Multikulti in Marokko – warum das nicht funktioniert.

Marokko: Ich bin schon einige Male quer durch Marokko gereist, für meine Bücher und Reportagen. Erst letztes Jahr war ich wieder dort, alleine mit einem Jeep bin ich quer durchs ganze Land gefahren, um Filmaufnahmen zu machen.

Nicht immer bin ich freundlich empfangen worden. Ich sehe noch immer den haßerfüllten Blick einiger Muslime, als ich die große Moschee in Casablanka anschauen wollte. Ich wurde massiv beschimpft. Ich sollte als Ungläubiger verschwinden, aus diesem heiligen Bereich der Moschee. Nicht alle Menschen dort sind so. Manche sind liberal, manche eben sehr konservativ. Als Reisende in muslimischen Ländern müssen wir uns an die dortigen Sitten anpassen und uns auffällig verhalten. Frauen sollten achtsam sein, und nicht zu viel zeigen. Keine Hotpants, keine erotische Kleidung. Das Leben dort, das weiß ich als Kenner der Region, ist anders. Und das gilt nicht nur für Marokko. Ich habe viele muslimische Länder erforscht. Die Kultur, die Sitten, die Werten sind andere – da heißt es: Anpassen. Doch bleiben wir bei Marokko.

Im Atlas Gebirge, wo die beiden Europäerinnen ums Leben kamen – mein aufrichtiges Beileid an die Hinterbliebenen – waren die Einheimischen großteils freundlich zu mir. Aber es ist eine andere Welt, in der sie dort leben, eine andere als die Welt eines Europäers. Stellt Euch vor, da haben die Menschen noch keine Waschmaschinen, sie waschen sich die Wäsche am Bach. Da kennt man "Me too" nicht. Da haben die Frauen ihren zugewiesenen Platz im Leben. So wie es dort eben üblich ist. Da will auch niemand mit jungen Europäern aus dem Westen zusammen tanzen und singen. Sollte man beachten und respektieren.

Schwierigkeiten hatte ich meistens in den Städten. Dort war auch die Kriminalität sehr hoch, und man musste als Ausländer höllisch aufpassen.

So kam ich auch öfters nach Marrakesch.

Und in dieser Stadt begann ich mich bald für die europäische Multikultikultur zu schämen. Da liefen viele Deutsche und Österreicher schrill und bunt im Minirock herum, mit Highhills und stark geschminkt. Was soll das? Benimmt man sich so in einem Land, wo das nicht gerne gesehen wird? Ich habe mich geschämt.

Andere machten auf Kulturvermischung, und stylten sich marrokanisch. Ungeniert und halbnackt präsentierten sie sich vor den staunenden männlichen Marrokanern. Wir sind so cool, wir sind so aufgeschlossen. Eingeraucht und leicht betrunken, taumelten da viele auf dem Platz der Gaukler herum. Die Hände mit Henna bemalt, orientalisch verkleidet, mit Gekicher und Geplapper.

Die Einheimischen konnten über diese Menschen, über uns Europäer nur lachen. Und es ist auch lächerlich, welche Show dort Touristen bieten.

Dazwischen sah ich verschleierte Marokkanerinnen mit staunenden Augen, denn mehr sah man ja nicht von ihnen. Marokko, eine islamisches Land. Das darf niemand vergessen, der dorthin geht.

Ich konnte spüren und sehen, was sich viele der MarokkanerInnen über diese europäischen Multikultis dachten.

Sie lächelten darüber, ja sie lachten über diese weiblichen Clowns aus dem Westen. Ich saß nur staunend da, und beobachtete dieses bunte Treiben.

Und ich schämte mich, Europäer zu sein.

herbert erregger herbert erregger

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