Eines Tages fährst du hoch aus sanftem Dämmerschlaf und erkennst mit jähem Schrecken, dass es die Welt, die du selbstverständlich in dir trägst als lebendige Erinnerung, nicht mehr gibt.

Die alten Häuser, die noch stehen, haben ihr Äußeres verändert, du würdest ihre Innenräume nicht wiedererkennen, und es wohnen andere Menschen darin. Die Straßen, die es auch damals schon gab, haben eine neue Decke, und was auf ihnen fährt, ist nicht das, was damals auf ihnen gefahren ist. Auch die Natur hat sich gewandelt und erneuert, an den wenigen Plätzen, die ihr noch geblieben sind. Du bist dort gelandet, wo du deine Großeltern vorgefunden hast, als sie dir Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend erzählten: In einer anderen, fremden Welt, versunken in grauer Vergangenheit.

Manche verleugnen den Musikgeschmack ihrer Kindheit und frühen Jugend, sie wollen immer schon anspruchsvollere Musik gehört haben, die ihnen als Jugendlichen und junge Erwachsenen gefallen hat, ihr musikalisches Empfinden geprägt und ihren Werdegang maßgeblich beeinflusst. Später dann tun sie so, als könnten sie der Musik der nächsten Generation etwas abgewinnen, die nichts mit der ihren gemein hat und ohne sich bewusst zu machen, dass ihnen auch damals bei Weitem nicht alles gefallen hat. Das geht nicht so recht zusammen, sie begegnen dem mit abgezwungener Aufgeschlossenheit, wovon sie bei sich selbst nichts mehr wissen wollen. Lieber belügen sie sich selbst als sich einzugestehen, dass sie mit der Musik ihrer Kinder nichts anfangen können, Hauptsache, sie ähneln darin nicht ihren Eltern.

Was insofern verständlich ist, dass sie um ihre Musik haben kämpfen müssen und diese gegen den erbitterten Widerstand der Eltern durchzusetzen gezwungen waren. Wovon aber heute keine Rede mehr sein kann, also könnten sie die Musik der kommenden Generationen ebenso gut mit einem souveränen „Gefällt mir nicht, sagt mir nichts, ist nicht für mich gemacht“ quittieren und gelassen gelten lassen. Eine Ehrlichkeit, die ihnen irgendwie peinlich zu sein scheint, was wohl damit zusammenhängt, dass sie die Musik ihrer Kindheit und frühen Jugend verleugnen, die sie in irgendeiner Form mit ihren Eltern in Verbindung zu bringen scheinen. Alles in allem könnte man ihren Umgang mit zeitgenössischer Unterhaltungsmusik als widersprüchlich bezeichnen.

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