Rassismus bedeutet, einer Gruppe von Menschen aufgrund bestimmter Merkmale negative Eigenschaften zuzuschreiben. Die Deutschen und Österreicher haben das mit den Juden gemacht und ein schreckliches Verbrechen begangen. Nun, so lautet die große Angst, drohe den Muslimen solch ein Unrecht. Man müsse aufpassen, den Muslimen nicht selbiges anzutun wie einst den Juden. Soso.

Der Wind fegt die Spuren der Vergangenheit hinweg. Was aber bleibt ohne gesehen zu werden, das sind Schuld und Haß, beide quälen Menschen über viele Generationen hinweg. Deutsche und auch Österreicher. Sie haben Millionen Menschen bestialisch ermordert, keine Frage, aber ich fühle mich nicht verantwortlich. Die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich nicht mehr verantwortlich, sie weiß, dass ihre Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern Schreckliches zu verantworten haben, aber sie weiß auch, dass das Geschichte ist, dass an ihren Händen kein Blut klebt.

Bei der anderen Hälfte der Bevölkerung ist es anders. Aus Angst, dass sich die Geschichte wiederholt, machen sie Fehler, die sie als solche leider nicht erkennen. Sie zerstören aus falscher Toleranz ein ganzes Land, sie zerstören Werte der Freiheit und der Gleichheit. Der Grund dafür ist eine nicht verarbeitete Vergangenheit.

Wie viele Generationen müssen die Bezeichnung Nazi noch erdulden, wie viel Schuld sollen die nächsten Generationen noch mit sich tragen? Nein, ich fühle mich nicht verantwortlich.

Sind wir alle, für immer schuldig, Schuld am 2. Welt-Krieg, Schuld an der grausamen Vorgangsweise der damaligen Nationalsozialisten? Sind wir schuld, deutsch zu sein? Ist das nicht auch eine Form von Rassenhass und Rassismus? Wir hassen uns selbst. "Deutschland, verrecke!", musste ich in den letzten Monaten so oft lesen. Ist das nicht schlimm?

Pommern 1945. Meine Mutter musste damals als ganz junges Mädchen aus ihrer Heimat fliehen, vor der herannahenden russischen Armee, unter großen Strapazen.

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Sie hat niemals ihre Eltern, ihren Bruder, wiedersehen können, weder lebendig noch tot. Sie hatte alles verloren. Pommern ist heute ein Teil von Polen. Alles Deutsche wurde damals umgebracht, oder vertrieben. Jetzt war ich dort, im ehemaligen Pommern, um Spuren meiner mütterlichen Herkunft zu finden. Doch was habe ich gefunden? Die Gräber meiner Großeltern, Onkeln und Tanten, von den Polen zerstört und verwüstet, die Grabkreuze und Grabsteine gestohlen.

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Der Waldfriedhof war nur mehr eine Müllhalde, wo noch manchmal jemand zwischem dem Müll, Blumen und Kerzen hinlegt.

Ich habe meine Verwandten nicht gekannt, jetzt stand ich auf dieser Müllhalde mitten im Wald, ganz im Norden an der Ostsee.

Diese Gräber wurden erst viele Jahre nach dem Krieg zerstört, die Grabsteine gestohlen, und mit Müll zugedeckt. Alles Deutsche musste verschwinden. Häuser, Gräber, Namen, Dörfer, Menschen.

Deutsch sein, heißt anscheinend auch heute noch immer, ein Nazi zu sein, deutsch sein, das heißt Schuld mit sich zu tragen.

Aber ich persönlich, empfinde keine Schuld, ich frage mich schon, wie viele Generationen müssen noch diese Schuld tragen?

Es müssen dort in Pommern, einst schöne Stadte Dörfer und Häuser gewesen sein, Häuser, Kirchen, Ratshäuser, alles gebaut mit roten Ziegelsteinen. Man sieht sie überall, teils aber ziemlich verkommen und zerstört.

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So, als wollte man auch diese deutsche Vergangenheit auslöschen.

Aber man trifft heute immer wieder Menschen in den Städten und Dörfern Pommerns, ehemalige Vertriebene, die gekommen sind, um Spuren zu finden.

Es macht traurig, vor zerstörten Erinnerungen, zerstörten Gräbern zu stehen, mit dem inneren Gefühl, für immer dafür selbst die Schuld tragen zu müssen. Auch heute noch gehen viele, die damals nicht dabei waren, recht locker mit der Bezeichnung Nazi um. Bezeichnen ihre eigenen Mitbürger als solche, und sprechen von dieser immer währenden Schuld. Und sprechen davor, die Muslime wie die Juden unter Hitler zu behandeln.

Jetzt frage ich mich wirklich:

Trägt jeder Deutsche und Österreicher das Mahnmal der Nazi-Zeit auf der Stirn, für alle Zeiten?

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