Gestern Abend habe ich gegessen, geduscht, mir die Zähne geputzt und im Bett noch ein gutes Buch aufgeschlagen. Wäre in diesem Moment Krieg ausgebrochen, hätte das Leben, das ich kenne, auf Seite 311 aufgehört.

Wir besitzen Häuser, Autos und Bausparverträge. Gut, ich nicht. Aber? Kein Aber. Mir geht es gut. Ich habe was ich brauche und in Wahrheit so viel davon, dass es mich manchmal sogar selbst überrascht.

HABEN

Mehr noch: Würde ich mit meinem eigenen Zeug ein Geschäft aufmachen, wäre es Buchhandlung, Plattenladen, Modehaus und Drogerie in einem. Und obwohl mir von Satz zu Satz klarer wird, dass mir bereits ein ganzes Einkaufszentrum gehört, werde ich ganz sicher nicht damit aufhören, mein Geld für Dinge auszugeben, die andere wirklich brauchen könnten, ich aber nur besitzen will.

GEBEN

Was ich aber auch mache, ist spenden. Und zwar nicht, weil Menschen ausgerechnet von mir etwas haben wollen, sondern weil ausgerechnet ich ihnen etwas geben will.

HELFEN

Das Elend ist öffentlich, sichtbar, zum Greifen nahe. Es liegt auf der Hand. Nur die Menschlichkeit ist zu einem gut gehüteten Staatsgeheimnis geworden. Unfassbar. Heißt Repräsentieren nicht mehr mehr, als Gräben aufzureißen und es dann anderen zu überlassen, Menschen "willkommen" zu heißen, im Dreck?

Bürger_innen haben längst gezeigt, was es heißt, zu helfen. Aber was, bitte, gibt die Regierung – von sich?

FÜHLEN

Und auch wenn wir manchmal so tun, als ob wir nicht selbst genau wüssten, wie es sich anfühlt, bedroht, beschimpft oder fortgejagt zu werden, nur, weil uns die Erinnerung klein macht, an solche Momente, so dürfen wir doch wenigstens nicht so tun, als ob nur wir Menschen wären.

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liberty

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fischundfleisch

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