Man befindet sich an der Kreuzung, immer.

Im Radio spielen sie Swing, die beschwingte Musik der Kriegskinder, die viele von ihnen auf die Jazz Schiene bringen wird. Springen auf und dampfen davon, keine Zeit, ihnen zu winken, der Zug pfeift frei und ungehindert durchs Land der Wunder von Bern und Lengede, es swingt in den Kasernen der mehrstöckigen Siedlungsbauten.

Die Vergangenheit verschwindet im Schacht gefüllter Kohlenkeller, wird zugedeckt mit Ruß und schwarzem Staub, und das nicht nur in deutschen Landen, die ganze Welt will möglichst schnell vergessen. Weder kann die Schuld abgewaschen werden noch jemals vergeben, aber man kann den Mantel des Schweigens über ihre Hässlichkeit breiten. Und auf den Gräberfeldern tanzen, wenn man die Gnade der späten Geburt sein eigen nennen darf.

Und doch ist es überall zu spüren, das Grauen des totgeschwiegenen Verbrechens, sein Gestank dringt aus allen noch so gut verschlossenen Ritzen und droht die Unschuldigen zu ersticken und erdrücken, denn wie man es auch drehen und wenden mochte, genau das sind sie: Unschuldig, ohne Schuld wie der Rest der Welt, so wenig damit beladen wie die Musik der Siegermächte und Besatzer. Sie wissen es, sie leben es, nur sagen dürfen sie es nicht.

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Graue-Eule

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