Der "medizinische Feldversuch" ist Realität - er betrifft die Impfverweigerer

Ein Sommer wie damals. Die Maskenpflicht in den Lokalen fällt, bei der Fußball-EM sehen wir zum Teil volle Stadien. In Rußland feiern Fans ohne Make und Abstand, während die Infektions- und Todeszahlen in dem Land in die Höhe schnellen.

Ob das gut ausgehen wird? Das steht in den Sternen! Was in den Studien steht, ist einigermaßen klar.

Impfung heißt: milder Verlauf, geringe Weitergabegefahr

1. Wer vollständig geimpft ist, der hat eine gute Chance, sich nicht anzustecken und eine ebeso große Chance, eine allfällige Infektion (mit welcher Variante auch immer) gut zu überstehen. Ein kaum merkbarer bis sanfter Verlauf ist wahrscheinlich, eine nötige Hospitalisierung ist sehr unwahrscheinlich.

2. Wer vollständig geimpft ist, verringert die Gefahr, das Virus weiterzugeben. Das Robert-Koch-Insitut kommt zu dem Schluss, "dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr spielen."

Der Schlüssel ist die Impfrate

Der Haken bei der ganzen Geschichte: Um das schlagend werden zu lassen, sind in vielen Ländern noch zu wenig Menschen geimpft. Und der größte Haken bei der Geschichte: Eine illustre Schar von Impfgegnern arbeitet sich einen Wolf bei ihren Bemühungen, die Impfung schlechtzureden und damit die Impfrate gering zu halten. Das ist auch auf dieser Plattform der Fall.

Im Wesentlichen ist die Impfgegnerschaft ein Aufstand gegen die Vernunft und die Wissenschaft. Das war beim Widerstand gegen die Pockenimpfung vor mehr als 200 Jahren so, das ist heute so.

In deren Logik wird schlichtweg nicht verstanden, dass Impfungen vom Prinzip her eine der größten Erungenschaften der Medizin sind. Eine minimale Stimulation des Immunsystems bereitet den Körper darauf vor, im Falle einer Konfrontation mit todbringenden Krankheitserregern gewappnet zu sein. Wenn es das nicht gebe, müsste man es erfinden. Impfgegner sind wie Skifahrer, die ein Fitnesstraining vor der Saison ablehnen. Weil sie sich dabei einen Muskelkater holen könnten. Sie riskieren lieber eine ernsthafte Verletzung beim Sport, weil sie untrainiert zu Tal rasen.

Das wird nicht von allen verstanden. Impfgegner haben ein Faible für Erkrankungen, weil sie denn Sinn und die Logik von Impfungen nicht verstehen wollen.

In deren Logik sind wir - als selbstverständlich Geimpfte - Teilnehmer eines großen "medizinischen Feldversuchs".

Ab Herbst: Feldversuch an Ungeimpften

Diesen Ball schieße ich gerne zurück: Im Herbst und Winter werden die Ungeimpften Teil eines großen medizinischen Feldversuchs sein.

Das hat mehrere Gründe.

1. Die Impfgegnerpropaganda fällt - vor allem Dank des Fanatismus der Impfgegner und deren Engagments in den Sozialen Medien auf fruchtbaren Boden.

2. Die Gesellschaft ist des Lockdowns und anderer Regeln überdrüssig. Das ist verständlich. Auch ich nehme für mich das Recht in Anspruch, mich als Geimpfte fortan freier bewegen zu dürfen - immerhin kann ich mich auf die oben zitierten Schlüsse der Experten berufen. Ich laufe kaum Gefahr, ernsthaft krank zu werden UND ich bin kaum eine Gefahr, jemanden anzustecken. Ich muss nicht unbedingt sofort auf einem Festival mit tausenden Entfesselten tanzen, aber in der Bar mit Freunden anstoßen, das muss drinnen sein.

3. Der Großteil der Impfgegner und Impferverweigerer hat wohl ebensowenig Lust und Laune, sich weiter einschränken zu müssen. Das gilt auch für die Test- und Maskenverweigerer, die ohnehin nie ein Hehl daraus gemacht hatten, Covid-19 zu verharmlosen oder gar zu verleugnen. Der Funfact: Diejenigen, die Covid-19 kleinredeten und kleinreden und sich nicht an Maßnahmen hielten, wurden durch jene geschützt, die Covid-19 ernst nahmen und sich an Maßnahmen hielten.

Wie heißt es so schön: "There is no glory in prevention."

Impfgegnern fällt die eigene Propaganda auf den Kopf

Der Schutz durch Maßnahmen und Social Distancing - den der Großteil der verantwortungsvollen Bevölkerung befolgt hat - fällt nun weg. Der Schutz durch Impfungen ist für die Impfverweigerer noch löchrig - und das wird den Ungeimpften auf den Kopf fallen. Das Paradoxon für die Impfgegner: Je erfolgreicher ihre Propaganda gegen die Impfung ist, desto eher werden sie die Folgen ihrer Propaganda spüren.

Spätestens im Winter wird Covid-19 erneut zirkulieren. Im "elitären Kreis" der Verharmloser und Impfmuffel. Wie groß der Kreis sein wird, ist noch ungewiss. Meine Hoffnung:

Er wird so klein sein, dass die Situation in den Krankenhäusern bewältigbar ist.

Er wird so klein sein, dass keine erneuten Lockdowns-Maßnahmen erforderlich sind.

Es wird möglichst wenige Unschuldige erwischen, die aus Krankheitsgründen nicht geimpft werden können.

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