Yukon Quest – Die wahren Helden sind die Hunde.

Alaska-Kanada: Dawson City-Yukon 2020

Es ist kalt, sehr kalt. Der eisige Wind schmerzt im Gesicht und meine Finger sind gefühllos erstarrt. Ich spüre mich nicht mehr. Und doch. Da ist es. Ganz stark. In meinem Inneren, da brennt ein Feuer. Das Feuer des Abenteurers.

Dawson City-Jack London-Goldrausch und Wolfsblut.

Es ist als spüre ich die Geister der Vergangenheit, und diese Vergangenheit ist hier in Dawson City immer noch lebendig. Mut, Verrücktheit, Sehnsucht und die Suche nach dem Sinn des Lebens. All das spüre ich hier. Aber auch die Suche nach Gold ist immer noch allgegenwärtig.

Aber der Reihe nach. Habt Ihr schon vom Yukon Quest gehört? Nein? Er ist eines der härtesten, wenn nicht das härteste Schlittenhunderennen dieser Welt. Wagemutige Männer und Frauen, die keine Strapazen scheuen, die ihr Leben riskieren für Freiheit, Mut und Leben sind dabei. Und machen mit – ebenso wie diese wunderbaren Tiere. Mit Leidenschaft. Das Leben spüren zu können in dieser Wildnis, in diesen Weiten, das ist etwas ganz Besonderes. Sich mit der Natur zu messen, sie aber nicht herauszufordern. Denn wer sich hier am Yukon nicht anpasst, der geht schnell zu Grunde.

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1600km von Fairbanks in Alaska bis Whitehorse in Kanada.

2020 sind es 15 Teilnehmer. Mehr nicht.

Musher-Innen mit jeweils 14 Hunden, die sich der Herausforderung Yukon Quest stellen.

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Kälte, Wind, Eis, Schnee, Schweiß und Tränen.

Wölfe-Elche-Karibus. Ein Schlitten gezogen von 14 Hunden. Verrückt sagen einige, fantastisch andere.

Wie auch immer, ich finde es fantastisch und ich bin auch etwas verrückt.

So wie alle anderen, die hier jetzt nachts bei 28 Grad minus am Quest Checkpoint warten bis der erste Musher mit seinen Hunden eintrifft. 527 Meilen sind es von Fairbanks bis Dawson City. Und dann noch mal 460 Meilen bis Whitehorse. Gesamt 1.600km.

Welche Geschichte umgibt mich hier? Goldrausch-Glück-Unglück-und auch der Tod. Etwas Unlogisches, etwas, so wie der Yukon Quest. Vielleicht sinnlos und doch berauschend und einzigartig. Denn was ist das Leben?

Ist es nicht eine tägliche Herausforderung? Eine Suche nach sich selbst und nach dem Sinn unserer Existenz? Der Yukon Quest ist so etwas. Er gibt Antworten auf solche Fragen.

Plötzlich kommt Bewegung am Check Point. Wir alle, die da in der Kälte warten, starren in die Dunkelheit. Jemand schreit laut auf, andere Rufe folgen. Und da kommen sie aus der Dunkelheit.

Die Hunde und ganz hinten der Schlitten mit dem Musher. Es ist Brent Sass,ein Amerikaner, einer der Besten auf dem Yukon Quest, ein Veteran. Die Hunde passieren die Halbzeit -Ziellinie und der Schlitten kommt zu stehen. Brent Sass, sein Gesicht ist vereist, Eiszapfen hängen von seinem Bart herab. Seine Augen eingefallen, aber sie leuchten. Die Hunde sinken zu Boden, ihre Schnauzen sind vereist, man sieht ihnen die Strapazen an.

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Aber da ist plötzlich eine Atmosphäre, so als wäre etwas Außergewöhnliches in unser Leben getreten.

Mut, Abenteuer, Liebe, Vertrautheit.

Man will diese Hunde berühren, sie streicheln sie einfach festhalten. Die wahren Helden des Yukon Quest. Ich blicke in ihre Augen, ich spüre trotz ihrer äußerlichen Müdigkeit die Wildheit darin. Tier und Mensch sind eine Einheit geworden. Ich liebe diese Hunde, ja, ich bewundere sie, ich möchte sie einfach umarmen und an mein Herz drücken. Wenn man nicht beim Yukon Quest dabei war, kann man diese Gefühlsempfindungen nur schwer vermitteln. Es gibt diese Augenblicke im Leben, wo man spürt, dass da gerade etwas Großartiges passiert.

Das ist der wahre YUKON QUEST. Man trägt ihn im Herzen.

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Ich habe Tränen in den Augen, so berührt mich dieser Augenblick. Niemals werde ich diesen Augenblick vergessen. Später kommt Michelle Phillips mit ihren Hunden am Check Point an. Sie ist auch "Veteran" und eine hervorragende Musherin. Wieder durchlebe ich dieselbe Gefühlswelt. Und wieder verneige ich mich zuerst vor der Leistung dieser Hunde.

Oh Gott, sie kommen mir so klein so zerbrechlich vor, und doch sind sie eine geballte Kraft

Ich bin selbst etwas durch diese Wildnis hier am Yukon gestreift.

Da existiert eine Stille, die dich verrückt machen kann. Und wenn dann Wölfe in der Nähe heulen, dann weißt du, wo du wirklich bist. Denn dann bekommst du Gänsehaut und Ehrfurcht durchfährt dich wie ein Blitz deinen Körper. Einen Wolf heulen zu hören ist wie ein Lottogewinn. Man begegnet auch Elchen und Füchsen. Die Wildnis lebt. Und man trifft einige Trapper, Goldsucher wie 1897 zu Jack Londons Zeiten.

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Am Yukon zeigt dir die Natur deinen Stellenwert als Mensch. Wer sich nicht anpasst, wird ein Teil dieser Natur, nämlich schnell tot und vergänglich. Das kann schnell gehen, die Kälte macht dich müde und du gleitest hinüber in das Reich der Toten. Und es sind viele, die hier seit 1897 verblieben sind.

Trotz moderner Technik, trotz besserer Ausrüstung bleibt der Yukon Quest eine Herausforderung für jeden der Teilnehmer. Man kann sich zwar darauf vorbereiten, doch die Spielregeln gibt die Natur vor. Doch wer das Leben einmal wirklich spüren will, der sollte diese Herausforderung annehmen. Egal, ob als Teilnehmer oder als Begleiter des Yukon Quest.

460 Meilen noch von Dawson bis Whitehorse.

Es hat zu schneien begonnen, und der Wind bläst den Schnee ins Gesicht. Eine mörderische Herausforderung für die Hunde. Die Musher schlafen bei diesem Rennen sehr wenig, so dass es auch passieren kann, dass jemand ohnmächtig vom Schlitten fällt. Die Hunde laufen weiter, bemerken das oft nicht und die Kälte, die kann tödlich sein. Auch hörte ich die Geschichte von zwei Amerikanern, die nachts im Schneesturm mit ihrem Auto eine Panne hatten. Sie zündeten in ihrer Not ihr Auto an, und konnten so die Nacht überleben. Es gibt viele Geschichten vom Yukon und am Klondike- Jack London hat viele davon erzählt. Und viele faszinieren diese Geschichten noch heute.

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Beim Zieleinlauf des Yukon Quest in Whitehorse schließt sich der Kreis. 2020 nennt sich der Yukon Quest Sieger Brent Sass. Doch das ist nur einer der Namen. Sieger sind sie alle, alle, die sich dieser Herausforderung Yukon Quest gestellt hatten.

Und die wahren Helden, das sind und bleiben die Hunde. Diese kleinen zerbrechlich wirkenden Wesen, die ich alle umarmen möchte. Sie alle sind in meinem Herzen. Nichts kann die Liebe zwischen Mensch und Tier deutlicher zeigen als der Yukon Quest. Diese Hunde gehen für ihren Musher an ihr Limit und darüber hinaus.

Für mich sind sie gerade deshalb die wahren Helden. Ich werde wiederkommen zum Yukon Quest, das weiß ich schon heute. Denn er hat mein Leben und vor allem meine Seele bereichert.

So wie der Yukon und seine Menschen.

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