"Wie meinen?" -einmal ein guter Artikel mit Aussagekraft-

Normalerweise ist es ja so:

Es gibt irgendwo auf der Erde ein Erdbeben oder einen Hurrikan oder eine andere Naturkatastrophe und die Weltgemeinschaft rauft sich zusammen und schickt, was vor Ort fehlt, oft handelt es sich ja um arme Länder: Hilfskräfte, Essen, Trinken, Bagger, Geld, gute Worte. Nun wurde auf Lesbos ein Flüchtlingslager abgefackelt, aber es brannte nicht ganz Griechenland ab. Soweit ich das aus der Ferne beobachten kann, haben die Geschäfte überall weiter offen, die Wirtschaft hat keinen Lockdown, es gibt zu kaufen, was es bei uns halt auch gibt.

Damit mich niemand missversteht, ich bin sehr für Hilfe, überall. Schnell muss es gehen, zielgerichtet soll es sein, kosten darf es, was es wolle. Die Griechen brauchen jede Unterstützung, aber wäre es nicht vernünftig, man gäbe ihnen Geld und sie kaufen dann damit ein, was sie brauchen? Sonst passiert es, dass irgendein Land auf die Idee kommt, Tsatsiki zu liefern oder Moussaka oder kaltgepresstes Olivenöl, ein paar Flaschen Ouzu oder eine Sirtakigruppe, Meerwasser oder Muscheln, in denen man ein Rauschen hört, wenn man sie ans Ohr hält. Von all dem haben die Griechen nämlich reichlich.

Oder aber anders gefragt: Warum setzt sich jetzt jedes Land der EU auf eigene Faust in einen Flieger oder Lastwagen und transportiert Hilfsgüter in ein anderes EU-Land? Die Griechen hätten ja auch eine Liste nach Brüssel schicken können, was sie benötigen, die EU hätte die Länder gefragt, was sie bereitstellen mögen und dann hätte die EU alles in den Süden verfrachten lassen. Vielleicht heißt die EU ja deshalb Europäische Gemeinschaft, weil es sich um eine Gemeinschaft handelt. Handeln soll. Eventuell bedeutet es aber auch, dass manchmal die Teilnahme an der Gemeinschaft ungemein schafft.

Jedenfalls wurden 400 voll ausgestattete Familienzelte für je fünf Personen samt Heizungen und Zentralbeleuchtung, 2.700 Luftmatratzen mit Polster und Bettwäsche, 7.400 Decken und 2.000 Hygienepakete, alles in allem 55 Tonnen schwer, in eine Antonow 124 verladen, das Frachtflugzeug musste sein Maul ganz weit aufreißen, um die Lieferung in Wien an Bord zu bekommen. Den Innenminister nahm der Flieger auch noch auf, das spielte keine Rolle mehr. Von „150 Paletten Solidarität“, sprach Karl Nehammer, ein paar Paletten Kalkül werden auch dabei gewesen sein. Es fielen schöne Bilder ab vom Minister mit den aufgekrempelten Ärmeln unter der südlichen Sonne. Und vielleicht dachte er still bei sich: Wenn die Flüchtlinge einheizen und das Licht einschalten, es wohlig warm wird und sie sich auf die Luftmatratzen schmeißen und sich in die Bettwäsche kuscheln, dann werden sie nicht auf den blöden Gedanken kommen, zu uns reisen zu wollen, wenn sie es doch so schön haben, wo sie gerade sind.

Das will der Innenminister nämlich ganz und gar nicht, er weiß sich hier in einem Sinn mit dem Kanzler. „Wenn wir dem Druck gewaltbereiter Migranten nachgeben, lösen wir einen Flächenbrand aus“, sagte er der „Krone“, die ihn auf dieser Mission begleitete und irgendjemand aus dem Umfeld – die „Krone“ nennt ihn schlicht „ein Grieche“ – fügte an „dann brennt Europa“. Schlau wie wir sind, haben wir den Hilfspaketen deshalb auch keine Zündhölzer beigefügt.

Die Angst ist übrigens unbegründet, denn Griechenland gibt die Flüchtlinge gar nicht her. „Wenn einige Leute denken, sie könnten hier einen Aufruhr organisieren, bekämen dann Asyl und könnten dann in ein anderes europäisches Land, dann irrten sie. Wenn sie das durchgehen lassen würden, könnte das andere ermuntern, sie nachzuahmen“. Sagt nicht Kurz, nicht Nehammer, nicht Kickl, nicht Hofer, nicht Strache oder Nepp, sondern Notis Mitarakis, der griechische Migrationsminister.

Auf Karl Nehammer und seine „150 Paletten Solidarität“ mit der rot-weiß-roten Fahne darauf, wartete am Flughafen dann nicht Mitarakis, sondern der griechische Innenminister Theodoros Livanios. Er wird erleichtert gewesen sein, dass der Besuch aus Österreich keine Blaskapelle mit hatte und auch nicht Andreas Gabalier auf die Rollbahn sprang, um die Bundeshymne zu singen, ohne Töchterstrophe natürlich, der Grieche versteht das.

Quelle:msn

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