Der Red River War wird zum Symbol für die Tragödie der ausgehungerten Stämme.

Gemeinsam mit den Comanche unter der Führung ihres Häuptlings Quanah Parker branden die hungernden Cheyenne und Kiowa in einem wutentbrannten Ansturm vergeblich gegen die Bisonschlächter an, die die zweihundertfünfzig oder auch mehr Krieger mittels ihrer mörderischen Präzisionsgewehre, der sogenannten Sharps Rifles, auf Distanz halten können und die Angreifer zum Rückzug zwingen - was mich unsagbar zornig und wütend macht, da die Hölle für diese Scheißkerle ein viel zu gnädiger Ort ist.

Der Kwahadi Häuptling Quanah, der in den Bisonmördern nicht zu Unrecht die größte Gefahr für das Überleben der Präriestämme erkannt hat, ist ein waschechtes Halbblut. Seine Mutter Cynthia Ann Parker wird mit neun Jahren während der Comanche Aufstände Mitte der Dreißiger beim Überfall auf eine Siedlung als Gefangene genommen und von der Familie des Häuptlings Pahauka adoptiert. Als das Mädchen vier Jahre später von einem Händler am Canadian River entdeckt wird, wo ihr Stamm angesiedelt ist, und dieser sie freikaufen will, verweigert Pahauka die Herausgabe seiner liebgewonnenen Adoptivtochter, und auch diese macht keinerlei Anstalten, mit dem fremden Weißen mitzugehen. Im Lauf der nächsten Jahre wächst Cynthia zu einer ausgesprochenen und umworbenen Schönheit heran, schließlich heiratet sie den Häuptling Peta Nocona.

Ihrem erstgeborenen Sohn geben die Eltern den Namen Quanah, ihm folgt der jüngere Bruder Pecos und die kleine Schwester Topasannah. Quanah ist sechs Jahre alt, als erneut weiße Jäger das Lager besuchen, seine Mutter vorfinden, an ihren blauen Augen als Weiße erkennen und Cynthia anbieten, mit ihnen „nach Hause“ zu kommen, doch diese beteuert die Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern, weigert sich entschieden und ist weder durch Zureden noch mit verlockenden Angeboten zu ihrer „Befreiung“ und Rückkehr in die Zivilisation zu bewegen.

Im Alter von dreiunddreißig Jahren wird sie dennoch von derselben eingeholt, als ihr Lager am 18. Dezember 1860 von vierzig Texas Rangers unter Führung eines gewissen Captain Sul Ross völlig unvermittelt überfallen wird und mit Unterstützung der 21. US Kavallerie die ahnungslosen Menschen, Männer, Frauen und Kinder höchst grausam niedergemetzelt werden. Die aus arbeitslos gewordenen Soldaten und Deputies, Revolverhelden, Kopfgeldjägern, Büffelschlächtern, Abenteurern, Glücksrittern und eigens für ihre „Berufung“ zum Dienst am Staate begnadigten Banditen, Bankräubern und Totschlägern zusammengewürfelten Freiwilligentrupps der paramilitärischen Texas Rangers fallen mit entfesselter Brutalität und Bestialität über jedes Lager her, das ihren „Einheiten“ unter die Hufe kommt.

Die demoralisierten Männer, die nichts mehr zu verlieren haben und gut bezahlt werden, machen dabei unterschiedslos ausnahmslos alles nieder, was sich an lebenden Rothäuten in den Zelten oder außerhalb davon befindet, egal welchen Alters und Geschlechts, und zwar mit solcher Gründlichkeit, dass einem der ihren die Lust daran zu vergehen scheint, als er sich weigert, einem selbst geschossenen Comanche den Skalp vom Schädel zu säbeln, worauf sein Vorgesetzter den Überdrüssigen im Befehlston anbellt:

„Nach den Jagdregeln steht immer dem Mann der Pelz zu, der das Wild erlegt hat.“

Wohl gelingt Cynthia mit ihrer Familie zuerst die Flucht, bei einer erbarmungslosen Verfolgungsjagd jedoch wird ihr Mann Nocona erschossen - angeblich von Ross daselbst, der sich bis heute damit brüstet bis hinauf zum Gouverneur -, die weiße Kwahadi gerät mit ihrer Tochter in Gefangenschaft und wird unverzüglich zu Verwandten gebracht, die seinerzeit den Angriff auf die Siedlung überlebt hatten.

Dort überkommt Cynthia, der das von Zwängen beengte und trostlose Leben der Weißen längst fremd und verhasst geworden ist, tiefe Trübsinnigkeit, die weiße Comanchefrau versinkt in düstere Schwermut, laut Augenzeugenberichten sieht man sie niemals lachen, wiederholt unternimmt die Verzweifelte vergebliche Fluchtversuche, und als nach vier Jahren Überlebens bei der hilflosen Verwandtschaft ihre Tochter Topasannah, die „Kleine Prärieblume“, dem Fieber erliegt, verweigert sie von deren Todesstund an jede Nahrung und folgt ihrer geliebten Tochter nur wenig später. Als Todesursache werden von den Hinterbliebenen „Gram und Heimweh“ angegeben.

Währenddessen wächst Quanah bei den Kwahadi, die dem Massaker entkommen hatten können, zum tapferen Krieger heran, die Überlebenden haben sich weit in den Llano Estacado zurückgezogen, eine unwirtliche und karge Gegend, für den weißen Mann nicht gerade verlockend und deshalb vergleichsweise sicher. Als nach dem Bürgerkrieg die großen Siedlerströme in den Westen vordringen und das systematische Massenmorden der Büffelherden vorangetrieben wird und unaufhaltsam fortschreitet, ist Quanah bereits zum Häuptling gewählt und startet im Verbund mit Cheyenne und Kiowa bei Adobe Walls den letztlich verzweifelten und erfolglosen Feldzug gegen ein großes „Jagdlager“ der um ein Vielfaches überlegenen, weil ganz im Gegensatz zur indianischen Liga bestens bewaffneten Schlächter.

Die mörderische Reichweite ihrer Gewehre lässt keinen Angriff ohne erhebliche Verluste zu, die selben Waffen, die das Schicksal der Bisons besiegeln, bewegen die Häuptlinge zum Rückzug, die Schlächter in Staates Gnaden feiern als großen Sieg, was der Vernunft der Angreifer geschuldet ist, der aus bloßer Verzweiflung geborene Aufstand, als beispielhafter Fingerzeig gedacht, verhallt im Präriewand wie ein Schrei ohnmächtigen Zorns.

In der Folge gelingt es der Regierung, die trotz ihrer Niederlage nicht bezwungenen, in ihren bedrängten Stammesgebieten umherstreifenden „Komantschen“ an der Achillesferse ihrer wachsenden Hungersnot zu packen und sie mit einem dreckigen und höchst überflüssigen Vertrag zu ködern, der auf der einen Seite den freien Durchzug der großen Rinderherden durch ihre Gründe gewährleistet und im Gegenzug den Hungernden ausreichende Fleischversorgung durch Longhorns - ohnehin längst übliche Praxis, diese lockere Handhabung -, was ihre Jagdgründe innerhalb kurzer Zeit mit riesigen Rindertrecks überschwemmt und die begehrte „Comancheria“ über Nacht mit den Stacheldrahtzäunen großer Viehweiden zerschneidet, die von den Züchtern auf diesem Wege in widerrechtlicher Windeseile in Besitz genommen wird.

Dem andauernden, von der Regierung widerspruchslos hingenommenen, weil beabsichtigten Missbrauch stehen die Numunu machtlos gegenüber, die stolzen Comanche werden wortwörtlich von Rindviechern überrannt, um Grund und Boden gestampft und mit Stacheldraht aus ihrer Heimat ausgesperrt, während sich die Texaner ihren fetten Wanst mit Beefsteak vollschlagen.

In diesen Tagen nackter Verzweiflung und tiefster Demütigung finden die Comanche Zuflucht und Kraft in der Peyote Religion, von Propheten ins Leben gerufen, ihrem einflussreichen Anführer Quanah Parker eifrig gefördert und durch umherziehende Kultleiter, die „road men“ in den Reservationen verbreitet. Der knopfförmige Kaktus namens „Lophophora williamsii“ wird von seinen Anhängern zeremoniell untermalt und rituell begleitet eingenommen, seine visionsfördernde Wirkung, ironischerweise den Apache seit langem bekannt, dient als Grundlage dieser neuen Form von Spiritualität.

Vielerorts verbinden sich indianische Mythen mit christlichen Elementen, der Große Geist wird kurzerhand mit Gott oder auch Jesus gleichgesetzt, jedenfalls findet die neue Religion überraschend rasch weite Verbreitung nicht nur unter den Comanche sondern bei allen Stämmen der gesamten Prärie bis hinaus in ihre Randzonen. Immerhin fördert diese Strömung ein neues indianisches Selbstbewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl, die Peyote Religion wird es wohl auch in Zukunft noch geben.

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Petra vom Frankenwald

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