In den Pueblos der Hopi geben sie Tawa, dem Vater der Sonne, die Ehre, mit der Zeremonie der Wintersonnenwende.

Das ganze Jahr über bringen sie ihm tagtäglich Maismehl als Opfer, Neugeborene werden ihm acht Tage nach der Geburt vorgestellt. Großer Tawa, der diesem Knirps das Leben geschenkt hat, pass gut auf ihn auf. Tihküyi, Sandaltar-Frau und Mutter der Spiele, du hast über seine Geburt gewacht, nun wache du, Tawa, über sein Aufwachsen. Nachts, wenn Mu-yao, der alte Mann, mit seinem Mondlicht auf die Erde scheint, verwandelst du, Großmutter Huru-ing Wuuti, die du tagsüber alt und hässlich bist, dich in eine wunderschöne Frau, geschmückt mit Muscheln, Korallen und Türkisen. Mutter des Universums, die du täglich Besuch bekommst von der Sonne in deinem Kiva am westlichen Meer, beschere ihm Reichtum. Dein Sohn Mui-ingwa schenke ihm Fruchtbarkeit, lasse seine Felder keimen und bringe die Pflanzen zum Wachsen, deine Enkel, die Zwillingsbrüder Po-okan-hoya und Palo-ngao-hoya mögen ihm hilfreich zur Seite stehen und ihm keine allzu schlimmen Streiche spielen, wenn der Desperado unser Pueblo besucht, der mit der Wasserschlange Palolokom im Bunde steht, der Freund des einhörnigen Kwanitapa, des Wächters am Eingang zur Unterwelt, der den Weg bestimmt derjenigen der Unseren, die in diesem Jahr mit Massaw gegangen sind.

Und wieder geht ein Jahr zur Neige,

die Wüstenspringmaus huscht vorbei,

der Luchs auf leisen Pfoten,

zum Jammern der Apache Geige

hallt weit der Kaktuseule Schrei,

das Heulen des Kojoten.

Der Sternenhimmel weit und klar

der selbe ist im neuen Jahr.

Am Morgen leuchtet Schnee von den Gipfeln der Berge. Unentwegt taumeln auch im Tal dicke Flocken vom grauen Himmel, die jedoch in Schneeregen übergehen, sich selbst auffressen und die hauchdünne Decke in ein löchriges Leichentuch verwandeln, noch ehe diese sich schließen kann, suchend schweift die Sehnsucht in weite Ferne, zum Horizont der blauen Bergen, wo meine Liebe weilt. In kalten Flammen steht die Welt, verlorene Seelen irren durch das Meer der Gezeiten, umlagert von den Geistern ermordeter Schamanen, die sich aufgemacht haben, den Weg zum Licht zu finden, das sich vor ihren ohnmächtigen Augen verfinstert hat.

Naninaà goò hazho ogò a daa ahoninidzingo ninina.

Neun volle Nächte lang haben sie über mir gesungen, meine Navajo Freunde, die Hataali, den Yeibichai, den großen Nachtgesang, eine ihrer wichtigsten Zeremonien, die nur in der Zeit nach dem ersten Frost und noch vor den ersten Frühlingsgewittern abgehalten werden darf, bevor grelle Blitze den Himmel erleuchten und während die Schlangen Winterschlaf halten. Schon seltsam, die Hopi sind so nahe, teilen sich mit ihnen den selben Landstrich und sehen das mit den Schlangen nicht nur unverkrampfter, sondern geradezu gegenteilig. Wie dem auch sei, über einem ihrer kunstvollen Sandbilder, deren es viele gibt mit an die tausend verschiedenen Motiven, sangen sie wohl um die hundert Gesänge. Beim Nachtgesang geht es vor allem um alle Erkrankungen des Kopfes, vielmehr um deren Heilung, in der neunten Nacht schließlich erschienen den Sängern die Yé'i, um den Bemühten mitzuteilen, dass mit meinem Kopf soweit alles in Ordnung sei, nur dass es sich hierbei um eine besondere Form von Ordnung handeln würde, die sich nicht jedermann auf Anhieb erschließe. Das sei von Yé'i Bichai, dem mütterlichen Großvater, ausdrücklich so gewollt, die langwierige Zeremonie sei aber deshalb keinesfalls vergeblich gewesen.

Wie die Schneegänse zieht auch der Weißkopfseeadler über die Wüste auf dem Weg aus seinem südlichen Winterquartier hinauf in seine Heimat, wo die glitzernden Seen auf ihn warten und die himmelhohen Bäume, um seinen riesigen Horst in ihre Wipfel zu bauen. Dort oben im Land von Ih-nis-kin und Hih-lah-dih, der Heimat von Jamo und Jamokwa wird sich sein flügge gewordener Nachwuchs an den Lachsen laben, die von den Grizzlybären liegengelassen wurden, nachdem sie ihnen das Hirn aus den Fischköpfen gefressen haben. Angesichts dieser Überfülle mag dem Wolkenwanderer das Tal der Monumente im wahrsten Sinne des Wortes wie eine grässliche Durststrecke erscheinen, die es möglichst schnell zu durchqueren gilt, die Aufwinde, die an den mächtigen Skulpturen abprallen und den Weg hinüber suchen, helfen ihm dabei und tragen ihn auf mächtigen Schwingen über die roten Steinsäulen, die erhaben aus ihren kreisrunden Fundamenten zu schwindelerregender Höhe aufragen. Und ebendort oben sieht man ihn ziehen, nur dünn zerschneidet sein gellend pfeifender Schrei ab und an die flimmernde Luft bis hinunter in die staubtrockenen Ebenen wie der ferne Gruß eines stolzen Durchreisenden, ich weiß, wohin er zieht und habe den Fluss durchschritten, aus dem er seine fetten Fische pflückt.

So faszinierend sein Anblick auch sein mag, so wenig passt er in die schroffe und bizarre Welt, die sich unter seinen Flügeln ausbreitet wie ein unwirklicher Traum, alles in allem ist der Bursche schlicht und einfach zu groß geraten für den erbarmungslosen Überlebenskampf der Wüste, wo nur die Genügsamen überleben, die ihren Wuchs dem spärlichen Nahrungsangebot angepasst haben und gelernt, tagelangen Durst zu ertragen und zu überleben. Hunger mag eine grausame Folter sein, die Geißel des Durstes aber wurde aus den Flammen der Hölle geflochten, dumpf quält dich der eine und frisst dir gleichmütig kauend die Lebenskraft aus dem Leib, doch wie verzehrendes Feuer verschlingt dich der andere, dessen Glut in deiner Kehle zu lodern beginnt, dein Blut zum Kochen bringt, allen Lebenssaft unerbittlich verdampfen lässt und dich von innen heraus zu glühender Asche verbrennt, ihr Erkalten wirst du nicht mehr spüren. Die Wüste lehrt dich die unbezahlbare Kostbarkeit und absolute Macht des Wassers auf überzeugendere Weise als die gewaltigen Niagarafälle es könnten, und doch ist sie verglichen mit dem großen Salzsee oder dem Death Valley gütig und freigiebig zu ihren Kindern.

6
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 31.12.2020 20:01:25

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 31.12.2020 19:09:49

rigoletta

rigoletta bewertete diesen Eintrag 31.12.2020 09:20:39

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 30.12.2020 15:25:38

Don Quijote

Don Quijote bewertete diesen Eintrag 30.12.2020 12:46:26

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 30.12.2020 12:33:05

5 Kommentare

Mehr von Iktomi