Tibets heiligster Tempel brennt und allen ist's egal!

Die heiligste Stätte der tibetischen Buddhisten ist in Flammen aufgegangen. Der Brand im Jokhang-Tempel in Lhasa konnte gelöscht werden, die Ursache ist noch unklar.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, der Brand habe schnell gelöscht werden können. Es habe weder Tote noch Verletzte gegeben. Über das Ausmaß der Schäden in dem Tempel, der im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden war, lägen noch keine Angaben vor. Auch zur Brandursache gibt es bisher keine Angaben.

Nicht auszuschließen, dass China selbst dahinterstecken könnte. Denn die Welt sieht tatenlos dabei zu, wie die Chinesen Tibet eingenommen und die Tibeter gefoltert und ausgerottet haben. All das stört den Westen wenig. Niemand will sich mit der neuen Weltmacht China anlegen. Wegsehen – das ist, was wir alle tun, wenn es um das tragische Schicksal der Tibeter geht. Viele Tibeter haben sich bereits in Brand gesteckt, um auf ihr Leiden aufmerksam zu machen, doch selbst das scheint wenig zu kümmern. Nichts ändert sich.

herbert erregger herbert erregger

1985 stand ich das erste Mal vor dem Jokhang Tempel in Lhasa, in Tibets Hauptstadt. Danach noch zwei Mal. Inzwischen hat sich aber Lhasa durch die Chinesen so stark verändert, dass es fast wie eine hässliche chinesische Provinzstadt aussieht. Das einzige, was noch über Lhasa thront, ist der Potala, der alte Winterpalast des Dalai Lama. Die Chinesen haben daraus ein Museum gemacht.

Ich möchte nicht wirklich mehr nach Lhasa reisen, zu viel hat sich dort verändert. Chinas Plastikwelt ist auch in Tibet eingezogen. Jetzt hat es im heiligsten Tempel aller Tibeter gebrannt, im Jokhang Tempel. Für Tibeter ist er das Höchste im Leben. Pilger waren früher oft monatelang unterwegs, um dieses Ziel zu erreichen. Körperlänge für Körperlänge warfen sie sich zu Boden, bis sie endlich die heilige Stadt erreichten.

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Ich war 1985 im Jokhang Tempel, und auch im Potala. Damals gab es um diesen Tempel noch viele tibetische Häuser, jetzt hat hier China alles verändert. China hat mit Lhasa ein Freiluftmuseum für zahlungskräftige Touristen aus dem Westen geschaffen. Was in Tibet passiert, das bestimmt China.

Es wurde auch eine Eisenbahn gebaut vom chinesischen Tiefland, bis nach Lhasa. Lhasa liegt auf 3650 m Seehöhe. Nicht jeder kann in dieser Höhe leben. Touristen lassen es sich viel kosten, einmal nach Tibet reisen zu können. Aber auf die Tibeter hat man vergessen. China bestimmt und China kassiert. Der Westen ist vom Dalai Lama und von Tibet fasziniert, aber sieht zu, wie Tibet stirbt.

Der Legende nach wurde der Jokhang im Jahre 639 von König Songtsen Gampos nepalesischer Gemahlin, der Prinzessin Bhrikuti errichtet,

Ich habe 1985 noch ein kleines Stück altes Tibet erleben dürfen.

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Auch hatte ich Kontakt mit Prof. Heinrich Harrer (Sieben Jahre in Tibet), der mir ein paar alte Dias von Lhasa schenkte. Er und Peter Aufschnaiter haben noch das wirklich alte Tibet erlebt.

Oft saß ich damals vor dem Jokhang Tempel in Lhasa und beobachtete die gläubigen Tibeter, wie sie sich stundenlang vor dem Heiligtum zu Boden warfen.

Kleine Tschorten, kleine Öfen brannten davor, darin wurde würziges Holz verbrannt. Es roch geheimnisvoll und mystisch. Auch betrat ich den Jokhang Tempel, und ließ mich mit den Tibetern durch die dunklen Gänge treiben. Überall brannten Jakbutterkerzen und es hatte einen eigenartigen Geruch. Schatten huschten über die große Buddhastatue inmitten des Tempels. Ich hörte das Murmeln der Gebete, und sah in die glücklichen glänzenden Augen tibetischer Kampas. Ich war für kurze Zeit in eine andere Welt eingetaucht.

Tibet hat unter den Chinesen viel gelitten. Über eine Million Tibeter wurden umgebracht, und fast alle heiligen Stätten wurden zerstört. Noch heute vegetieren viele Tibeter in chinesischen Gefängnissen dahin. Nichts hat sich verändert. In Tibet stirbt ein einzigartiges Volk, und die übrige Welt schaut zu.

Das ist sehr traurig, auch traurig für unsere Zukunft. Jetzt hat der Jokhang Tempel gebrannt. Doch es gibt keine genauen Informationen darüber. China bestimmt wieder einmal, was in die Medien kommt, und was nicht.

So wird wieder ein Stück Tibet sterben, für immer und wir alle sehen teilnahmslos zu.

Welche Scheinheiligkeit von vielen aus dem Westen, die sich bewusst mit Tibet 'identifizieren, den Dalai Lama bewundern, aber vor lauter Scheinheiligkeit vergessen, dass wir alle Mitschuld tragen, an der Vernichtung dieser einzigartigen Kultur auf dem Dach der Welt.

Tibet darf nicht sterben!

herbert erregger herbert erregger

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