"Nach zwanzig Monaten in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe sehe ich wenig Bereicherung und viele Probleme."

Dies schreibt Götz Schrage, SPÖ Bezirksrat in Wien-Neubau, Fotograf und Schriftsteller. Er ist auch ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen KURIER-Haus und bei Volkshilfe Neubau.

Zur Zeit plagen ihn folgende düsteren Gedanken:

"Erzwungene Flucht bringt keine freiwillige Erkenntnis. Das zu erwarten wäre romantisch und geradezu tölpelhaft. Wer unter Lebensgefahr flieht, hat keine freien Kapazitäten, um an seiner Toleranz zu arbeiten. Vorurteile, Rassismus und Ressentiments werden nur kurzfristig weggepackt, um dann, sobald man aus dem Gröbsten raus ist, in voller Grobheit wieder aufzuerstehen. Die Rechten haben nicht unrecht wegen ihrer Ängste, die Rechten setzen sich in Unrecht wegen ihrer kalten Herzen. Unsere Kultur der Menschlichkeit zwingt uns, Menschen in Not zu helfen. Sie zwingt uns aber keineswegs, die Augen vor den Problemen zu schließen, die es nun Mal gibt. Nach zwanzig Monaten in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe sehe ich wenig Bereicherung und viele Probleme. Das wird aber nichts daran ändern, dass ich noch zwanzig Monate, oder zwanzig Jahre, wenn es sein muss, helfen werde, wo zu helfen ist, weil ich, banal formuliert, so erzogen wurde.

Parallelkulturen entstehen nicht nur im Verborgenen, sie entstehen oft genug vor unseren Augen. Der Unrat an Homophobie, Antisemitismus, Frauenverachtung und Rassismus schaukelt sich in manchen Flüchtlingsunterbringungen erst recht auf. Männer, die vielleicht in ihrer Heimat durchaus entspannt waren in ihrer Religiosität, mutieren zu selbsternannten Ramadan-Polizisten, die Fastenverweigerer jagen gehen. Konflikte mit Minderheiten aus ihrer alten Heimat bekommen in der Enge des Miteinanders neue Brisanz. Das Ganze noch befeuert von religiösen Eiferern der zweiten und dritten Generation an Einwanderern, die quasi in die Lücke der fehlenden Sozialarbeiter einspringen, um sich so in die Leben der ohnedies verwirrten männlichen Flüchtlinge Bedeutung zu bekommen, um diese Bedeutung wie selbstverständlich zu missbrauchen.

Meine Hoffnung sind die Frauen, die so viel offener zu sein scheinen. So betrüblich es auch zu scheinen mag, wie viele, viele Ehen der geflohenen Menschen zerbrechen, oder gerade noch irgendwie aufrechterhalten werden, es bietet sich auch eine Chance für eine wahre Integration der Frauen. Aber kümmern müssen wir uns um alle. Die Parallelgesellschaft ist kein Schicksal in das man sich fügen muss, oder auch nur fügen darf. Es brauchte ein massives Angebot an verpflichtenden Wertekursen. Es muss Konsequenzen haben, wenn sich den Deutschkursen verweigert wird. Flüchtlingsunterkünfte müssen angstfreie Zonen bleiben, wo es nur eine Exekutive gibt und zwar die, die unser Rechtsstaat vorgibt. Und Frauen, die Teil unserer Gesellschaft werden wollen, sollte jede Unterstützung bekommen, die wir geben können. Es ist zwar verdammt spät, aber es ist nicht zu spät. Und auch wenn wir da massiv auftreten müssen als Gesellschaft, ist es letztlich zum Wohle aller. Intolerante Männer, die an eine Religionsinterpretation glauben, die mit unserer Sicht der Gesellschaft nicht vereinbar ist, sollen selbstverständlich hierbleiben dürfen, solange ihr Leben in Gefahr ist, aber auch keinen Tag länger. Wenn sie mit uns und an sich arbeiten, dann sollten ihnen auch Optionen in unserer wunderbaren Weltstadt Wien gegeben werden. Aber nur dann." Götz Schrage auf facebook, 18.06.2017.

Ich kann nur sagen, dass mich diese Worte auf der facebook-Seite eines Flüchtlingshelfers und Flüchtlingsverstehers der ersten Stunde überraschen, erstaunen und mich in einer beunruhigenden Situation doch irgendwie die Hoffnung schöpfen lassen, dass der Verstand den verantwortlichen Politikern doch noch nicht vollkommen abhanden gekommen ist. Bemerkenswert ist ferner die Feststellung, "intolerante Männer, die an eine Religionsinterpretation glauben" nicht länger als nötig in Wien haben zu wollen.

Nicht nachvollziehen hingegen kann ich die Hoffnung Götz Schrages, die sich nun auf die muslimischen Frauen stützt, weil diese "so viel offener zu sein scheinen". Dies halte ich für ein der Wunschphantasie entsprungenes Hirngespinst. Doch wenn es schon so sein sollte - es sind weniger als 30 % Frauen gekommen. Zudem verwundert die Passage "Männer ... mutieren zu selbsternannten Ramadan-Polizisten, die Fastenverweigerer jagen gehen. Konflikte mit Minderheiten aus ihrer alten Heimat bekommen in der Enge des Miteinanders neue Brisanz. Das Ganze noch befeuert von religiösen Eiferern der zweiten und dritten Generation an Einwanderern ... ", aus der Feder eines SPÖ-Politikers, denn das klingt der Realität entsprechend und eben nicht nach gelungenem Multikulti, also genau nach dem, wovor die bösen Kritiker der Massenzuwanderung von Anfang an gewarnt haben.

Das Posting gibt mir die Hoffnung, dass auch Linke "aufwachen" können, nicht weiterhin die Realität verweigern und umdenken werden und damit Schritt 1 in der Bewältigung der uns eingebrockten Massenzuwanderung setzen: Das Erkennen von Problemen. Vielleicht wird es in der Folge möglich sein, die Gegner der Massenzuwanderung nicht mehr nur abfällig als Hasser, kaltherzige Neider, fremdenfeindliche Egoisten, besorgte Bürger und dumme Rechte zu sehen. Dann könnte man nämlich versuchen, gemeinsam einen Ausweg zu finden. Das wäre der sehr wünschenswerte nächste Schritt, der schleunigst folgen sollte, denn "Es ist zwar verdammt spät, aber es ist nicht zu spät" (Zitat Götz Schrage).

Ich hoffe, Götz Schrage kann seine SPÖ überzeugen, dass Sozialromantik endlich ein Ende haben muss und es höchste Zeit für ehrliche Reflexion ist, auch wenn dabei herauskommen sollte, dass die angeblich bildungsfernen Rechten beim Thema Zuwanderung bisher größtenteils Recht hatten. Andererseits befürchte ich jedoch, dass jetzt erstmal gar nichts geschehen wird, sondern alles wie gehabt auf der langen Bank landen wird, denn zuerst ist Sommerpause und danach Wahlkampf. Dann wird das große Problem aber noch größer und nicht kleiner, denn täglich wandern - neben dem Familiennachzug - weiterhin Migranten zu, wenn auch "nur" 60 und nicht 100 wie im Vorjahr.

Aber wer weiß, vielleicht gibt es doch noch ein Wunder! Das bisherige Ergebnis "Wenig Bereicherung und viele Probleme" kann leider nicht als Erfolg verbucht werden.

https://www.facebook.com/g.schrage

http://www.schrage.at/

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Schrage

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