Sterben, was ist das? So wie das Leben, was ist das? Gerade in den Tagen um Allerheiligen wird uns immer wieder bewusst gemacht, dass unsere Zeit relativ kurz bemessen ist auf dieser Erde.

Trotzdem nehmen wir uns wichtig, oft vielleicht zu wichtig. Tief im Inneren wissen wir alle, dass es einen Menschen gibt, der wir sein sollten. Wir spüren, wenn wir im Begriff sind, diese Person zu werden.

Ebenso gilt das Umgekehrte. Wir wissen, wenn etwas nicht stimmt und wir nicht der Mensch sind, der wir sein sollten. Bewusst oder unbewusst sind wir alle auf der Suche nach Antworten und versuchen, die Lektionen des Lebens zu lernen.

Wir kämpfen gegen die Angst, oft mit Schuldgefühlen. Wir streben nach Sinn, Liebe und Macht. Wir versuchen Angst, Verlust und Zeit zu verstehen. Wir alle möchten herausfinden, wer wir sind, und wie wir glücklich werden könnten. Wir suchen in der Religion, in der Liebe und in Büchern eine Antwort zu finden.

Aber allzu oft suchen wir im Geld, im Status, im perfekten Job oder an anderen Orten, und müssen erkennen, dass diesen Dingen der Sinn fehlt, den wir in ihnen zu finden hofften, und dass sie uns sogar Kummer machten. So bleiben wir oft mit einem Gefühl der Leere zurück und denken, dass das Leben wenig oder gar keinen Sinn hat, dass Liebe und Glück einfach Illusionen seien.

Oft muss man in dunkelster Verzweiflung Entscheidungen treffen, was man mit dem Rest des Lebens anfangen soll. Wir alle haben Aufgaben und Lektionen zu lernen, und nicht alle Lektionen sind angenehm. Aber gerade harte Zeiten und Schicksalsschläge haben das Leben oft reicher gemacht.

Man muss auch Freude haben können, an der Unvollkommenheit des Lebens. Wir alle sind auf einer Reise und niemand weiß, wie sie enden wird. Auf dieser Reise kommen viele Dinge auf einen zu, die wir bewältigen müssen, es ist die Reise des Lebens und sie formt uns. Jetzt im Herbst und zu Allerheiligen wird man mit dem Tod konfrontiert, mit dem Ende unseres Weges. Andere sind vorausgegangen, wohin?

Gerade in dieser Frage und in der Trauer wird einem das alles bewusst und man erkennt dass die Liebe das einzige ist, was zählt. Liebe ist wirklich das Einzige, was wir besitzen, behalten und mitnehmen können. Und so ist das Leben, man muss aufhören nach dem Glück da draußen zu suchen.

Viel Geld, ein toller Job, ein großes Haus, ein schönes Auto, das ist Glück von kurzer Dauer. Viele sind heute nicht deshalb unglücklich, weil das Leben so kompliziert ist. Viele sind deshalb unglücklich, weil wir die zugrunde liegende Einfachheit verloren haben. Wir kämpfen mit Ängsten und mit Eitelkeiten. Wenn ich das erreicht habe, dann bin ich glücklich, wenn ich viel Geld habe, dann bin ich glücklich, wenn ich Macht habe, dann bin ich glücklich.

Die einzige wirkliche Frage, die wir uns alle eines Tages stellen sollten, die ist "Wer bin ich"?

Und dann stellen wir sie uns immer wieder, wir können es verdrängen aber es kommt immer wieder. Wir wissen mit Sicherheit, dass es zwischen Geburt und Tod eine Erfahrung gibt, die wir Leben nennen. Aber bin ich der Körper, oder die Erfahrung, bin ich die Mutter oder Vater. Bin ich der Banker, Politiker oder Maurer. Bin ich ein Produkt meiner Erziehung?

Viele Fragen, wahrscheinlich sind wir nichts von alldem. Wir haben alle Fehler, aber das sind nicht wir. Wir sind es deshalb nicht, weil alles veränderbar ist. Ich kann lernen und mich verändern. Etwas aber bleibt trotz aller Veränderung und das muss unsere Seele sein, mit der wir schon geboren wurden, das sind wahrscheinlich wir, und unser Selbst das unveränderlich ist.

Wahrscheinlich können wir nur am Anfang und am Ende unseres Lebens sehen wer wir wirklich sind. Aber jeder trägt von uns den Begriff von Größe in sich. Groß nicht im Körperlichen Sinn sondern innere Größe. Großartige Menschen besitzen nicht etwas, das ein anderer nicht besitzt, sie haben einfach viele der Dinge beseitigt, die ihrem Selbst im Wege stehen.

Wir aber bewegen uns oft nur mehr in Masken und Rollen die wir angenommen haben. Und damit haben wir verlernt, dass wir nicht diese Maske oder Rolle sind, sondern ganz wer anders. Es ist wie bei einer Zwiebel, Schale um Schale muss man sie abschälen. Darunter hat jeder seine ganz eigene Geschichte, eine Geschichte die niemanden ähnlich ist, die jeden Menschen zu etwas besonderen macht. Ob wir am Anfang oder am Ende unseres Lebens stehen, auf der Höhe des Ruhms oder in den Niederungen der Verzweiflung, wir sind trotzdem immer nur Menschen, hinter diesen Lebensumständen. Im Leben geht es darum, was man ist, nicht was man tut. Zu sehr identifizieren wir uns mit dem Körper.

Doch auch wir können seine Vergänglichkeit nur kurz beeinflussen. Viele Wissenschaftler und Mediziner beschäftigen sich nur damit, wie kann man das Älterwerden und den Tod hinauszögern. Aber wie lange wir es auch hinausschieben können, entrinnen kann ihm keiner. Da würde jetzt so mancher sagen, Die einzige Gerechtigkeit.

Der Tod ist aber keine Person, sondern eine Grenze.

Eine Grenze zwischen Diesseits und dem Jenseits. Begriffe die sich nicht messen, nicht realisieren lassen. Es gibt sicher viele Menschen für die ein Leben nach dem Tod nicht existiert. Alles ist für sie in dieser einen erdgebundenen Existenz enthalten. Sie krallen sich fest an Hab und Gut und können nicht loslassen.

Jetzt zu Allerheiligen steht man da, wieder vor all diesen Fragen. Da sind welche vorausgegangen, Wohin? Sie können sich doch nicht in Luft aufgelöst haben.

Menschen die gelebt, geliebt, und wunderbares vollbracht haben.

Viele wunderbare Seelen, auch mit Ängsten, mit Träumen und mit Hoffnung dass die Seele unsterblich ist.

herbert erregger herbert erregger

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