Ich tippe auf Rot-Pink in Wien

Ich erinnere mich gerade zurück an meine Schulzeit und an meine gachblonde Schulfreundin Yvonne. Die war eine Bombe, nach der sich jeder - und ich betone: jeder - Mann umgedreht hat. Sie hätte jeden haben können. Wir andern Girls waren durchaus ein wenig neidig damals.

Da fällt mir Michael Ludwig ein. Der Wiener Bürgermeister von der SPÖ kann immerhin zwischen drei Liebeswerbern wählen. Er wird sie alle daten, so viel ist sicher. Wen er "abschleppt", das steht noch in den Sternen, wenngleich ich einen Favoriten habe. Schauen wir uns die Varianten nochmals genauer an:

1. Die Variante Rot-Türkis. Das wäre die stärkste Koalition, aber es wäre alles andere als eine Liebesheirat. (Zwischenfrage: Wer mag schon Gernot Blümel?) Für die SPÖ hätte es einen Vorteil: Die rote Stadt kommt in dieser Variante en wenig aus der Schusslinie der Regierung. Die ÖVP würde sich die nominelle Unterordnung unter das Alphatier Ludwig Beteiligung aber sauteuer abgelten lassen - mit dem Bestehen auf das Finanzressort. Und Ludwig weiß: Der ÖVP wird es in den nächsten fünf Jahren niemals um Wien gehen, sondern darum, die SPÖ schlecht aussehen zu lassen. Dem Projekt "Entsozialdemokratisierung Österreichs" ist alles andere untergeordnet.

Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent

2. Die Variante Rot-Grün. So einfach kann es sein. Beide Koalitionspartner haben dazugewonnen, seit 10 Jahren klappt in der Stadt grosso modo alles bestens, die Teams sind eingespielt. Grün ist selbstbewusst und trotzdem gescheit genug, um zu wissen, wer in Wien das Rudel anführt. Aber Ludwig - so vermute ich - denkt bereits: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Die grüne Verkehrspolitik und Umweltpläne sind bei der Basis der SPÖ vermutlich nicht sonderlich attraktiv. Und außerdem: Ein wenig abstrafen darf man die Grünen schon, weil sie bundespolitisch der türkisen Partie rund um Kurz allzu willfährig die Mehrheit verschaffen. Wer von den Türkisen auf Bundesebene mit einer Freude hergewatscht wird, muss den Teppich im immer noch roten Wien nicht für deren oftmals willfährigen Juniorpartner ausrollen.

Wahrscheinlichkeit: 25 Prozent

3. Variante Rot-Pink. Neue Gesichter kommen immer gut an und Ludwig wird möglicherweise davon ausgehen, dass die NEOS ein wenig leichter im Handling sind als die Grünen. Und weniger Erfahrung auf dem glatten Parketten der Politik haben sie auch. Was klar ist: Bei wesentlichen roten Leuchttürmen brauchen die NEOS gar nicht erst versuchen, auch nur über das Lämpchen im Turm zu diskutieren. Dass die Gemeindebauten sakrosankt sind, das wissen die NEOS vermutlich. In wirtschaftspolitischer Hinsicht trennt die NEOS viel von den Roten, in gesellschaftpolitischer Hinsicht wird es keine größeren Reibereien geben. Für den Flow in der Stadt ist vermutlich sogar letzteres wichtiger. Für die NEOS steht nicht allzu viel auf dem Spiel. Niemand erwartet, dass sie das stolze Rote Wien als Juniorpartner aufmischen. Die Gesichtsbäder in der Regierung in Wien wären aber ein Upgrade für die immer noch kleine Partei. Das wirkt sich vermutlich auch bundespolitisch positiv aus.

Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent

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Frank und frei

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stefan251

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G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 13.10.2020 07:51:06

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