Plötzlich sind alle entsetzt und schockiert! Wie aber sollte es anders sein? Billigkleiderkonzerne produzieren in der Regel deutlich mehr, als sie verkaufen können. Jedes Massenprodukt, das keinen Käufer findet, muss aber entsorgt werden, sprich: möglichst verbrannt. Denn das ist kosten- und platzsparend. Egal ob Lebensmittel, Bekleidung oder Sonstiges. Wie soll denn unsere Konsum- und Überflussgesellschaft sonst funktionieren?

H&M positioniert sich zwar gerne als Unternehmen, dem Recycling und Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Tatsächlich ist der schwedische Moderiese wohl ein normaler Konzern, für den Profit eben an alleroberster Stelle steht und Mensch und Natur maximal ausgebeutet werden. Nachhaltigkeit ist wahrscheinlich nicht viel mehr als ein guter Marketingschmäh. Ich befürchte, dass andere Konzerne um nichts besser sind.

Eine aktuelle Reportage des dänischen TV-Senders TV2 bringt dieses gute Image vom Herzensanliegen von H&M, nämlich Recycling und Nachhaltigkeit, derzeit kräftig ins Wanken. H&M soll nämlich jedes Jahr 12 Tonnen fabrikneue Kleidung in Dänemark verbrennen lassen. Der Sender hat Lastwagen-Lieferungen heimlich gefilmt und Ex-Mitarbeiter der Verbrennungsanlage interviewt.

Auf die erste Anfrage des TV-Sender reagierte man bei H&M zuerst mit einer Dementierung. Kleidungsmüll gebe es nicht. Erst später lenkte man ein und gab zu, dass Kleidung verbrannt werde - allerdings nur aus "Gesundheits- und Sicherheitsgründen".

Auch Kerstin Sellner, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei H&M Österreich, bestätgt, dass Kleidung verbrannt wird ohne jemals getragen worden zu sein. Und zwar aus zwei Gründen: "Entweder haben die Stücke beim Transport oder der Lagerung einen Wasserschaden erlitten und haben deshalb angefangen zu schimmeln, oder der Chemikalienwert wurde überschritten. Wir würden nichts einfach so verbrennen."

In der Zentrale in Schweden versteht man die Aufregung nicht. Die 12 Tonnen seien ein Durchschnittswert der vergangenen Jahre, so PR-Managerin Anna E. Eriksson. 2016 habe es neben dem dänischen Lager einen Brand gegeben, der dazu geführt hat, dass man fünf Tonnen angesengter Ware vernichten musste. Im Fall der Verbrennung in diesem Jahr hätten Tests einen Schimmelbefall und zu hohe Bleiwerte ergeben. Dem widerspricht TV2: Von „giftiger“ Kleidung könne keine Rede sein. Eigene Untersuchungen hätten weder überhöhte Bleiwerte noch Schimmelbefall aufgewiesen.

"Kleidungsstücke mit kaputten Fäden oder Flecken dürfen zwar nicht mehr verkauft werden, werden jedoch gespendet", erklärt Kerstin Sellner die Vorgangsweise in Österreich. Vollkommen zerstörte Ware kann jedoch nicht an den Sozialmarkt weitergegeben werden. Hier kommt der deutsche Partner I:CO ins Spiel, der 25 Prozent der nicht mehr verwendbaren Ware zu neuen Putzlappen oder ähnlichem weiterverarbeitet. Wiederum ein anderer Teil wird recycelt und beispielsweise zu Füllmaterial für Autositze umfunktioniert.

Selbstverständlich verbrennen auch andere Konzerne in großem Stil Kleidung, wenn dies günstiger ist, als sie zu recyceln. Der Konzern „Bestseller“ mit den Marken Vero Moda, Jack & Jones, Selected und Only hat angeblich im vorigen Jahr 49 Tonnen Kleidung verbrannt, vorwiegend wegen Wasserschäden.

https://kurier.at/style/hm-verbrennt-tonnenweise-neue-kleidung/292.998.788

https://utopia.de/hm-kleidung-dokumentation-verbrennt-klamotten-66764/

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