Man erkennt sie an ihrem Gang.

Das ist Alles, was ich über die Yee Naaldlooshi sagen kann. Weder sind sie besonders angriffslustig noch ausgesprochen bösartig, es sei denn, sie sind es auch in menschlicher Gestalt, wobei sich die Frage stellt, ob sie in derselben nicht weitaus gefährlicher wären. Als denn zum Beispiel als Kojote, der noch nicht einmal laufen kann wie ein solcher. Weil die Knie seiner Hinterläufe nicht nach hinten weisen, wie es sich gehört, sondern wie beim Menschen nach vorne, und die Ellenbogen seiner Vorderläufe nicht nach vorne, sondern eben nach hinten wie bei Menschenarmen der Fall. Der Skinwalker hat seine Beine jeweils am falschen Ort, was die Art seiner Fortbewegung unverwechselbar macht.

Er hüpft aber deshalb nicht wie ein Frosch, sondern schiebt beim Laufen seine Hinterbeine seitlich an den vorderen vorbei, um sich fast gleichzeitig mit den Vorderläufen vom Boden abzufedern, einen Satz zu machen, auf den Händen zu landen, die durchaus Pfoten gleichen, und sein erhobenes Hinterteil im gleichen Moment mit nach vorn gestreckten Hinterbeinen rechts oder links an den Vorderläufen vorbei schnellen zu lassen. Für einen verschwindenden Augenblick befindet er sich mit allen Vieren in der Luft, ehe seine Hinterläufe den Boden fassen und sein ulkig verdrehter Rumpf mit ausgestreckten Vorderläufen dieselbe Prozedur vollzieht und so weiter. Er läuft gewissermaßen seitlich und auch wieder nicht, da er durchaus in der geraden Spur bleibt und sogar eine erstaunliche Geschwindigkeit entwickeln kann dabei.

Warum diese gefallenen Schamanen ihre in streng geheimen Ritualen erworbene Fähigkeit gebrauchen, sich nächtens in ein wenn auch nicht gänzlich vollkommenes Tier zu verwandeln und in der Gegend herum zu streifen, weiß kein Navajo so recht zu sagen. Es macht ihnen ganz offenbar einen Heidenspaß, wobei sie es sich natürlich nicht verkneifen können, die Leute mit ihrem besonders tiefen und durchdringenden Heulen zu erschrecken oder auch mal polternd an ihren Hogans zu rütteln. Eingedrungen in ein solches aber ist noch nie einer, man muss es schließlich nicht übertreiben mit seinen nächtlichen Umtrieben. Ich habe auch schon gehört, dass dem Einen oder Andern dieser Verwandlungskünstler sein Spuk irgendwann langweilig wurde und er quasi über Nacht damit aufgehört hat.

Da die Skinwalker tagsüber vollkommen normale und mitunter unauffällige Zeitgenossen sind, weiß Niemand zu sagen, wer da jetzt als Yee Naaldlooshi unterwegs gewesen ist bis zu diesem Zeitpunkt, und natürlich braucht so ein Gestaltenwandler eine grausige Geschichte. Wenn es in einer Sippe einen ungeklärten Mord in der nächsten Verwandtschaft gegeben hat, was ja ab und zu vorkommen soll, ist es selbstverständlich der Mörder, der da in tierischer Gestalt die Leute in Angst und Schrecken versetzt, ja, sein abgründiges Verbrechen war die Bedingung für die Erlangung der finsteren Macht, nach Belieben zum Tier werden zu können. Anderswo genügt ihm dafür sogar ein gewöhnlicher Mord an wem auch immer. Aber auch darüber ist man sich nicht ganz einig, es handelt sich in beiden Fällen eher um eine sich anbietende Mutmaßung.

Vielleicht hat diese nie bewiesene Bezichtigung ihre Ursache ganz einfach darin, dass schon des Öfteren ein Yee Naaldlooshi von einem Jäger getötet wurde, ohne dass dieser seine erlegte Beute dort hätte vorfinden können, wo sie zweifelsohne hingestreckt wurde, stattdessen aber am Morgen darauf ein aus unerklärlichen Gründen verstorbenes Stammesmitglied im Bett seines Hogan entdeckt wurde. Was ja nun einem Mord gleichkäme, wäre damit nicht der heimtückische Mord des überführten Skinwalkers gesühnt und dieser seiner gerechten Strafe zugeführt worden. Denn fürs Leute Erschrecken allein hat wohl Keiner den Tod verdient.

Doch wie dem auch sei, die Yee Naaldlooshi sind bei Weitem nicht so schlimm und erst recht nicht teuflisch, wie es ihnen vor allem von den christlichen Missionaren untergeschoben wird. Denen sie natürlich mit besonderer Vorliebe einen heidnischen Schrecken einjagen und die sie deshalb als ungeheuerliche Grabräuber ausgemacht haben, die arglosen Leuten Leichenpuder ins Gesicht blasen. Woraufhin sich deren Zunge schwarz färbt, sie heftig zu zucken anfangen und sogar daran sterben können. Eine Gemeinheit, die ich so nur von den Ilkashn, den Hexern der Apache kenne, diese Übeltäter laufen allerdings nicht als Vierbeiner durch die Nacht.

Wie auch immer und dieser Feinunterscheidung zum Trotz kämmen sich abergläubische Navajos vor dem Schlafengehen ihre Haare nicht, um zu vermeiden, dass ein Skinwalker ein Haar aus der Bürste stehlen könnte und es für einen bösen Fluch gegen seinen Träger missbrauchen. Finsterer Aberglaube dient als Schutz vor schwarzer Magie, so nährt eins das andere bei Leuten, die sich vor einem Hund zu Tode erschrecken, nur weil der ein wenig seltsam läuft. Der andrerseits auf der Stelle stirbt, wenn du ihn mit seinem richtigen Namen anrufst. Nur leider kennt den kein Mensch, so ein Pech aber auch. Ich für meinen Teil jedenfalls würde ohne Zögern von dieser Fähigkeit Gebrauch machen, und sei es aus purer Lust am Schabernack. Doch so wie die Dinge liegen, ist dieser unsinnige Zeitvertreib ausschließlich den Navajo vorbehalten.

Klar, wo der eine weilt, ist der andere niemals weit, es gibt neben verschiedenen Pferdefüßen eben auch den selbigen einen hier, wenn du in der Sierra überleben willst, reicht es mitnichten aus, dich gegen Gefahren rein irdischer Natur und Bedrohungen rein menschlicher zu wappnen, du kommst nicht umhin, dich den Mächten der Finsternis zu stellen und bist gezwungen, dich vor ihrer Präsenz zu behaupten, das hat die Wüste nun mal so an sich, so what and what's the problem? Das lehren einen schon die Darstellungen der alten und „vorgeschichtlichen“ Felszeichnungen in Nevada, dass es in der Wüste so das eine oder andere gibt an Scheusalen, Ungeheuern und Geisterwesen, vor denen man besser auf der Hut sein sollte.

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