Ja, so etwas nennt man Linksruck!

Ich tue ungern herumfakten, aber nachdem ein paar Mathematikgenies auf dieser Plattform abgestritten haben, dass es bei den Wahlen in Wien einen Linksruck gegeben hätte, muss es einfach sein. Ich präsentiere Zahlen:

Bei der Wahl am Sonntag erreichten Rot und Grün gemeinsam 56 Prozent der Stimmen.

Dem stehen FPÖ, ÖVP und Strache gegenüber mit: 31 Prozent.

(Linke und SÖZ rechne ich nicht ein, die würden das Bild noch mehr verdeutlichen, Neos und Bierpartei berücksichtige ich als weder rechts noch links ebenfalls nicht, wer will, kann die auch einer Seite hinzufügen).

Der Vorsprung von Rot-Grün auf Blau-Schwarz-Strache in Wien hat sich von 9 Prozentpunkten im Jahr 2015 auf 25 Prozentpunkte am vergangenen Sonntag erhöht. Deal with it, aber sag niemals "Undeutlich" dazu.

Fleißige dürfen jetzt natürlich auch die absoluten Stimmen zusammenrechnen, das Ergebnis wird nicht viel anders aussehen. Und wenn doch: Wir leben in einer repräsentativen Demokratie, Parlamente bilden den Willen derjenigen ab, die wählen gehen. Wer nicht zur Wahl geht, gibt wenigstens seine Zustimmung zu dieser Spielregel. Es wäre zwar schön, wenn 100 Prozent zur Wahl gingen, die Demokratie funktioniert auch mit 65 Prozent wunderbar.

Wer keine Rechte Partei wählt, wählt nicht rechts

Darum finde ich auch die Einwände schrullig, wonach 101.000 Personen, die noch im Jahr 2015 die FPÖ gewählt hatten und diesmal zu Hause geblieben sind, den linken Wahlerfolg schmälern würden. Sie als potenzielle Rechte zu vereinnahmen, ist allerdings skurill. Wer - egal ob als Linker oder Rechter nicht zur Wahl geht - schenkt dieser Richtung nun einmal keine Stimme. Wenn ehemalige FPÖ-Wähler nicht zur Wahl gehen, darf man davon ausgehen, dass ihnen eine rechte Repräsentanz einfach nicht wichtig ist. Alles andere würde bedeuten, die Leute für dumm zu halten.

Es gab in diesem Jahr mit der ÖVP, der FPÖ und dem Team Strache gleich drei Parteien, die rechten Wählern ein eindeutiges Angebot machten beim Kernthema der Rechten: Migration.

Jeder Wiener konnte im Schlaf die drei Parteien aufsagen, die in keinem Fall "Kinder aus Moria" nach Wien holen wollten, um ein prägnantes Beispiel zu nennen: ÖVP, FPÖ und Team Strache.

Drei Parteien nutzen die unschönen Szenen in Favoriten zwischen rechtsextremen Türken und Linken, um auf mangelnde Integration hinzuweisen: ÖVP, FPÖ und Team Strache.

Ich kann mich in die Köpfer der zuhausegebliebenen Ex-FPÖ Wähler zwar nicht hineindenken, aber das kann man schon sagen:

Ein Angebot für migrationskritische, rechte und Law-and-Order Politik, die gab es dreifach: von ÖVP, FPÖ und Team Strache.

Ein rechtes Angebot von gleich drei Parteien blieb ungenutzt

Wer von der FPÖ und Strache wegen Ibiza und Spesenskandal angewidert war, der konnte die ÖVP wählen. Wer nur von Strache angewidert war, der durfte die von ihm bereinigte FPÖ wählen. Wer die FPÖ ob des Rauswurfs Straches nicht mehr wollte, der durfte Strache wählen. Wer eine FPÖ und einen Strache nicht mag, aber trotzdem Kinder in Moria im Schlamm sitzen lassen will, dem machte die ÖVP ein ganz klares Angebot.

Wenn einst wieder rechte Parteien Wahlerfolge feiern, werde ich das als Rechtsruck akzeptieren. Umgekehrt wünsche ich mir das Eingeständnis aber auch.

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