#Wunderbare Geschichten# Weihnachtsfest im Altersheim.

Weihnachtsfest im Altersheim

Es ist eine kleine Welt geworden. Aber sie haben sich wie kleine Kinder gefreut, auf dieses für sie gestaltete Weihnachtsfest.

Ihr schönstes Gewand haben sie angezogen, die alten Damen hatten sich oft die einzige wertvolle Kette umgehängt, die sie noch aus der anderen Welt mitgebracht hatten, und so trippelten Sie mit ihren Rollator zur Weihnachtsfeier im Altersheim.

Der Speisesaal war schön geschmückt worden, es gab Kekse und Getränke gratis.

Da waren auch Frauen, die man sonst ganz selten sieht. Viele verbringen ihr Leben oft allein in ihrem Zimmer, und kommen selten heraus.

Zu beschwerlich, zu umständlich ist das Leben geworden.

Es gab Frankfurterwürstel und dazu eine Semmel.

Dann sprach der Direktor, er erzählte von der guten alten Zeit, und wie Weihnachten einmal war.

Aber wie war Weihnachten einmal, dachten sich manche der Alten.

War es doch auch eine harte Zeit, da draußen in diesem anderen Leben, das so fern erscheint, so unwirklich.

Es spielt die Musik, ein paar Musiker spielen vorweihnachtliche Stubenmusik.

Manche der Alten halten die Augen geschlossen, manche hoffen, das, dass bald hier vorbei ist, und manche sehen in die Ferne.

Wieder spricht jemand, ein Politiker. Er erzählt von der stillen Zeit, vom teilen, vom nachdenken, und von sonst irgendwelchen Dingen.

Ein paar Ehrengäste werden vorgestellt, und irgendwann dann erwähnt man sie, die alten Leute.

Manche sehen sich an ,und lächeln.

Dann singen sie das Lied, das Weihnachten ausmacht “Stille Nacht, heilige Nacht“.

Und dieses Lied berührt plötzlich die Herzen der Alten, manche singen laut mit, manche weinen, aber man sieht ein kleines Glück aufleuchten in ihren Augen.

Wie klein ist ihre Welt doch geworden. Da sind andere, jüngere, die sich wichtig nehmen.

Die gehen wieder hinaus in die andere Welt, von der sie gerade erzählten.

Von einer Welt, die keine Stille mehr kennt, die hektisch und unpersönlich geworden sein soll.

Diese Welt da draußen, war auch einmal die ihre, doch jetzt ist sie so fern, irgendwie unwichtig geworden.

Das Lied Stille Nacht verklingt, und kurz herrscht Stille im Raum.

Dann sagt der Direktor, dass er allen ein schönes Weihnachtsfest wünscht, und viel Gesundheit.

Ja, die Gesundheit, das wäre schön, einmal weniger Schmerzen empfinden zu müssen.

Langsam trippeln sie zurück, die Alten in ihre Zimmer, in ihre kleine Welt.

Dort wo sie tagtäglich am Fenster sitzen und hinaus schauen, in diese ferne Welt von damals.

Es ist Weihnachten, und manchmal fliest eine kleine Träne aus den müden Augen.

Das ist aber der Augenblick, wo vielleicht kleine Engel durch das Zimmer fliegen.

Wie damals, als sie noch Kinder waren, und sie sich auf das Christkind freuten.

Niemand sollte vergessen, dass Alter kommt und nimmt dich mit- und man sitzt dann alleine am Fenster und sieht hinaus, in diese ferne Welt von damals.

Weihnachtsfest im Altersheim.

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Spinnchen

Spinnchen bewertete diesen Eintrag 22.12.2016 22:00:27

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