstan. Hier in diesem Land war ich der Gast, und ich versuchte mich anzupassen, nennt sich Toleranz gegenüber einer anderen Kultur. Meine vier kasachischen BegleiterInnen spürten das, und zeigten ihr Interesse an dem Fremden aus dem fernen Westen.

Nach fünfmal beten und einigen gemeinsamen hundert Kilometern, war mein Ziel erreicht.

Ein anderes Auto wartete auf mich am Strassenrand.

Herzlich verabschiedete ich mich von meinen vier muslimischen BegleiterInnen und stieg in das Auto meiner zwei neuen Begleiter. Zu Nomaden in die weite Steppe wollten sie mich bringen. Dort wollte ich einige Tage leben, und mit ihnen auf die Jagd gehen. Sie jagen noch mit Pferd und einem Adler auf dem Arm.

Gewaltig ist diese Verbindung zwischen Mensch und Tier, hier in der Steppe von Kasachstan-

Auch diese Nomaden sind Muslime. Aber sie haben nichts gemeinsam mit ihren schwarz vermummten und bärtigen Glaubensbrüdern die etwas weiter im Süden leben.(Afghanistan-Pakistan)

Auch sah ich das erste Mal in meinem Leben, wie Muslime ihre Toten bestatten. Schöne Begräbnisstätten, ähnlich christlicher Natur.

Diese Tage die ich mit diesen Nomaden in der weiten Steppe von Kasachstan verbrachte, waren einzigartig. Aber das ist eine andere Geschichte.

herbert erregger herbert erregger

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