Wo sind jetzt eigentlich die IS-Kämpfer von Rakka?

Einen Tag vor der Rückeroberung Rakkas verließ mit Wissen der USA ein 7 km langer Konvoi des IS die Stadt. Man fragt sich nun langsam, wohin jene IS-Kämpfer verschwunden sind, nachdem sie ihr Territorium verloren haben.

Schon seit einigen Wochen kursierten heimlich aufgenommene Bilder in den sozialen Medien. Sie zeigen einen Konvoi voller IS-Kämpfer und ihren Familien, die am 12. Oktober Rakka verlassen haben. Es gab auch immer wieder vereinzelte unbestätigte Berichte, wonach es einen Deal gegeben hätte, dass IS Kämpfer evakuiert worden wären.

Eine umfangreiche Recherche der britischen BBC wirft jetzt etwas Licht auf diese Frage und ergibt ein völlig anderes Bild als das bislang kolportierte. Demnach gab es am Tag vor der Verkündung der Rückeroberung Rakkas tatsächlich einen Deal. Dieser hat einerseits wahrscheinlich viele Menschenleben gerettet, hat es aber andererseits auch mindestens 250 IS-Kämpfern und ihren 3500 Familienangehörigen ermöglicht, die Stadt zu verlassen und zwar in einem aus 50 LKWs, 13 Bussen und hunderten privaten Fahrzeugen bestehenden Konvoi. Manche Fahrzeuge waren schwer mit Waffen und Munition beladen.

Die BBC sprach nun mit den damals lokal angeheuerte LKW-Fahrern, sowie Augenzeugen, die damals den Konvoi beobachtet hatten sowie mit Vertretern, die den Deal ausgehandelt hatten. Der Konvoi soll bis zu 7 km lang gewesen sein und sei kurz nach Rakka in die Wüste abgebogen bis zu einem von der IS kontrolliertem Gebiet am Euphrat nahe der irakischen Grenze.

Die Motivation des Deals war es wohl, Leben zu retten, sowohl das der Zivilisten als auch der kurdisch dominierten SDF-Kämpfer, die damals die Stadt Haus für Haus vom IS zurückeroberten. Die Befürchtung war, dass die eingeschlossenen IS-Kämpfer bis zum letzten Blutstropfen kämpfen und die Verluste hoch sein würden. Der Deal sei eine Entscheidung der syrischen Partner gewesen. Sie waren jene, die gekämpft hatten und sie waren jene, die diese Entscheidung getroffen hatten. Er fand auch unter Wissen der Amerikaner statt.

Noch im Mai sprach der US Verteidigungsminister J. Mattis ganz anders: Den IS aus seinen Territorien zu vertreiben sei lediglich eine taktische Verschiebung. Man müsse aber hin zu einer Belagerung der Hochburgen des IS, um ihn auslöschen zu können. Damit wird verhindert, dass ausländische Kämpfer nach Hause fahren können.

Tatsächlich sollten ursprünglich ausländische Kämpfer vom Rakka-Deal ausgeschlossen gewesen sein. Doch die LKW-Fahrer bestätigen, dass Kämpfer aus Frankreich, Türkei, Aserbaidschan, Pakistan, Jemen, Saudi-Arabien, China, Tunesien und Ägypten mitevakuiert wurden.

Nebulös bleibt, was mit den mindestes 250 kampferprobten IS-Terroristen nach der Evakuierung geschehen ist. Manche sind vielleicht inzwischen getötet worden. Bei Vielen verliert sich aber die Spur. Befürchtet wird, dass sich gerade einige der ausländischen Kämpfer nun neuen Aufgaben zuwenden könnten, zum Beispiel der Mission, Terroranschläge in Europa auszuführen.

So sieht also ein glorreicher Sieg über den IS bzw. ein "Auslöschen des IS" aus!?

Quelle: Bericht des deutsch-ägyptischen Journalisten Karim El Gawhary, dem langjährigen Leiter des Nahostbüros des ORF in Kairo.

https://www.abendblatt.de/politik/article212537441/Rakka-Eroberer-liessen-offenbar-Hunderte-IS-Kaempfer-fliehen.html

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