Wer Locken hat, will glatte Haare. Wer glatte Haare hat, will Locken und wer sich gerade noch auf wunderbare Spaghetti gefreut hat, schielt im nächsten Moment schon eifersüchtig auf das Schnitzel des eigenen Gegenübers. Ja, lächerlich. Die Angst davor, zu kurz zu kommen, hat trotzdem Saison.

Willkommen im Wohlstand

Während Facebook-Sprüche à la: Es glitzert. Es ist sinnlos. Ich will es! nicht nur fleißig geteilt, sondern gelebt werden, scheinen die selben Menschen - die in ihren farblich abgestimmten Junges-Wohnen-Wohnungen sitzen und nicht zuletzt daran interessiert sein könnten, den eigenen Freundeskreis mit dem Kauf des nächsten Glitter-Flitter-Teils zu übertrumpfen - es schnell mit der Angst zu bekommen, sobald sie ihr mühevoll aufgebautes Hochglanz-Leben bedroht glauben.

Willkommen in Österreich

Wird dann auch noch bekannt, dass die eigene Heimatgemeinde, sagen wir mal, 100 Asylsuchende aufgenommen hat, wird schnell noch das gemacht, was die Bezahlung der Fixkosten bisher Monat für Monat verhindert hat. Nämlich eins und eins zusammengezählt.

Und da sich das eigene Unvermögen (Vorurteil) nicht gut anfühlt (Vorurteil), schiebt man nicht nur die selbst eingebrockte Schuld (Vorurteil), sondern gleich auch den persönlichen Schuldenstand (Vorurteil) auf jene (Vorurteil), die gar nichts leisten wollen (Vorurteil), sondern einfach kommen können (Vorurteil), um sich ins gemachte Nest zu setzen (Vorurteil).

Wo das Geschäft mit Vorurteilen blüht

Dass auch in diesem Text nicht mit Vorurteilen gespart wurde, ist unschwer zu erkennen. Dass sich das jederzeit ändern lässt, ist aber ebenfalls Fakt. In den letzten Monaten sind die Ängste vieler Österreicher_innen mittels gut platzierter Horrormeldungen geschürt worden. Doch wie immer, wenn wir dazu angehalten werden, über uns selbst hinaus zu denken, macht der Vergleich unsicher.

UND JETZT ZU DEN FAKTEN

Asylsuchende leben nicht in Saus und Braus

Laut UNHCR, dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen, haben Asylsuchende in Österreich „keinen Anspruch auf Mindestsicherung (früher Sozialhilfe), Familienbeihilfe oder Kinderbetreuungsgeld.“

Asylsuchende, die nicht in einer organisierten Unterkunft leben, erhalten zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts eine Grundversorgung für Miete, Strom, Heizung und Lebensmittel in der Höhe von „maximal 320 Euro“ pro Monat. Im Unterschied dazu, erhalten Österreicher_innen mit Anspruch auf Mindestsicherung einen Betrag in der Höhe von „maximal 838 Euro“.

Asylsuchende, die „in organisierten Unterkünften leben“ in denen auch für Essen gesorgt ist, erhalten überhaupt nur einen Gesamtbetrag von „40 Euro pro Monat“.

Asylsuchende sind nicht faul

Laut UNHCR wollen viele Asylsuchende arbeiten. „Aber egal ob Lehrer, Krankenschwester oder Hilfsarbeiter: Für Asylsuchende ist es in Österreich aufgrund der rechtlichen Lage kaum möglich, eine Arbeitsbewilligung zu bekommen.“

Nur für Asylsuchende unter 25 Jahren wurde „der Zugang zum Arbeitsmarkt etwas gelockert.“ Unter gewissen Voraussetzungen dürfen sie eine Lehre beginnen, wenn es sich um einen Lehrberuf handelt, „in dem es nicht genügend Arbeitskräfte gibt und für den außerdem kein Österreicher oder keine andere Person mit Arbeitserlaubnis in Frage kommt.“

Asylsuchende überschwemmen Österreich nicht

Des Weiteren ist auf der Seite der UNHCR zu lesen, dass in den vergangenen fünf Jahren „jährlich zwischen 11.000 und 17.500 Menschen um Asyl angesucht“ haben. Für österreichische Verhältnisse, wenig. „So wurden in den 90er Jahren während des Bosnien-Krieges beispielsweise 90.000 Vertriebene in Österreich aufgenommen, im Jahr 1956 waren es während der Ungarn-Krise sogar über 170.000 Menschen.“

Im krassen Gegensatz zur Hilfsbereitschaft früherer Jahre, wird das Boot aktuell ab 37.500 Asylsuchenden für voll erklärt. Weitere Verschärfungen, massive Grenzkontrollen und Stacheldrahtzäune stehen trotzdem noch an.

Schreck lass nach

Seit die österreichische Bundesregierung ihr Händchen für eh nix unter Beweis gestellt hat, werden echte Menschen wohl weiterhin zum Spielball jener gemacht, die sich hinter Angst machenden Vorurteilen verstecken, um sich ihrer eigenen Unmenschlichkeit nicht bewusst werden zu müssen.

UNHCR:

http://www.unhcr.at/unhcr/in-oesterreich/fluechtlingsland-oesterreich/soziale-leistungen.html

Stand: 30.04.2016

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Maria Lodjn

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